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Interview: Im Gespräch mit Jens Koch

Jens Koch, geboren 1981 in Leipzig, startete als Fotoreporter in Köln. Heute fotografiert er in Berlin mit den Schwerpunkten Portrait, People und Celebrities. Für die BLICKFANG-Ausgabe 2019/2020 (Band 11) hat uns Jens einige Fragen beantwortet.

Was hat Dich dazu bewogen Fotograf zu werden und wie sah Dein Start in den Beruf genau aus? Hast Du eine Fotografen-Ausbildung und evtl. Assistenzen bei anderen Fotografen gemacht?
Schon immer war ich von Schauspieler- und Musikerportraits fasziniert. Sammelte sie, begann Spaß am fotografieren zu bekommen und stellte mich als 15-Jähriger bei Tageszeitungen vor. Dort arbeitete ich lange als Reporter und versuchte Jobs in Richtung Portrait zu bekommen. Für Assistenzen hatte ich kein Faible, kam mir nie in den Sinn. Magazine blättern, Technik ausprobieren, Kontakte pflegen war die beste Schule, um einen ganz persönlichen Stil zu entwickeln.

Was war Dein erster bezahlter Fotojob?
Vermutlich ein Autounfall auf der A4 bei Köln.

Deine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Portrait, People und Celebrities. Weshalb? Was reizt Dich immer wieder daran?
Ich bin Fan von Geschichten, Schauspiel und Musik. Ich möchte die Leute in mein gebautes Licht stellen, mich interessiert wie sie ticken. Die Kamera ist außerdem ein gutes Vehikel um auf Menschen zuzugehen da ich eher zurückhaltend bin. Ich würde mich als „Charaktere-Sammler“ beschreiben.




Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Aufgeschlossen, zurückhaltend, bestenfalls witzig.

Wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keinerlei Rolle spielen würden: Wie würde Dein absolutes Traumprojekt aussehen?
Gute Frage, ich stelle fest, dass ich so ziemlich genau das selbe machen würde. Da ich oft das Glück habe mir meine Projekte auszusuchen, fällt mir nichts anderes ein.

Gibt es einige Fotografen-KollegenInnen aus Deutschland, deren Arbeiten Du besonders schätzst?
Martin Schoeller ist der beste! Außerdem beeindrucken mich die reportagigen Bilder von Nikita Teryoshin immer wieder.

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Schwer zu sagen. Bestenfalls bringt es mich zum lachen. Emotion muss geweckt werden. Da kann Licht eine Rolle spielen, muss aber nicht.

Wer oder was inspiriert Dich?
Filme, Fotografen, Licht und Gesichter, mein Mann Philipp.

Welches war Deine erste Kamera und womit fotografierst Du heute?
Canon 50E Analog. Heute mit allem was Fotos macht. Geräuschlose Spiegellose Kameras finde ich interessant. Auf Dauer werde ich sicher umstellen. Das unwichtigste am fotografieren ist wirklich die Kamera. Das Foto entsteht im Kopf, hinter der Kamera.




Wie bereitest Du Dich auf ein bevorstehendes Shooting vor?
Ich schaue mir Interviews an, Filme, lese. Im besten Fall weiß ich schon etwas über die Person. Es ist gut ein paar andere Sachen zur Konversation zu haben. Robert De Niro will sicher nicht über Filme plaudern. Vorbereitung ist das wichtigste. Damit zwei Minuten Fotozeit reichen, musst du die Person sofort packen mit dem was aus dir rauskommt. Lichtsetting muss auch vorher stehen, weil kaum Zeit bleibt etwas zu ändern. Der Assistent muss flexibel sein, weil ich auch gern kurz vorher alles umstelle, weil ich nicht zufrieden bin mit meinem ersten Setting.

Was ist ausschlaggebend, um in der Fotografiebranche erfolgreich zu sein?
Kontakte, Geduld, emphatisch bleiben.

Welchen Stellenwert hat die digitale Nachbearbeitung für Dich?
Ich bin ein digitales Kind. Look ist sehr wichtig, zur Präsentation und Motivation am Set. Kreation von Stimmung und Look in der Nachbearbeitung ist ein großer Teil des Ganzen finde ich. Klassische Gesichtsretusche vermeide ich, vielleicht fotografiere ich von dem Standpunkt aus überwiegend Männer.

Viele FotografenInnen beschäftigen sich mehr und mehr auch mit dem Thema „Bewegtbild“. Inwieweit ist dies auch für Dich interessant?
Ich finde es spannend, aber in bewegten Bildern zu denken und diese zu schneiden überfordert mich maßlos. Solange Fotografie sich für mich nicht erschöpft hat, bleibe ich beim Einzelbild. Dann geht’s sicher weiter.

Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich und gibt es aktuell Projekte, von denen Du uns berichten kannst?
Ich bin frei, da ich größten Spaß habe an dem was ich mache. Im Prinzip ist alles meine freie Arbeit. Ich bin privilegiert und schätze das ich das machen kann was ich tue. Mir fällt nichts besseres ein. Vielleicht kommt das im Alter.

Auf welche Deiner Arbeiten bist Du persönlich besonders stolz? Oder vielleicht einfacher gefragt: Welche Deiner Bilder schaust Du Dir selbst immer wieder sehr gerne an?
Ich mag meine Willem Dafoe und Rammstein Fotografien, aber auch die großformatige Werbung mit Christian Ulmen und Fahri Yardim sehe ich sehr gern.



Viele FotografenInnnen klagen, der Markt für Fotografie sei auf dem absteigenden Ast. Es gäbe immer wenige gute Aufträge, die angemessen bezahlt würden. Wie nimmst Du dies wahr?
Alles ist immer im Wandel. Die Printhonorare werden weiter reduziert bis es keine mehr gibt. Der Wechsel zur Onlinevergütung wird spannend und muss beobachtet werden.

Du hast einiges von der Welt gesehen und in unterschiedlichsten Ländern gearbeitet. Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen?
Am schönsten ist es Zuhause. Da ist Liebe. Immer wieder Reisen ist schön, aber auch anstrengend. Habe noch kein Rezept zur wirklichen „Erholung“ gefunden.

Gibt es abschließend noch eine Anekdote aus einer Ihrer Produktionen, die Du uns erzählen möchtest?
Spannend war die Zusammenarbeit mit Robert De Niro, wir fotografierten ihn einen Tag lang für einen Automobilhersteller in einem New Yorker Studio. Alle am Set waren ehrfürchtig, aber Bob war der unkomplizierteste und immer auf dem Punkt. Er sollte auf einem Segboard stehen und kam auf die Idee einen Handstand darauf zu machen. Mit Hilfe einer klassischen „Schubkarre“ Partnerübung unseres Produktionsassistenten Leo entstand ein sehr witziges Foto das bald veröffentlicht wird.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
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