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Interview: Im Gespräch mit Thomas Ternes

Thomas Ternes c/o Kelly Kellerhoff liebt seinen Beruf. Er freut sich immer alte Bekannte und Freunde auf dieser Reise wiederzusehen und neue Freundschaften zu schließen. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Beauty, Fashion, People und Commercial. Für die 11. BLICKFANG-Ausgabe (2019/2020) hat uns Thomas Rede und Antwort gestanden.

Wie sah Dein Start in den Beruf genau aus?
Die fotografische Arbeit von Anton Corbijn hat mich sehr früh emotional gepackt. Sein visuell einflussreiches Schaffen war wie ein Katalysator für meine Fotografie, die in meiner eigenen Sozialisierung im Punk und Hardcore zunächst ihr Zuhause fand. Ich begann Bands auf Tourneen durch Europa zu begleiten und zu fotografieren. Bei Alex Rank und Uwe Düttmann habe ich schließlich als fester Assistent gearbeitet und durch die enge Zusammenarbeit mein Handwerk erlernt. Eine tolle Erfahrung. Danach habe ich als freier Assistent für Modefotografen wie Paolo Roversi, Glen Luchford und Ellen von Unwerth gearbeitet und eine weitere Sichtweise auf die kommerzielle Fotografie erhalten.

Was war Dein erster bezahlter Fotojob?
Für das Uncle Sallys Magazin habe ich Primal Scream fotografiert. Bobby Gillespie wollte zuerst nicht so richtig, aber dann hatte ich mit Mani so viel Spaß, das Bobby sich extra umzog und sich von seinem Jogginganzug befreite, um mit mir zusammen zu arbeiten. Das war ein verrückter und wirklich sehr lustiger Nachmittag.





Deine Schwerpunkte liegen heute primär in den Bereichen Beauty, Fashion, People und Commercial. Weshalb? Was reizt Dich immer wieder daran?
Meine schöpferischen Möglichkeiten als Fotograf sind sehr breit gefächert. Dadurch dass ich zum einen die Präzision, aber auch die Kreativität der Werbefotografie und die der High Fashion Welt kennengelernt habe, kombiniere ich beide Welten gerne, mische diesem Spannungsfeld die geforderten Aufgaben und liefere das Foto.

Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Die Hingabe an Ästhetik und Schönheit bestimmt meine Arbeit.

Wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keinerlei Rolle spielen würden: Wie würde Dein absolutes Traumprojekt aussehen?
Portraits von Wladimir Putin reizen mich. Nicht weil ich ein politischer Anhänger seiner Person bin, sondern weil mich die Aufgabenstellung an sich reizt und das der zusätzliche Aufwand bis zum eigentlichen Treffen sicherlich eine Menge neue Erfahrungen mit sich bringt.

Gibt es einige Fotografen-KollegenInnen aus Deutschland, deren Arbeiten Du besonders schätzst?
Ich schätze die Arbeiten von Uwe Düttmann sehr. Von ihm habe ich am meisten gelernt, fotografisch aber auch menschlich im Kontext unserer Arbeit. Uwe schafft es immer wieder mindestens einen entscheidenden Schritt voraus zu sein, was visuelle Impulse und Entscheidungen betreffen.

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Wenn die Details stimmen und ich direkt eine Verbindung zu dem Bild aufbaue. Im besten Fall kann ich Entscheidungen rekonstruieren und weiß weshalb das Foto so entstanden ist. Dann öffnet sich eine weitere Ebene für mich und das Foto kommuniziert nicht nur zweidimensional.


Wer oder was inspiriert Dich?
Einfach alles. Es ist lediglich eine Frage wie tiefgreifend ich die vielen Impulse auf mich einwirken, sich transformieren lasse und welche Tagesform dies zulässt. Wonach suche ich gerade bewusst oder unbewusst? Wie jeder gute Designer, lasse ich die Dinge zunächst auf mich wirken und unterliege dann dem Zusammenspiel von Funktionalität und Ästhetik.

Viele FotografenInnen beschäftigen sich mehr und mehr auch mit dem Thema „Bewegtbild“. Inwieweit ist dies auch für Dich interessant?
Ich bediene beide Medien, Bewegtbild und Fotografie. Die technischen Möglichkeiten sind fließend und beide Medien machen mir großen Spaß. Ich bin für beides buchbar, was man auch sehr deutlich auf meiner Webseite erkennen kann.

