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Interview: Im Gespräch mit Benno Kraehahn

Benno Kraehahn c/o Hauser Fotografen, Jahrgang 1967, Berliner, Herthaner, Teetrinker, Vater, Ehemann & Fotograf und alles gerne. Für die Interviews in der aktuellen BLICKFANG-Ausgabe 2019/2020 (Band 11) hat uns Benno Rede und Antwort gestanden.

Wie sah Dein Start in den Beruf genau aus? Hast Du eine Fotografen-Ausbildung und evtl. Assistenzen bei anderen Fotografen gemacht?
Ich wusste früh, dass ich Fotograf werden wollte. Unmittelbar nach dem Abitur habe ich meine Ausbildung am Lette-Verein in Berlin gemacht und nachdem ich im Sommer 1989 den Abschluss in der Tasche hatte fiel im Herbst die Mauer … und jeder brauchte Fotografen. Ich war schlichtweg zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und bin ohne weitere Assistenzen in den Job geschliddert.

Was war Dein erster bezahlter Fotojob?
Den ersten Job hatte ich noch als Schüler vor meiner Ausbildung ca. 1986. Für einen Friseur in der Lietzenburger Straße, damals hippes Westberlin, der Laden heißt „Milans“, habe ich zwei Modelle mit wild-toupierten 80ger-Haarsprayfrisuren für eine winzige Anzeige in einem Stadtmagazin fotografiert. Die Bilder waren zumindest scharf … „Milans“ gibt es immer noch, jetzt ein paar Straßen weiter und mit weniger Haarspray.






Deine Schwerpunkte liegen heute primär in den Bereichen Celebrities und Portrait. Weshalb? Was reizt Dich immer wieder daran?
Mich haben immer nur Bilder von Menschen bzw. die Menschen interessiert. Reportage oder Portrait. Dabei ist es mir egal, wen ich fotografiere, ob Regierungschef, Dschungelpromi oder Bäckereifachverkäuferin. Vielleicht ist das gerade der Grund, dass ich mit den sogenannten Celebrities gut klar komme.

Gibt es KollegenInnen, deren Arbeiten Du besonders schätzst?
Na klar. Viele. Thomas Hoepker und Robert Lebeck sind bzw. waren großartig. Helmut Newton natürlich. Wolfgang Tillmanns selbstverständlich. Das sind die ganz ganz Großen. Ich hänge aber auch an den Arbeiten meiner ehemaligen Langzeitassistenten. Fritz Brunier macht mit David Hiepler konsequent gute Bilder und die Arbeiten von Moritz Hoffmann, Nadja Hannaske, Janko Kopetzky, Cem Guenes, Walter Glöckle und Pascal Bünning gucke ich mir immer gerne an.

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Dass es berührt. Durch Inhalt und Form.

Welches war Deine erste Kamera und womit fotografierst Du heute?
Die erste war eine vererbte Voigtländer Vito B, die ich nie hergeben werde. Über die Jahre habe ich dann verschiedenste Hersteller ge- und wieder verkauft. Rentmaterial nervt mich und ist mir bei Kameras komplett unverständlich. Ich hänge an den Systemen oft irre lange und fotografiere z.B. im Studio immer noch mit meinem Hasselblad V System plus PhaseOne-Back. Eine mittlerweile sensible Mischung, aber top. Wenn mich etwas Neues wirklich überzeugt, bin ich aber auch bereit alles über Bord zu schmeißen. Im Kleinbildbereich habe ich kurz nach der Veröffentlichung im Herbst letzten Jahres die EOS R nur 3 Minuten ausprobiert, sofort gekauft und seitdem nicht mehr mit Spiegel fotografiert. Ich verstehe gar nicht, was über diese Kamera so viel gemeckert wird. Ich finde die klasse.

Wie bereitest Du Dich auf ein bevorstehendes Shooting vor?
Meist sehr genau, um dann vor Ort improvisieren zu können.

Welchen Stellenwert hat die digitale Nachbearbeitung für Dich?
Mir ist eine gute technische Ausarbeitung sehr wichtig, Nachbearbeitung interessiert mich weniger.

Viele Fotografen beschäftigen sich mehr und mehr auch mit dem Thema „Bewegtbild“. Inwieweit ist das auch für Dich interessant?
Ich habe in den 90gern ein paar Musikvideos gedreht. Das hat Spaß gemacht, ein paar Platten verkauft und die Erfahrung gebracht, dass ich mich auf eine Sache konzentrieren sollte … Ich mache Fotos.

Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich und gibt es aktuell Projekte, von denen Du uns berichten kannst?
Freie Arbeiten werden für mich immer wichtiger. Der Markt verliert in seiner Hektik einen der interessantesten Aspekte in der Fotografie. Die Möglichkeit der längeren Betrachtung eines Themas. Die Welt wird immer komplexer und wir versuchen das alles in immer kürzeren Zeiträumen zu erklären. Das ist Quatsch und klappt nur ganz selten. Meine freien Arbeiten sind in der Regel Langzeitprojekte. Mehrere parallel, um zu lernen und auch mal liegen zu lassen und vor allem ohne den Druck zu veröffentlichen. An der Serie „Doinitmyway“ über die Berliner Drag-Szene fotografiere ich nunmehr seit 6 Jahren und ein Ende ist nicht in Sicht …




Was ist Deiner Meinung nach ausschlaggebend, um in der Fotografiebranche erfolgreich zu sein?
Wie überall: Gutes Produkt, gute Verkaufe, gute Preise und das garantiert.

Auf welche Deiner Arbeiten bist Du persönlich besonders stolz? Oder vielleicht einfacher gefragt: Welche Deiner Bilder schaust Du Dir selbst immer wieder sehr gerne an?
Ich hatte das Glück in den 90gern den Dalai Lama in der Mongolei zu treffen. Die Bilder sind nicht mehr auf meiner Seite oder in der Mappe, hängen aber, seit einer Ausstellung bei C/O, sauber gerahmt bei meiner Schwiegermutter über dem Sofa. Da freue ich mich immer, und der Kaffee ist auch gut.

Du hast einiges von der Welt gesehen und in unterschiedlichsten Ländern gearbeitet. Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen?
In Japan, neben meiner Frau und mit den Kindern – da waren wir noch nie. Die Kamera hätte ich auch dabei.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.kraehahn.com
   www.doinitmyway.info
   www.hauserfotografen.de
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