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Interview: Im Gespräch mit Thomas Schorn

Thomas Schorn c/o BANRAP verließ im Jahr 1985 die Lenden seiner Mutter und zog erst nirgends hin. Erst im Jahre 2006 traute er sich vor die Tür und begann sofort eine Fotografenausbildung an der Köln International School of Design, die er 2009 mit Bravour abschloss. Seit 2010 begeistert er seine Kunden Porsche, VW, BMW etc. mit viel Humor, Perfektion und dem Floss-Dance. Für die BLICKFANG-Ausgabe 2019/2020 (Band 11) hat er uns einige Fragen beantwortet.

Was hat Dich dazu bewogen Fotograf zu werden und wie sah Dein Start in den Beruf genau aus? Hast Du eine Fotografen-Ausbildung und evtl. Assistenzen bei anderen Fotografen gemacht?
Ich glaube, ich habe damals selber nicht gewusst was ich da tue. Kamera gekauft, Spaß gehabt, das war’s fürs Erste auch schon. Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, dass sich plötzlich meine ganze Welt nur noch ums fotografieren dreht, das war dann wohl der Startschuss. 2006 hab ich dann den Platz an der Designhochschule KISD in Köln bekommen, was irgendwie ein stranger Zwitter aus Ausbildung und Studium war, aber saugut. Ich hatte nie Lust anderen Equipment von A nach B zu schleppen. Also hab ich mich ohne je assistiert zu haben 2010 direkt selbstständig gemacht, damals noch als Stilllifer, aber immer mit dem Ziel nach einer Zeit in den Autobereich zu gehen. 2015 war’s dann soweit.

Was war Dein erster bezahlter Fotojob?
Ui, lange her. Ich glaube irgendwas für die Universität zu Köln. Mitarbeiterportraits?

Deine Schwerpunkte liegen heute primär in den Bereichen Transportation / Motorsport. Weshalb? Was reizt Dich immer wieder daran?
Die Frage wurde mir schon öfter gestellt und mir fällt es jedes Mal schwer sie treffend zu beantworten. Wie beschreibt man etwas, dass man mit so viel Leidenschaft und Liebe macht, dass es mit Rationalität schlecht zu erklären ist? Ich glaube es ist die Gier, mein emotionales Kopfkino, das Autos in mir auslösen, zu verarbeiten. Die unterschiedlichen Bildwelten reizen mich unglaublich. Ein Auto ist eine hochkomplexe Designerware, die sehr viel Fingerspitzengefühl bei der Inszenierung benötigt. Da kann sich der Nerd in mir vollends austoben. Motorsport hingegen ist das komplette Gegenteil, hier gibt der Bauch den Ton an. Die Hektik, die Hitze, die Leidenschaft des Teams sind unglaublich elektrisierend. Im Motorsport geht es nicht um das technisch perfekte Motiv, es geht um pure Emotion!




Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Unkonventionell, perfektionistisch.

Wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keinerlei Rolle spielen würden: Wie würde Dein absolutes Traumprojekt aussehen?
So ein Projekt gibt es aktuell sogar und es zieht sich wie ein Kaugummi, weil alle Faktoren zusammen kommen … Gemeinsam mit RECOM arbeite ich an einer größeren Serie, in der wir Rennwagen aus verschiedenen Epochen, die maßgeblich den Sound der Zeit geprägt haben, auf die Bühnen der Welt bringen.

Gibt es einige Fotografen-KollegenInnen aus Deutschland, deren Arbeiten Du besonders schätzst?
Ich hab meine Karriere als Stilllifer begonnen. Seit Anbeginn meiner Laufbahn war Markus Wendler, der früher selbst tendenziell eher Stilllifer war, für mich immer der Gradmesser und ist es heute noch.

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Es muss einen packen. Völlig egal ob scharf oder nicht, unter- oder überbelichtet. Wenn es einen vom ersten Moment an in seinen Bann zieht, dann hat das Foto alles erreicht.

