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Interview: Im Gespräch mit Lena Burmann

Aufgewachsen in einem kleinen bayrischen Ort hielt Lena Burmann 1991 achtjährig erstmals die Kamera ihres Vaters in den Händen – eine Liebe auf den ersten Blick, die bis heute hält. Lena studierte Fotodesign am Lette-Verein in Berlin und arbeitete danach als Assistentin im In- und Ausland. 2011 machte sie sich in als Fotografin selbstständig. Sie lebt in Ihrer Wahlheimatstadt Berlin. Im Rahmen der BLICKFANG-Ausgabe 2019/2020 (Band 11) hat uns Lena im Interview einige Fragen beantwortet.

Was hat Dich dazu bewogen Fotografin zu werden und wie sah Dein Start in den Beruf genau aus? Hast Du eine klassische Fotografen-Ausbildung und evtl. Assistenzen bei anderen Fotografen gemacht?
Es klingt wie ein Klischee, aber bereits mit 8 Jahren stand mein Entschluss fest, ich wollte Fotografin werden. Mein Vater hatte eine kleine Minolta X300 die mir eine ganz neue Welt eröffnete. Ich habe die Kamera heute noch in meiner Vitrine und denke gerne an meine ersten Gehversuche mit der Fotografie zurück. Auf ein paar Umwegen bin ich 2003 am Lette Verein Berlin gelandet, habe bereits vor dieser Zeit und besonders nachher international assistiert.

Was war Dein erster bezahlter Fotojob?
Ein Job für Scholz & Friends für BIG Versicherungen mit Ralf Moeller als Model.

Deine Schwerpunkte liegen in den Bereichen People, Portrait und Lifestyle. Weshalb? Was reizt Dich immer wieder daran?
Mich interessieren Menschen mit allen ihren Facetten und kleinen Eigenarten. Ich liebe es kleine Geschichten und emotionale Situationen zu schaffen und im Bild zu erzählen. Jedes Bild löst beim jeweiligen Betrachter verschiedenste Trigger aus, es macht mir Spaß damit zu spielen. Menschen sind für mich einfach ein großes, spannendes Mysterium, das es weiter und weiter zu erkunden gilt. Portraits sind meine Leidenschaft. Ich nehme mir hier sehr gerne Zeit. Für mich haben Gesichter so viel Aussagekraft und Einzigartigkeit, das erfüllt mich gerade in den ruhigen Momenten eines Bildes.




Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Narrativ, weich und nah dran.

Wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keinerlei Rolle spielen würden: Wie würde Dein absolutes Traumprojekt aussehen?
Ein Traumprojekt könnte eine Art „People Diary“ sein. Ich stelle mir vor an verschiedenen Orten dieser Welt verschiedene Begegnungen zu portraitieren – sozusagen eine Weltreise durch die Länder anhand verschiedener Protagonisten.

Gibt es einige Fotografen-KollegenInnen aus Deutschland, deren Arbeiten Du besonders schätzst?
Deutschland hat viele unglaublich inspirierende und kreative Fotografen, hier gibt es eine ganze Reihe an Kollegen, die mich über die Jahre immer wieder beeindrucken. Die Schattenstudien von Hiroshi Sugimoto liebe ich sehr.

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Ein herausragendes Foto muss mich persönlich emotional überzeugen, außerdem muss es über einen langen Zeitraum funktionieren. Wenn du ein Bild nach 20 Jahren immer noch in deinem Portfolio hast, könnte es ein herausragendes Bild werden.

Wer oder was inspiriert Dich?
Alles und nichts, Inspiration ist sehr vielfältig.

Welches war Deine erste Kamera und womit fotografierst Du heute?
Meine erste Kamera war wie gesagt eine von meinem Vater übernommene Minolta X300, heute arbeite ich mit verschiedenen Kamerasystemen und fotografiere privat sehr gerne analog.




Wie bereitest Du Dich auf ein bevorstehendes Shooting vor?
Ich nehme mir viel Zeit und plane die Shootings sehr detailliert. Eine gute Vorbereitung gibt mir die Freiheit mich beim Shooting ganz auf das Bild und die Protagonisten konzentrieren zu können.

Welchen Stellenwert hat die digitale Nachbearbeitung für Dich?
Digitale Nachbearbeitung ist gerade im werblichen Kontext sehr wichtig. Mein Ziel ist es hier, mit den Kollegen der jeweiligen Postproduktion, eine sensible und vorsichtige Arbeit an meinen Bildern zu etablieren, damit auch das bearbeitete Foto immer noch den Eindruck eines echten Moments transportiert.

Viele FotografenInnen beschäftigen sich mehr und mehr auch mit dem Thema „Bewegtbild“. Inwieweit ist dies auch für Dich interessant?
Bewegtbild ist natürlich auch für mich eine schöne und spannende Ausdrucksform. Ich beschäftige mich schon seit Jahren mit beweglichen Standbildern, sogenannten Cinemagraphs, einer Kombination aus Foto und Video.

Wie wichtig sind Dir freie Arbeiten?
Freie Arbeiten sind mir besonders wichtig und geben mir Raum mich visuell zu präsentieren und auszudrücken. Sie sind das Salz in der Portfoliosuppe und vervollständigen das Bild eines Fotografen.



Was ist Deiner Meinung nach ausschlaggebend, um in der Fotografiebranche erfolgreich zu sein?
Ein Mentor hat mir mal gesagt, dass man in der Fotografie einen langen Atem haben muss, dem würde ich mich anschließen.

Manche FotografenInnen klagen, der Markt für Fotografie sei auf dem absteigenden Ast. Es gäbe immer wenige gute Aufträge, die angemessen bezahlt würden. Wie nimmst Du dies wahr?
Ich würde auch sagen, dass sich sowohl die Auftragslage als auch die Budgets in den letzten Jahren sehr verändert haben. Viele Bilder werden bei Stockagenturen sehr günstig gekauft. Das wirkt sich leider nicht positiv auf die Qualität verschiedener Kampagnen aus. Dass auch die Bildsprache neben dem Bildinhalt Anteil an einem Motiv hat und dazu dienen kann, sich von anderen Kampagnen abzusetzen, wird hier oft vernachlässigt. Umso schöner ist, dass es hier auch eine Gegenbewegung gibt und weiterhin viele Kunden eine professionelle und individuell auf ihre Anforderungen zugeschnittene Umsetzung zu schätzen wissen.

Du hast einiges von der Welt gesehen und in unterschiedlichsten Ländern gearbeitet. Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen?
Momentan wache ich mit der Sonne Kaliforniens auf, das lässt keine weiteren Wünsche offen.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.lena-burmann.de
   www.instagram.com/lena_burmann
   www.juliawaldmann.com
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