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Interview: Im Gespräch mit Heiko Laschitzki

Heiko Laschitzki ist in NRW aufgewachsen, hat in in den Niederlanden Fotografie studiert und lebt seit 2001 in Berlin. Er arbeitet vorzugsweise auf Location, in den Bereichen Portrait, Reportage und Mode. Bei den meisten seiner Arbeiten übernimmt er auch die Produktion. Für die BLICKFANG-Ausgabe 2019/2020 stand uns Heiko im Interview Rede und Antwort.

Was hat Dich dazu bewogen Fotograf zu werden und wie sah Dein Start in den Beruf genau aus? Hast Du eine Fotografen-Ausbildung und evtl. Assistenzen bei anderen Fotografen gemacht?
Ich wollte eigentlich Malerei studieren, war mir aber nicht 100% sicher, ob das wirklich mein Ding ist, denn ich bin nicht sehr geduldig und so eine Leinwand zu bemalen kostet ja schon etwas Zeit. Die Schwester von einem Freund hat an der Kunstakademie Fotografie studiert und das brachte mich erst auf die Idee. Ich habe mir dann die Kamera von meinem Vater geliehen und in zwei Monaten eine Bewerbungsmappe zusammenfotografiert. Damit wurde ich dann auch prompt abgelehnt, aber hatte meine Liebe zur Fotografie entdeckt und wurde im nächsten Jahr mit einer besseren Mappe angenommen. Zwischendurch hatte ich noch ein Praktikum bei einem Fotografen gemacht und in einem Fotolabor gejobbt.

Was war Dein erster bezahlter Fotojob?
Ich habe Weinpflanzen und Blätter fotografiert, die von Schädlingen befallen waren. Das war noch vor meinem Studium, während eines Praktikums bei einem Fotografen in Leverkusen, der für Bayer Pflanzenschutz gearbeitet hat. Für den Job hatte er wohl keine Zeit und hat ihn an mich weitergereicht.

Deine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Portrait, People und Fashion. Weshalb? Was reizt Dich immer wieder daran?
Ich glaube mich interessieren einfach Menschen und ich mag die Interaktion und die Überraschungen, die das Arbeiten mit verschiedenen Charakteren mit sich bringt. Ich habe das große Glück durch meinen Job viele sehr nette Menschen kennen zu lernen. Wahrscheinlich habe ich 50% meines Freundeskreises direkt oder indirekt der Fotografie zu verdanken.






Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Oh, das ist schwer zu sagen, denn je nach Thema gehe ich meine Fotos doch recht unterschiedlich an. Bei Personen/Models, die von sich aus nichts anbieten und nur dastehen, bleibt einem oft nichts anderes übrig, als zu inszenieren. Bei anderen steckt man nur das Spielfeld ab und lässt sie einfach machen. Ich glaube mir ist es wichtig, dass ein Bild am Ende authentisch wirkt, auch wenn es inszeniert ist.

Wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keinerlei Rolle spielen würden: Wie würde Dein absolutes Traumprojekt aussehen?
Es gibt da eigentlich nicht „DAS“ Traumprojekt. Ich mache ja viele Sachen gerne und mag gerade die Abwechslung sehr. Wenn ich zwei Modeshoots hatte, bin ich froh wieder eine Reportage fotografieren zu können und danach freue ich mich über einen Portrait-Termin. Das hat alles seinen Reiz und ich empfinde es als ziemlichen Luxus, da nicht auf ein Thema reduziert zu sein. Anfang des Jahres habe ich in Thailand Mode fotografiert und war eine Woche später auf den Philippinen, um für Red Bull in einem der schönsten und saubersten Seen der Welt eine Unterwasser-Reportage zu machen. Zwei Wochen später habe ich auf der Berlinale einen meiner Lieblingsschauspieler fotografiert. Ich bin sehr glücklich und dankbar.

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Es muss mich irgendwie berühren. Irgendeine emotionale Ebene haben.

Wer oder was inspiriert Dich?
Da gibt es viele Dinge und die haben nicht nur was mit Fotografie zu tun. Visuell nimmt man natürlich durch Zeitschriften, Bücher, Internet, Film usw. sehr viel in sich auf, dass man dann unbewusst oder bewusst filtert und im Kopf behält. Aber auch Reisen, Musik und Geschichten beeinflussen mich. Wenn ich bei der Planung eines Shoots Morrissey im Hintergrund höre, dann werde ich sicher andere Ideen bekommen, als wenn Cardi B läuft.