Wer oder was inspiriert Dich?
Oft der Markt selbst. Es gibt immer wieder Trends, die so hardcore kopiert und durchgenudelt werden, das innerhalb kürzester Zeit alles gleich aussieht und man keinen Plan mehr hat, für wen die Kampagne eigentlich war. Das ist für mich der größte Anreiz, etwas völlig konträres zu machen. Oft kommen Anreize auch aus völlig anderen Bereichen wie z.B. Architektur oder Illustration.

Welches war Deine erste Kamera und womit fotografierst Du heute?
Mit 18 habe ich mir die Canon EOS 300D gekauft. Seit der Ausbildung ist jedoch Mittelformat angesagt. Die Zauberkiste ist von PhaseOne. Motorsport mit Kleinbild-Canon / Sony.



Wie bereitest Du Dich auf ein bevorstehendes Shooting vor?
Das kommt auf’s Shooting an. Mal mit Gin & Tonic, mal mit Bier.

Welchen Stellenwert hat die digitale Nachbearbeitung für Dich?
Die moderne Bildsprache ist so komplex, ohne Postproduction geht’s einfach nicht. Von daher hat sie natürlich einen sehr großen Stellenwert. Motive die schon eher an eine Collage erinnern, weil fast alles ausgetauscht wird, sind mir ein Dorn im Auge. Bei Jobs ist das völlig okay, da muss man das große Ganze sehen, aber bei freien Arbeiten oder kleineren Jobs bei denen ich selbst die Post übernehme, belasse ich vieles so wie es ist, abgesehen von kleinen Korrekturen. Der Look ist ausschlaggebend.

Viele FotografenInnen beschäftigen sich mehr und mehr auch mit dem Thema „Bewegtbild“. Inwieweit ist dies auch für Dich interessant?
Bewegtbild ist geil. Manchmal bin ich ein wenig neidisch auf die Filmer, die Geschichten oft viel intensiver und länger erzählen können, als es in einem einzelnen Foto je möglich wäre. Allerdings halte ich ehrlicherweise nicht wahnwitzig viel davon, mich als Fotograf in einem anderen Genre zu tummeln. Alles zu machen heißt oft, Dinge auch nur zu 20% gut zu machen und so sieht’s eben auch oft aus. Ich bleib da lieber bei meinen 100% und überlasse das Filmen den Profis. Schuster bleib bei deinen Leisten.

Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich?
Freie Arbeiten zeigen die wahre Handschrift eines jeden Fotografen. Ohne Agentur, Produktion etc. trennt sich zudem oft die Spreu vom Weizen. Hier kann man zeigen, wofür man steht und was man kann.

Was ist ausschlaggebend, um in der Fotografiebranche erfolgreich zu sein?
Eier, Biss und Skills. Man muss für das was man tut brennen, sonst funktioniert’s nicht.

Auf welche Deiner Arbeiten bist Du persönlich besonders stolz? Oder vielleicht einfacher gefragt: Welche Deiner Bilder schaust Du Dir selbst immer wieder sehr gerne an?
Nach wie vor kicken mich meine Motive vom Porsche 919 Evo bei der Rekordfahrt auf der Nürburgring Nordschleife. Motorsport spielt in meinem Leben eine große Rolle und für Porsche dabei gewesen zu sein, genau in dem Moment in dem Geschichte geschrieben wird, ist einfach irre. Das macht für mich die Motive zeitlos.



Viele FotografenInnnen klagen, der Markt für Fotografie sei auf dem absteigenden Ast. Es gäbe immer wenige gute Aufträge, die angemessen bezahlt würden. Wie nimmst Du dies wahr?
Jaein. Es kommt tatsächlich sehr auf den Kunden und das Projekt an und nicht zuletzt, wie man sich selbst verkauft. Wenn man natürlich jeder Einkäufertaktik auf den Leim geht, kann am Ende kein gutes Budget bei rumkommen. Viele kannibalisieren sich vor lauter Angst selbst und werden so selbst zum Teil des Problems.

Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen?
Zuhause! Familie geht über alles.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
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