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Interview: Im Gespräch mit Miriam Lindthaler

Miriam Lindthaler arbeitet international als Fotografin mit Schwerpunkt Kids, Lifestyle & Advertising für Kunden wie Tonies, Review, Coca-Cola, Manor, Jette, Babybel, Milka, Jako-o, Ergobag. Sie lebt mit ihren beiden Kindern in Hamburg und wird über Tobias Bosch repräsentiert. Für die BLICKFANG-Ausgabe 2019/2020 (Band 11) hat uns Miriam einige Fragen beantwortet.

Was hat Dich dazu bewogen Fotografin zu werden und wie sah Dein Start in den Beruf genau aus?
Ursprünglich wollte ich Freie Kunst studieren, habe dann aber gemerkt, dass mir das Fotografieren doch viel mehr Spaß macht. Technik, Psychologie und künstlerische Vision, das will ich idealerweise auf einen Schnittpunkt bringen. Ich habe in Berlin am Lette-Verein studiert und war danach als Assistentin und Producer für verschiedene Fotografen in Europa unterwegs.

Was war Dein erster bezahlter Fotojob?
Das war ein Poolshooting in Berlin für einen internationalen Espressomaschinenhersteller; mir war damals kotzübel vor Aufregung. Ich liebe Lebensweisheiten; an dem Tag war es „Fake it till you make it.“

Deine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Kids, Lifestyle und Advertising. Weshalb? Was reizt Dich immer wieder daran?
Ich bin sehr emphatisch – mit schnellen, analytischen Antennen für mein Gegenüber. Das Fotografieren ist für mich ein Wechselspiel aus Entertainment und der Reaktion auf das, was mir die Kids anbieten. So entsteht ein authentisches, nahbares Bildergebnis. Ich liebe es Menschen jeden Alters zu „enthüllen“. Das klappt, weil ich mich selbst unverstellt und authentisch zeige. Diesen Raum biete ich gerne an.



Gibt es einige Fotografen-KollegenInnen aus Deutschland, deren Arbeiten Du besonders schätzst?
Ja klar, da gibt es relativ viele, die mich aus ganz unterschiedlichen Gründen begeistern.

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Mir hat mal jemand gesagt: „Wenn du was zu erzählen hast, dann sag´s. Sonst lass es sein.“ Das finde ich treffend. Ich liebe Bilder, die hängen bleiben, die es schaffen, mich emotional oder intellektuell in Resonanz zu bringen – die also was zu sagen haben. Das können Details sein, Farbkombinationen, gezeigte Gefühle. Am besten all das in einem Bild. Dann bin ich platt.

Wer oder was inspiriert Dich?
Von Moods, Geschichten und Erinnerungen und Erlebtem lasse ich mich gerne inspirieren. Meine Arbeit mit den Kids wird auch davon beeinflusst, dass ich Situationen entstehen lasse oder an Locations shoote, die ich als Kind selbst gerne erlebt hätte. In anderen Motiven erkenne ich Selbsterlebtes, oder das Zitat eines tollen Moods, das ich irgendwann mal gesehen habe. Zum Glück ist man ja nie ganz frei von Einfluss. Mich inspiriert darüber hinaus auch ein tolles Team. Ich habe da großes Glück.

Welches war Deine erste Kamera und womit fotografierst Du heute?
Meine erste Kamera war eine Agfa Clack. Ich war 5 Jahre alt und habe den ganzen Tag lang jeden Winkel der Wohnung meiner Oma festgehalten. Erst als ich fragte, wann ich die Bilder denn sehen könne, hab ich das Prinzip der analogen Fotografie verstanden. Na, ich kann mich zumindest noch an ein paar Frames erinnern.

Wie bereitest Du Dich auf ein bevorstehendes Shooting vor?
Ich liebe Produktionen mit aufwendigen Castings und Locationsuchen, deswegen steige ich gerne auf allen Ebenen mit ein; wahrscheinlich, weil ich im tiefsten Herzen selbst Producer bin. Moods schaue ich mir im Vorfeld auch an; da sind in den Tagen vor dem Shooting meine Antennen auf allen Kanälen unterwegs. Das klappt den eigenen Horizont zusätzlich ein Stück weiter auf. Ich lerne sehr gerne von und mit anderen und gehe dennoch meinen ganz eigenen Weg.

Welchen Stellenwert hat die digitale Nachbearbeitung für Dich?
Die ist total wichtig. Die Kunst besteht darin, das Bild nicht totzuposten.



Viele FotografenInnen beschäftigen sich mehr und mehr auch mit dem Thema „Bewegtbild“. Inwieweit ist dies auch für Dich interessant?
Sehr sogar. Ich habe ein gutes Gespür für Regie und kann das gut an meine Filmer vermitteln. Mir juckt es zwar in den Fingern selbst zu filmen, aber irgendwie finde ich auch, das sollten die Kreativen machen, die ihr Filmhandwerk genauso studiert und gelernt haben, wie ich das fotografische. Ich liebe es, wenn wir am Set im Wechsel arbeiten. Auch drehbegleitend shoote ich total gerne.

Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich?
Einen großen. Da habe ich die Gelegenheit genau so und genau das zu fotografieren, wie es mir zutiefst enstpricht. Ich liebe schrägen, cleveren Humor wie auch stille Momente. In der Regel sind es genau diese Arbeiten, auf die sich später die Kunden beziehen; das ist ein Kreislauf.

Was ist Deiner Meinung nach ausschlaggebend, um in der Fotografiebranche erfolgreich zu sein?
Authentisch sein. Und tatsächlich ist auch ein gut gecoachter, reflektierter Fotograf klar im Vorteil wenn es darum geht sich zu positionieren. Man sollte immer wieder mit sich abgleichen, was genau man erreichen möchte. Und geduldig mit sich bleiben; nicht zu streng. Beharrlich weitergehen und aufgeschlossen bleiben. Und sich auch Situationen aussetzen, die die eigene Komfortzone nicht beinhaltet.

Auf welche Deiner Arbeiten bist Du persönlich besonders stolz? Oder vielleicht einfacher gefragt: Welche Deiner Bilder schaust Du Dir selbst immer wieder sehr gerne an?
Der schönste Moment ist immer die Bildauswahl nach den Shootings. Unmittelbar danach hab ich aber schon wieder Lust was Neues zu fotografieren. Es gibt viele Bilder, die mir etwas bedeuten, aber nicht das eine.



Manche FotografenInnen klagen, der Markt für Fotografie sei auf dem absteigenden Ast. Es gäbe immer wenige gute Aufträge, die angemessen bezahlt würden. Wie nimmst Du dies wahr?
Das finde ich nicht. Der Markt wird ja von beiden Seiten gemacht; man kann immer selbst entscheiden, ob man eine für sich unangemessene Bezahlung annimmt, oder nicht. Da habe ich dann lieber einen Kunden nicht, zu dem ich vielleicht auch gar nicht so gut passe.

Du hast einiges von der Welt gesehen und in unterschiedlichsten Ländern gearbeitet. Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen und weshalb?
So laut mein Herz für Auslandsproduktionen schlägt, so gerne packe ich hier in Hamburg spontan das Zelt in den Lada und verschwinde mit meinen beiden Söhnen übers Wochenende ins Grüne oder ans Wasser. Danach kommen wir immer mit vollen Batterien zurück. Das trägt.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
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