Was ist ausschlaggebend, um in der Fotografiebranche erfolgreich zu sein?
Dran bleiben, selbstkritisch sein und Zuverlässigkeit.

Welches war Deine erste Kamera und womit fotografierst Du heute?
Meine erste ernsthafte Kamera war eine Minolta X-700. Tolle Kamera. War billig, konnte alles und es gab massenweise Objektive auf dem Gebrauchtmarkt. Die müsste ich immer noch irgendwo liegen haben. Später kam eine Mamiya 645 dazu, mit der ich meine ersten professionellen Aufträge fotografiert habe. Zur Zeit fotografiere ich hauptsächlich mit der Canon 5D und habe mir auch die neue EOS R zugelegt. Auf Reisen habe ich auch gerne noch eine kleine Sony dabei.



Wie bereitest Du Dich auf ein bevorstehendes Shooting vor?
Das kommt ganz drauf an, was es ist. Bei vielen Shoots übernehme ich ja auch die Produktion und dann weiß ich ja ganz gut, was mich erwartet. Ansonsten schaue ich mir fast immer vorher die Locations und das Styling persönlich an, um einen Eindruck zu bekommen, mit was ich rechnen muss. Ich mache mir oft ganz viele Notizen und Zeichnungen, die aber meist in der Kameratasche bleiben … So als beruhigendes Gefühl. Es gibt auch Reportagen, bei denen ich gar nichts beeinflussen kann, da muss ich nur schnell und richtig reagieren.

Welchen Stellenwert hat die digitale Nachbearbeitung für Dich?
Beim fotografieren selbst, denke ich da gar nicht groß drüber nach. Da möchte ich natürlich, dass das Bild schon so entsteht, wie es sein soll. Natürlich macht es das Fotografieren leichter, wenn man auch mal eine Steckdose im Hintergrund wegretuschieren kann. Es verleitet aber auch dazu zu viel zu machen und die Bilder zu glatt zu bügeln …

Viele Fotografen beschäftigen sich mehr und mehr auch mit dem Thema „Bewegtbild“. Inwieweit ist das auch für Dich interessant?
Ich drehe manchmal auch kleine Clips, merke aber dann oft, dass ich doch immer versucht bin nur den einen kurzen Moment einzufangen und lieber alles in ein Bild packe. Da bin ich dann doch zu sehr Fotograf, aber vielleicht ändert sich das ja mal …

Wie wichtig sind Dir freie Arbeiten?
Ich mache sehr gerne freie Geschichten in den Bereichen Mode und Reportage. Im Januar letzten Jahres habe ich z.B. eine freie Modestrecke in Thailand fotografiert, die im Sommer im spanischen Magazin „Neo2“ veröffentlicht wurde und im Februar habe ich eine Reportage über Hexen und Voodoo auf einer Philippinischen Insel gemacht, auf der ich zum Tauchen war.

Auf welche Deiner Arbeiten bist Du persönlich besonders stolz? Oder vielleicht einfacher gefragt: Welche Deiner Bilder schaust Du Dir selbst immer wieder sehr gerne an?
Für ein paar der Portraits, die zur Berlinale entstanden sind, hatte ich weniger als zwei Minuten Zeit. Da bin ich dann manchmal selbst überrascht und etwas stolz, wenn ich die Ergebnisse sehe.




Manche FotografenInnen klagen, der Markt für Fotografie sei auf dem absteigenden Ast. Es gäbe immer wenige gute Aufträge, die angemessen bezahlt würden. Wie nimmst Du dies wahr?
Ich arbeite ja viel im Editorial-Bereich und da trifft es leider vollkommen zu. Es gibt viel weniger Printmedien, weniger Jobs und weniger Geld. Nicht nur für Fotografen, sondern auch für Journalisten. Es wird nicht mehr so viel produziert und das ist sehr schade. Auch die neuen Rahmenvereinbarungen einiger Verlage versprechen keine gute Zukunft.

Du hast einiges von der Welt gesehen und in unterschiedlichsten Ländern gearbeitet. Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen?
Am liebsten irgendwo, wo ich noch nie war, von wo ich aber zurück nach Berlin kommen kann.

Gibt es abschließend noch eine spannende Anekdote aus einer Deiner Produktionen?
Wenn ich das erzähle, bucht mich keiner mehr, der mich nicht kennt … Die besten Geschichten entstehen ja immer dann, wenn etwas nicht nach Plan läuft.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
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   www.instagram.com/heiko_laschitzki
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