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Interview: Im Gespräch mit Delia Baum

Delia Baum arbeitet seit 2010 als Fotografin in den Bereichen People und Lifestyle. Ihr Stil ist dokumentarisch und immer sehr nah an den Menschen, die sie portraitiert. Repräsentiert wird sie von Kelly Kellerhoff. Für den redaktionellen Part der BLICKFANG-Ausgabe 2019/2020 (Band 11) hat uns Delia einige Fragen beantwortet.

Was hat Dich dazu bewogen Fotografin zu werden und wie sah Dein Start in den Beruf genau aus? Hast Du eine Fotografen-Ausbildung und evtl. Assistenzen bei anderen Fotografen gemacht?
Fotografin bin ich eher aus Zufall geworden. Ich habe damals Bilder von einer Freundin gemacht, ihr Vater hat die gesehen und hat mich gefragt warum ich keine Ausbildung zur Fotografin mache. Ich dachte immer, dass ich auf jeden Fall irgendwas Richtung Design/Kunst studieren werde und fand die Idee erst nicht so gut. Ich habe mich dann aber doch (weil es zu der Zeit auch keinen Plan A gab) bei René Staud beworben und habe dort ein paar Monate später angefangen. Ich absolvierte also eine ganz klassische Lehre in einem Auto/Werbestudio. Als ich 2,5 Jahre später fertig war, habe ich nicht mehr darüber nachgedacht überhaupt was Anderes zu machen.

Was war Dein erster bezahlter Fotojob?
Das waren Bilder für eine Schauspielerin.

Deine Schwerpunkte liegen in den Bereichen People, Lifestyle und Reportage. Weshalb? Was reizt Dich immer wieder daran?
Wenn ich jemanden fotografiere, dann lässt mich diese Person im besten Fall ein Stück in ihr Leben oder gibt etwas von sich Preis. Ich mag die People-Fotografie, da man auf viele tolle und interessante Menschen trifft und das wird nie aufhören, es wird bei jeder Person etwas Anderes sein und das gefällt mir. Es entsteht eine besondere Verbindung zu den anderen Personen, auch wenn nur kurzzeitig, Fotografieren ist also das Eine, aber den Charakter einer Person zu erkennen und sie so zu zeigen wie sie ist oder wie mehrere Personen miteinander umgehen und das dann festzuhalten, das ist etwas Anderes und macht das Fotografieren spannend.



Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Emotional, dokumentarisch, manchmal auch inszeniert und ein bisschen witzig.

Wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keinerlei Rolle spielen würden: Wie würde Dein absolutes Traumprojekt aussehen?
Ich würde wirklich gerne mal eine riesen Hauswand mit meinen Fotos tapezieren. Irgendwas von dem alle gute Laune bekommen, wenn sie vorbei laufen: Eine Wand mit Fotos von Hunde-Welpen, coolen Omis, knutschende Pärchen …

Gibt es einige Fotografen-KollegenInnen aus Deutschland, deren Arbeiten Du besonders schätzst?
David Späth, Florian Schüppel (und natürlich liebe ich Jürgen Teller, aber ich denke solche Namen liegen auf der Hand …)

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Für mich ist ein herausragendes Foto ein Bild, das mich zum lachen, weinen, nachdenken oder staunen bringt. Zudem ist es ein Bild, was ich gefühlt nicht schon 100 mal davor gesehen habe.

Wer oder was inspiriert Dich?
Einfach alles was ich sehe.

Welches war Deine erste Kamera und womit fotografierst Du heute?
In der Familie hatten wir eine Canon EOS 650 und meine erste eigene Kamera war eine digitale Spiegelreflex von Nikon mit unglaublichen 8 MP. Jetzt Canon Mark IV, Polaroid, I-Phone.



Wie bereitest Du Dich auf ein bevorstehendes Shooting vor?
Ich bin gern gut vorbereitet, gehe Früh ins Bett und das Wissen, dass man mit zuverlässigen Leuten zusammen arbeitet, ist auch sehr wichtig.

Welchen Stellenwert hat die digitale Nachbearbeitung für Dich?
Nachbearbeitung ist gut, solange es sich in Grenzen hält. Natürlich muss man manchmal etwas nachhelfen, aber ich mag es gar nicht wenn ein Mensch am Ende wie eine Puppe aussieht oder das Aussehen stark verändert wird. Wenn jemand meine Bilder retuschiert den ich nicht kenne, dann habe ich eher kein so gutes Gefühl.

Viele FotografenInnen beschäftigen sich mehr und mehr auch mit dem Thema „Bewegtbild“. Inwieweit ist das auch für Dich interessant?
Bewegtbild finde ich sehr interessant und ich beschäftige mich viel damit. Als Fotograf sollte man auf jeden Fall ein Gefühl dafür entwickeln, aber mein Fokus liegt auf der Fotografie. Ich arbeite lieber mit anderen Leute zusammen, um neue Möglichkeiten zu finden meine Fotos in Form von Animationen/Gifs zu bewegen.

Wie wichtig sind Dir freie Arbeiten?
Freie Arbeiten haben einen sehr hohen Stellenwert bei mir: Man kann machen was, wann und wo man will, das gibt es sonst ja eher selten. Außerdem ist es wichtig um sich weiter zu entwickeln, kreativ zu bleiben und Fotografie nicht „nur“ als Job zu sehen. Freie Arbeiten sind ein Antrieb, auch wenn es einige freie Arbeiten gab, die ich nicht hätte machen müssen.

Was ist ausschlaggebend, um in der Fotografiebranche erfolgreich zu sein?
Man sollte sich darauf fokussieren was man am Besten kann und nicht den Stil von anderen Fotografen kopieren, nur weil die gerade erfolgreich sind, was in Zeiten von Social Media leider immer mehr passiert. Aber ich glaube, jeder der gut ist und das seinem Umfeld zeigt, der wird seinen Weg gehen.



Auf welche Deiner Arbeiten bist Du persönlich besonders stolz? Oder vielleicht einfacher gefragt: Welche Deiner Bilder schaust Du Dir selbst immer wieder sehr gerne an?
Das sind eher Schnappschüsse/Erinnerungen an Freunde oder Familie wie z.B. Bilder von meiner Oma und meinem Opa. Ich bin wirklich sehr froh, dass ich die beiden damals noch zusammen fotografiert habe.

Du hast einiges von der Welt gesehen und in unterschiedlichsten Ländern gearbeitet. Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen?
Ich mag es sehr bei mir zu Hause, aber wenn ich wo aufwachen könnte, dann wäre es in Mombasa, da meine Schwester dort wohnt.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.deliabaum.com
   www.instagram.com/delibaum
   www.kellykellerhoff.de
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