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Interview: Im Gespräch mit Markus Altmann

Markus Altmann wurde 1970 in Reutlingen geboren, studierte Fotografie an der Fachhochschule Bielefeld und lebt seit 1998 in Berlin. Er mag Menschen, inspirierende Orte, authentische Situationen und genaues Hinsehen. Seine Arbeitsschwerpunkte sind People, Portrait, Auto und Reportage. Vertreten wird er von WILDFOX RUNNING. Im Rahmen der 11. BLICKFANG-Ausgabe konnten wir Markus einige Fragen stellen.

Was hat Dich dazu bewogen Fotograf zu werden und wie sah Dein Start in den Beruf genau aus? Hast Du eine klassische Fotografen-Ausbildung und evtl. Assistenzen bei anderen Fotografen gemacht?
Fotografie hatte schon immer etwas Faszinierendes für mich. Irgendwann gegen Ende der Schulzeit kam die Idee, das beruflich zu machen. Nach zwei Praktika war klar, dass ich Fotografie studieren möchte. Das habe ich dann in Bielefeld getan. Vorher war ich noch in den USA an der UC Berkeley, das hat mir nicht nur bei der Mappe für die Aufnahmeprüfung geholfen, ich habe so auch neue Sichtweisen kennenlernen können. Assistiert habe ich nie, obwohl das im Rückblick vielleicht hilfreich gewesen wäre. Für meine Diplomarbeit hatte ich ein DAAD-Stipendium und es gab Veröffentlichungen im Rahmen des Kodak Nachwuchsförderpreises, das hat den Einstieg ins Berufsleben sicher erleichtert.

Was war Dein erster bezahlter Fotojob?
Das war wohl für die Abi-Zeitung meines Jahrgangs: Portraits von Lehrern während des Unterrichts. Als Honorar gab es aber erst mal nur Ruhm und Ehre.

Deine Schwerpunkte liegen heute primär in den Bereichen People, Portrait, Cars und Reportage. Weshalb? Was reizt Dich immer wieder daran?
Obwohl das ja unterschiedliche Bereiche sind gibt es einen gemeinsamen Nenner: die Art und Weise wie ich sie fotografiere. Ich mag reale Situationen – wenn ich z.B. Autos fotografiere, dann häufig in Verbindung mit Menschen und eingebunden in eine Story. Oder Mitarbeiter in ihrem tatsächlichen Arbeitsumfeld. Es ist toll, immer wieder spannende Persönlichkeiten kennenzulernen und an Orte zu kommen, die man sonst niemals entdeckt hätte.




Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Ich erzähle Geschichten in einer authentischen und glaubhaften Bildsprache. Formale Aspekte wie eine bewusste Komposition oder Lichtführung sind mir wichtig, sie unterstützen die Aussage des Bildes. Am Anfang habe ich hauptsächlich für Magazine gearbeitet, dieser redaktionelle Stil spielt auch heute noch bei Aufträgen aus dem Werbe- und Corporate-Bereich eine wichtige Rolle. Nur, dass hier alles deutlich planbarer sein muss und bei der Umsetzung natürlich viel mehr Personen beteiligt sind. Auch wenn ein Motiv genau nach Layout inszeniert wird versuche ich trotzdem eine Natürlichkeit zu schaffen. Das gelingt meiner Meinung nach viel mehr durch die tatsächliche Inszenierung als durch den Look in der Post.

Wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keinerlei Rolle spielen würden: Wie würde Dein absolutes Traumprojekt aussehen?
Wenn mich ein Autobauer mit einem Fahrzeug einmal um die Welt schicken wollte, würde ich nicht nein sagen.