Welches war Deine erste Kamera und womit fotografierst Du heute?
Meine erste eigene Kamera war eine Nikon F-301. Die habe ich bei „Foto Dose“ in Hamburg gekauft. Der Verkäufer riet mir zu diesem Model und ich vertraute ihm, da ich zu diesem Zeitpunkt ohnehin keine Ahnung von dem Medium hatte. Die Kamera besitze ich noch. Und durch meine Assistenzzeit wurde die Leere gefüllt. Die Wahl meiner Kamera bei Auftragsarbeiten ist von der Aufgabenstellung abhängig. Die Kameras haben ja ihre eigenen Features und Auflösungen, die Wahl passe ich individuell an. Privat nutze ich meine Fuji X100F sehr gern, eine tolle Kamera.

Wie bereitest Du Dich auf ein bevorstehendes Shooting vor?
Da gibt es verschiedene Ebenen. Zum einem die sachliche und administrative Arbeit, um ein erfolgreiches Shooting zu gewährleisten und dann noch die emotionale. Wie stellt sich mein Team zusammen, wer sind die Menschen, die mir an diesem Tag zuarbeiten? Wie sind die Modelle drauf? Wie finde ich zu ihnen und wie mache ich ihnen und mir das Shooting so einfach und locker wie möglich. Was will der Kunde genau, was kann ich meinem Kunden noch anbieten, im Idealfall etwas, was ihn positiv überrascht. Mein Beruf ist sehr komplex und sehr flexibel in seiner Ausführung. Mit der Erfahrung kommt die Ruhe.

Welchen Stellenwert hat die digitale Nachbearbeitung für Dich?
Das wird in der kommerziellen Fotografie immer ein Thema sein. Ich persönlich nutze die Retusche um meine Arbeiten zu pushen. Um Stile zu ermöglichen, die ich fotografisch nicht leisten kann, es ist eine Symbiose.




Was ist ausschlaggebend, um in der Fotografiebranche erfolgreich zu sein?
Ich persönlich finde ein gutes Miteinander sehr wichtig. Auf einer Produktion haben alle ein gemeinsames Ziel und jeder nimmt in dieser Konstellation eine besondere Rolle und Aufgabe ein. Meine Aufgabe ist es der Mittelpunkt dieser Reise zu sein und zu vermitteln. Durch ein sicheres Auftreten und fachliches Wissen vom gesamtem Team wird das Endergebnis gestärkt. Freundliches Auftreten hat bekanntlich noch niemanden geschadet.

Auf welche Deiner Arbeiten bist Du persönlich besonders stolz? Oder vielleicht einfacher gefragt: Welche Deiner Bilder schaust Du Dir selbst immer wieder sehr gerne an?
Die von mir selbst selektierten Arbeiten auf meiner Webseite schaue ich mir immer wieder gern an, jedes Foto hat für mich eine eigene Geschichte, eine kleine Erinnerung. Meine Webseite hat eine funktionale Aufgabe nach außen und ist zugleich mein persönliches, visuelles Tagebuch.

Viele FotografenInnnen klagen, der Markt für Fotografie sei auf dem absteigenden Ast. Es gäbe immer wenige gute Aufträge, die angemessen bezahlt würden. Wie nimmst Du dies wahr?
Ich sehe es als Erneuerung und eine weitere Möglichkeit unserer Arbeit, Layouts sterben immer weiter aus und der Fotograf hat mehr Freiheiten und kann zeigen, was er innerhalb kürzester Zeit leisten kann. Wer bei so einer Aufgabenstellung klagt, sollte den Weg frei machen. Meistens sind die Budgets auch nicht im Keller, sondern werden von den ganzen Semi-Profis, die den Markt überschwemmen nach unten getrieben. Leider hat die Fachkompetenz keinen großen Stellenwert mehr, denn dann würde sich der Markt selbst bereinigen.

Du hast einiges von der Welt gesehen und in unterschiedlichsten Ländern gearbeitet. Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen?
Bei meiner Frau und meiner Tochter aufzuwachen ist das Schönste. Egal an welchem Ort.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
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