schwarzwald_interview_1

Interview: Im Gespräch mit Oliver Schwarzwald

Es ist wieder Zeit für ein Interview! Diesmal im Gespräch: Der auf Stills und Food spezialisierte Fotograf Oliver Schwarzwald aus Hamburg.

Oliver wurde 1973 in Danzig geboren. Seine Karriere begann bei dem dänischen Fotografen Mads Madsen, der großen Einfluss auf seine Arbeit hatte. Inzwischen ist er seit 1996 als freier Fotograf unterwegs. Zu seinen Kunden zählen nationale und internationale Werbeagenturen und Magazine.

Oliver, wie bist Du überhaupt zur Fotografie gekommen?
Ich musste leider schon sehr früh feststellen, dass Malen nicht zu meinen Stärken zählt. Dann suchte ich nach einem Medium, um mich auszudrücken und Ideen zu realisieren, also fing ich an Bilder zu inszenieren und zu fotografieren.

Deine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Stills und Food. Gibt es dafür spezielle Gründe bzw. welchen Reiz üben diese Bereiche auf Dich aus?
Foodfotogafie war die Konsequenz aus einem ersten Praktikum bei Mads Madsen. Er war zu der Zeit, meiner Meinung nach, einer der kreativsten Food-Fotografen. Ich koche gerne und als ich sein Studio betrat – in dem nicht nur fotografiert, sondern auch gekocht wurde – wusste ich was ich machen wollte. Mads begeisterte mich mit seiner Liebe zum Essen und den kreativen Prozessen dieses in Bildern festzuhalten. Im Gegensatz zur Foodfotografie kann ich mich im Stilllife Ideen und Themen noch sehr viel freier nähern.

Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Ich selbst habe zu meiner Arbeit am wenigsten Distanz, da fällt es mir schwer den Stil objektiv zu beschreiben. Am ehesten würde ich den Begriff „emotional“ wählen.



Was zeichnet Deiner Meinung nach ein herausragendes Foto aus?
Es weckt sofort eine Assoziation, ein sehr intimes Gefühl. Es teilt sich mit und zwingt dem Betrachter unweigerlich in den Prozess der Auseinandersetzung.

Spielt der Zufall bei Deinen Arbeiten überhaupt eine Rolle oder ist alles akribisch geplant?
Bei kommerziellen Arbeiten wird der Zufall weitestgehend ausgeschlossen. Trotzdem spielt er eine wichtige Rolle. Meistens entstehen die besten Bilder aus der Kombination aus perfekter Planung und Zufall.

Wie bereitest Du Dich auf ein Shooting vor?
Gründlich. Ich recherchiere den Themenbereich genau und achte sehr auf Details. Jedes mögliche Szenario wird gedanklich durchgespielt und vorbereitet. Beim Shooting kommt es dann drauf an – ich hasse es, nicht vorbereitet zu sein.

Wovon lässt Du Dich inspirieren?
Inspirationsquellen finden sich überall. Viele, viele Bücher und Ausstellungen sind sicher ein wichtiger Faktor. Viel wichtiger aber ist dann Muße und Ruhe, damit aus den gesammelten Eindrücken für mich eine Inspiration werden kann.

Inwieweit ist das Thema „Bewegtbild“ für Dich interessant?
Fotografie ist ein eigenständiges Medium und bietet mir die perfekte Ausdrucksweise.

Was macht für Dich die Arbeit als Fotograf aus? Was schätzt Du an Deiner Tätigkeit und auf welchen Part könntest Du auch gerne verzichten?
Ich schätze das interdisziplinäre Arbeiten. Bei Recherchen kommen wir mit vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt. Und beim Shooting ist, neben der kreativen Arbeit, auch perfektes Handwerk gefragt. Verzichten könnte ich auf lange Diskussionen, das Zerreden guter Ideen, um dann in Konsenskreativiät zu enden.


Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Sie und gibt es aktuell Projekte, von denen Du uns berichten kannst?
Freie Arbeiten sind extrem wichtig für mich. Die Auseinandersetzung mit sich selbst führt – oft erst nach Rückschlägen und Frustrationen – zwangsläufig zur Weiterentwicklung. Mal extrem mühsam, mal schneller. Aber genau das ist es.

Im Laufe der Zeit hast Du bereits etliche Projekte und Jobs realisiert. Gibt es Arbeiten, auf die Du besonders stolz bist oder mit denen Du ganz besondere Erinnerungen verbindest? Falls ja, welche und weshalb?
Die Arbeit für BBDO Warschau für Platinum Towers. Es gab kein Briefing in dem Sinne. Es war so gesehen ein freies Projekt für einen Werbekunden. Welches dann auch direkt einen Preis gewann. Und die Zusammenarbeit mit Christian Sommer für Emmi war sehr bereichernd. Bei diesem Projekt hatte ich die Möglichkeit von Anfang an bei der Kreation dabei zu sein.

Gibt es aktuell Fotografen-Kollegen, speziell aus Deutschland, deren Arbeiten Du für herausragend, innovativ oder einfach für besonders gelungen hältst?
Heinrich Völkels „The Terrible City – Gaza“ ist eine großartige Reportagefotografie. Peter Langers Kolumne im Zeit Magazin verfolge ich auch immer mit großer Begeisterung.

Deine Basis ist Hamburg. Weshalb und was schätzst Du an der Stadt sowohl beruflich, als auch privat? ?
Beruflich ist von Vorteil, dass Hamburgs Zentrum nicht zu weitläufig ist. Die Wege sind verhältnismäßig kurz. Die Infrastruktur ist perfekt. Viele meiner Auftraggeber sitzen hier. Privat bevorzuge ich die perfekte Mischung aus Großstadt und Natur.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.oliverschwarzwald.de
   www.derklaus.com
   zum Onlineprofil
 

kommentieren