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Interview: Im Gespräch mit Adrian T. Kubica

Im letzten Jahr hatten wir das Vergnügen uns mit dem People- und Lifestyle-Fotografen Adrian T. Kubica in Hamburg zu treffen, um ihm einige Fragen zu stellen. Das komplette Interview fand im Rahmen der BLICKFANG 2012/2013-Ausgabe statt und gibt es nun auch hier zu lesen.

Adrian wurde 1984 in Detroit geboren und ist in Deutschland aufgewachsen. In Düsseldorf als Producer auf Agenturseite tätig, fasste er 2008 den Entschluss die Seiten zu wechseln. Wie üblich, fing er an zu assistieren und orientierte sich in Richtung Hamburg. Heute ist Adrian ab Düsseldorf und Hamburg buchbar und wird von Banrap Photographers vertreten.

Adrian, wie bist Du eigentlich zur Fotografie gekommen?
Nach dem schon lange vorher gelebten Interesse an der Fotografie, habe ich den Einstieg in die professionelle Riege durch meine Tätigkeit als Producer auf Agenturseite erlebt. Nach einigen Jahren wagte ich dann den Wechsel in die Selbstständigkeit und fing an zu assistieren … Und so ging alles seinen Weg.

Deine Schwerpunkte liegen in den Bereichen People und Lifestyle. Gibt es dafür spezielle Gründe bzw. welchen Reiz üben die Bereiche auf Dich aus?
Als lebensliebender Sonnenanbeter, war People & Lifestyle schon immer das Genre, das es mir am meisten angetan hat. Die Inszenierung und Dokumentation von Momenten, welchen der Mensch in seinem Leben geradezu hinterher- und häufig auch vorbeirennt, bereitet mir die größte Freude.



Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Dynamisch, nah, beobachtend … manchmal sogar etwas voyeuristisch. Kontrastreich und im Ziel emotional nachvollziehbar.

Was zeichnet Deiner Meinung nach ein herausragendes Foto aus?
Zeig’ mir eins und ich sag’s Dir. Ich denke, es gibt keine Regeln mit denen man „herausragende(!)“ Fotos schaffen kann. Es gibt gewiss bestimmte Variablen, die erfüllt sein müssen, andere die zu vermeiden sind, damit es „gut“ ist. Aber im Großen und Ganzen, ist ein Foto wie ein Orchester. Eine kaputte Geige kann ein in sich schönes Stück zerstören, genauso wie eine andere dieses zu einem ganz besonderen machen kann. Oder gerade das kaputte Instrument schafft es mit richtigem Einsatz, den Zauber herbei zu schaffen.

Spielt der Zufall bei Deinen Arbeiten eine große Rolle oder ist alles geplant?
Jobs oder Frei?! Unabhängig vom Briefing oder von der eigenen Vorstellung, gehört eine gute Planung häufig zu einem guten Foto, eben um das gewünschte Ziel zu erreichen. Das Konzept und die Idee bestimmt die Herangehensweise. Es gibt Motive und Ziele die man einfach nicht dem Zufall überlassen kann, die entsprechende Vorbereitung versteht sich von selbst. Auf der anderen Seite bin ich froh, wenn es „Freiraum“ für spontane Handlungen gibt, besonders wenn die Pflicht im Kasten und Zeit für eine Kür ist oder gar wenn sich durch einen Zufall am Set eine unerwartete Möglichkeit ergibt, man den Kunden auch dafür begeistern und „einfach machen“ kann.

Wie bereitest Du Dich auf ein Shooting vor?
Wenn möglich, versuche ich einen nachvollziehbaren Ablauf und eine Story in eine Serie zu bauen. Ob Job oder Frei, häufig gibt das der Crew und allen Beteiligten die Chance sich mental und emotional besser zu integrieren, was meiner Meinung nach förderlich für eine Produktion und letztlich für das Ergebnis ist.

Was inspiriert Dich?
Gesehene Situationen … die eigene Laune. Filme.

Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich?
Ich denke, dass bei jedem Fotografen freie Arbeiten eine wichtige Rolle spielen. Manchmal auf eigenen Ideen und Bildwünschen basierend, ein anderes Mal Portfolio-orientiert.



Im Laufe der Zeit hast Du etliche Projekte und Jobs realisiert. Sind dabei Arbeiten entstanden, auf die Du besonders stolz bist oder mit denen Du ganz besondere Erinnerungen verbindest? Falls ja, welche?
Ja, es gäbe im speziellen eine besondere Geschichte bzw. Produktion aus dem letzten Jahr von der ich gerne erzählen würde, leider gibt’s dazu jedoch eine Verschwiegenheitserklärung und die Arbeiten darf ich nicht zeigen. Aber soviel darf ich verraten … für eine 4-tägige Produktion haben wir mitten im Sommer, bei 30 Grad eine Weihnachtsstory von A bis Z inszeniert. Die Stimmung war überwältigend. Ich, als junger Fotograf, bin unglaublich stolz und glücklich eine solche Produktion durchgeführt zu haben, auf welcher der Kunde mir zudem noch so viel Freiraum in der Umsetzung gegeben hat, dass es eine freie Arbeit hätte sein können. An dieser Stelle einen Gruß an jeden der dabei war.
Eine weitere, „merk-würdige“, freie Produktion, war die mit den kleinen Fußballern. Die absolute Echtheit der Situation und des Spiels, weiter auch die Stimmung der Jungs und die Freude am Spiel an der ich teilhaben konnte, haben mich zu den Bildern gebracht, welche ich immer wieder gerne zeige.

Inwieweit ist das Thema „Bewegtbild“ für Dich interessant?
Ich bin dabei dieses Thema zu einem immer stärkeren Benefit auszubauen. Der zusätzliche Dreh zum Photoshoot ermöglicht es mir, den Bildern in einem weiteren Kanal, ein genaueres intentionelles Verständnis zu verleihen. Außerdem ist die Herausforderung, einen identischen Inhalt bewegt darzustellen, sehr spannend. Die zusätzlich nutzbaren Instrumente, wie Schnitt und Musik, erweitern den nötigen Horizont und bringen zusätzliche Freude an der Arbeit.

Was macht für Dich die Arbeit als Fotograf aus? Was schätzst Du an Deiner Tätigkeit und auf welchen Part könntest Du auch gerne verzichten?
Die Tatsache, immer wieder aufs Neue, Bilder aus dem Nichts zu erschaffen ist das Beste. Am Anfang gibt es eine Idee, einen Impuls oder manchmal auch nur Glück, wenn man gerade etwas sieht. Der fertige Print nach getaner Arbeit ist immer wieder eine Belohnung. Worauf ich verzichten kann? Buchhaltung!

Gibt es aktuell Fotografen-Kollegen, speziell aus Deutschland, deren Arbeiten Du für herausragend, innovativ oder einfach für besonders gelungen hältst?
Schon lange bin ich ein Fan von Sven Jacobsen und Gerhard Linnekogel. Viele Grüße an dieser Stelle.

Deine Basis ist in Hamburg. Weshalb und was schätzst Du an der Stadt beruflich und privat?
Hamburg hat ein positives Charisma. Sowohl die Leute dort, als auch die Umgebung machen Laune. Die Stadt bietet Wege in nahezu alle Richtungen. Beruflich ist die Frage recht klar – in Hamburg sitz einfach ein massiver Kern der deutschen Werbewirtschaft, zudem fühle ich mich mit meiner Fotografie hier tendenziell besser aufgehoben.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.adriantkubica.com
   www.banrap.com
   zum Onlineprofil
 

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  1. browserFruits März #4 - kwerfeldein - Fotografie Magazin

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