Gibt es einige Fotografen-KollegenInnen aus Deutschland, deren Arbeiten Du besonders schätzst?
Es gibt viele Kolleginnen und Kollegen die tolle Jobs machen. Ich würde das aber gerne etwas weiter fassen: Als ich anfing mich mit Fotografie zu beschäftigen haben die Arbeiten der „New Topographics“ Fotografen einen starken Eindruck bei mir hinterlassen. Während meines Studiums merkte ich dann, dass in der Dokumentarfotografie durchaus auch der Mensch spannend ist, nicht nur seine Spuren. Im Rahmen einer Theoriearbeit lernet ich Larry Sultan kennen. Sein Buch „Pictures from Home“ war ein Schlüsselerlebnis für mich (wurde übrigens 2017 neu aufgelegt bei Mack.)

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Es sprich mich sofort an, ohne zu laut zu sein. Und es wird auch nach langer Zeit nicht langweilig, weil es vielschichtig ist. Ich denke gute Bilder haben immer mehrere Ebenen und im besten Fall bleiben ihre Aussagen auch nach vielen Jahren noch relevant.

Wer oder was inspiriert Dich?
Meine Umgebung. Neue Orte, Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen – also auf jeden Fall: Reisen.



Welches war Deine erste Kamera und womit fotografierst Du heute?
Das war eine wirklich billige Plastik-Knipse von Foto Porst, die quadratische Bilder machte (nichts gegen das Format). Bis meine Mutter Erbarmen hatte und mir ihre Zeiss Ikon Messsucherkamera anvertraute. Heute fotografiere ich meistens mit der Canon 5D, Fuji GFX und Phase One.

Wie bereitest Du Dich auf ein bevorstehendes Shooting vor?
Neben dem ganzen Organisatorischen läuft ja im Kopf immer schon so ein Film ab, wie das Shooting aussehen könnte. Manche Shootings sind perfekt planbar, bei anderen habe ich keine Ahnung, wie die Gegebenheiten vor Ort wirklich sein werden – bezüglich der Lichtverhältnisse z.B. oder der Verfügbarkeit von Personen. Da hilft ein gewisses Improvisationstalent. Und die Erfahrung, die ich bereits sammeln konnte, lässt mich etwas ruhiger schlafen.

Welchen Stellenwert hat die digitale Nachbearbeitung für Dich?
Das ist bei mir sehr unterschiedlich und immer abhängig vom konkreten Projekt. Bei manchen Jobs ist eine komplexe Post mit Composings oder CGI notwendig, bei anderen reicht eine gute Rawdatenentwickung um ans Ziel zu kommen. Idealerweise unterstützt die Bearbeitung den natürlichen und bereits vorhandenen Look der Aufnahmen und arbeitet nicht dagegen an.

Viele Fotografen beschäftigen sich mehr und mehr auch mit dem Thema „Bewegtbild“. Inwieweit ist das auch für Dich interessant?
Bewegtbild ist zu einem selbstverständlichen Teil bei vielen Projekten geworden. Ich arbeite oft mit Filmteams zusammen. Einfaches Bewegtbild im Sinne von einzelnen Einstellungen mache ich gerne selbst. Wenn es darum geht in einer komplexen Timeline zu denken, mit Schnitten eine Geschichte zu erzählen, würde ich dafür aber immer einen Kameramann/DOP mit ins Boot holen. Bei aufwändigeren Produktionen geht das auch rein logistisch kaum anders.




Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich und gibt es aktuell Projekte, von denen Du uns berichten kannst?
Freie Arbeiten waren schon immer wichtig für mich. In meiner Diplomarbeit hatte ich mich mit der Idee des Kalifornischen Traums und künstlich geschaffenen Wüsten-Paradiesen in den USA beschäftigt. In den vergangenen Jahren entstanden in regelmäßigen Abständen Arbeiten in der Mojave, eine davon wurde bei Robert Morat ausgestellt. Das Thema Wüste als Lebensraum inspiriert mich immer noch zu neuen Projekten.

Du hast einiges von der Welt gesehen und in unterschiedlichsten Ländern gearbeitet. Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen?
Die Antwort hängt sehr davon ab, wann man mich fragt: Wenn ich gerade länger unterwegs bin: Zuhause! Nach ein paar Wochen in Berlin freue ich mich dann wieder auf ein Projekt, das mich hinaus bringt in die Welt.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.markus-altmann.de
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