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Interview: Im Talk mit Christian Brecheis

Christian Brecheis c/o Birgit Stöver Artists lebt mit seiner Familie in seiner Geburtsstadt München und ist international als Fotograf tätig. In jungen Jahren hat er über den Sport zur Fotografie gefunden. Seine unverfälschte, dynamische Bildsprache wird von Kunden für Portrait-, Lifestyle- und Sportaufträge geschätzt. An guten Tagen geht er Snowboarden. Im Rahmen der kürzlich veröffentlichten BLICKFANG-Ausgabe 2019/2020 (Band 11) konnten wir Christian einige Fragen stellen.

Was hat Dich dazu bewogen Fotograf zu werden und wie sah Dein Start in den Beruf genau aus? Hast Du eine klassische Fotografen-Ausbildung und evtl. Assistenzen bei anderen Fotografen gemacht?
Das Snowboarden mit allem Drumherum war der Auslöser mich der Fotografie zu verschreiben. Klar, ich habe schon zuvor fotografiert, alles Mögliche ausprobiert. Die Snowboard-Fotografie hat sich als eine spannende Herausforderung aufgetan und gleichzeitig war man dort mit Freunden unterwegs. Mit der ersten Veröffentlichung im Pleasure Snowboard Magazin war klar, da will ich weitermachen. Vom Pleasure hab ich viel Support bekommen, aber auch aus anderen Ecken des Sports. Überhaupt gab es da großen Zusammenhalt und viele Leute, denen ich bis heute dankbar bin. Später habe ich dann eine Zeit lang im Sportmarketing gearbeitet, letztlich aber wieder zur Fotografie zurück gefunden. Mein Interesse für Marken, Sportler und Menschen hat dann die Weichen für meinen weiteren Weg gestellt.

Was war Dein erster bezahlter Fotojob?
Die Agentur Millhaus hat mir ziemlich viel Vertrauen geschenkt und mich früh auf einen Shoot mit dem legendären Ratiopharm Snowboard Team mitgenommen. Die Veröffentlichungen von damals hüte ich noch immer gut. Das war schon irre seine Bilder plötzlich überall zu sehen.




Deine Schwerpunkte liegen heute primär in den Bereichen Lifestyle und Sport. Weshalb? Was reizt Dich immer wieder daran?
Wie bei allen Bereichen der Fotografie gibt es unzählige Arten sich den Themen zu nähern. Ich habe nie aufgehört mich für Momente im Sport und dessen Kultur zu interessieren. Der Bereich Lifestyle entstammt aus den Erlebnissen, Emotionen oder auch Reisen, zu denen ich über den Sport gefunden habe. Für Werbeaufträge muss man, egal was, inszenieren. Hier kann ich aus meiner Erfahrung schöpfen, eine Umgebung kreieren welche die besten Umstände schafft und gleichzeitig mit dem Blick durch „die Brille“ für den Kunden fotografieren. In Summe macht das immer wieder etwas Neues, immer wieder eine spannende Herausforderung!

Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Simpel, dynamisch und echt. Ich finde man muss viel ausprobieren, weil das wie ein Training ist, aber meine Passion sind klare, dynamische und authentische Bilder.

Wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keinerlei Rolle spielen würden: Wie würde Dein absolutes Traumprojekt aussehen?
Mein Freund und Windsurf-Pro Flo Jung hat eine Atlantiküberquerung mit dem Segelboot unternommen und dabei als Sportler, der viel im Wasser ist, auf die Probleme der Meeresverschmutzung aufmerksam gemacht. Auf einer Etappe hatte ich die Gelegenheit das Projekt zu begleiten. Dabei habe ich viel gelernt und eine Motivation mitgenommen, die bis heute anhält. Es ist eine echte Herausforderung mit einen neuen Blick für Bilder und Storytelling Probleme anzupacken, zu informieren und zu motivieren. Es wäre ein Traum, durch positive, inspirierende Bilder den Blick der Menschen auf Umwelt- und Artenschutz zu verändern. Hier will ich auf jeden Fall noch mehr machen.



Gibt es einige Fotografen-KollegenInnen aus Deutschland, deren Arbeiten Du besonders schätzt?
Ein Bild, welches mich schon sehr lange fasziniert und seit einiger Zeit bei mir zu Hause hängt, ist von Martin Schoeller. Ich habe ihn vor Kurzem kennengelernt, eine tolle Begegnung. Generell, egal ob großer Name oder nicht, es ist immer schön und faszinierend sich mit Fotografen auszutauschen die ihrer, einer echten, Passion folgen.

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Klingt vielleicht etwas paradox, aber wenn man sich gern die Zeit nimmt, sich mit einem Foto auseinanderzusetzen, dann beantwortet sich die Frage ganz schnell.

Wer oder was inspiriert Dich?
Leidenschaftliche, interessierte und offene Menschen. Reisen, Heimat und meine Kinder.

Wie bereitest Du Dich auf ein bevorstehendes Shooting vor?
Mir ist es am liebsten, wenn ich schon so früh wie möglich auf einem Job in die Vorbereitung einsteigen kann. Es ist einer der interessantesten Aspekte des Fotografenberufs, sich mit den verschiedensten Themen und Menschen zu befassen. Je mehr man die Thematik versteht, desto besser werden die Bilder. Mein persönlicher Favorit in der Vorbereitungsphase ist das Location Scouting. Hierbei kann man die Abläufe, das Licht und vieles mehr am besten einschätzen, aber auch einen Plan B entwickeln, sollte etwas schief gehen.


Welchen Stellenwert hat die digitale Nachbearbeitung für Dich?
Heutzutage trifft man in diesem Schritt so viele Entscheidungen, dass die Post natürlich einen hohen Stellenwert hat. Selbst wenn ein natürlicher Look gefragt ist, benötigt man in der Bildbearbeitung gute Fähigkeiten und Geschmack.

Viele Fotografen beschäftigen sich mehr und mehr auch mit dem Thema „Bewegtbild“. Inwieweit ist das auch für Dich interessant?
Das Fotografen auch Film machen ist ja keine neue Erscheinung. Neu ist wie einfach sich heute Bewegtbild verbreiten lässt. Für die gesteigerte Nachfrage am Markt nach weniger aufwendig produzierten Videoinhalten, benötigt man nicht zwingend gestandene DOPs oder Regisseure. In einer Zeit in der Menge, oder Content, Vorrang hat, nimmt man in Kauf, dass die Qualität leidet. Ganz klar, man kann mehr und schneller produzieren als das jemals der Fall war, aber innerhalb gewisser Einschränkungen. Ich konnte einige Erfahrungen sammeln, habe eigene Sachen gedreht oder Regie für eine Comedy Webserie für einen Kunden geführt. Ich möchte das aber nicht überbetonen, sondern erst einmal meinen weiteren Weg finden. Ich habe Spaß an guten Werbefilmen und liebe gute Filme. Mit viel Begeisterung und Respekt sehe ich mir daher sehr gern die irrsinnig gute Arbeit vieler Freunde aus dem Filmgeschäft an.

Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich und gibt es aktuell Projekte, von denen Du uns berichten kannst?
Freie Arbeiten bedeuten eigentlich alles. Was macht man, wenn man für niemand anderen als sich selbst ein Foto macht, was bewegt einen dazu den Auslöser zu betätigen? Im Moment versuche ich mich an einem Thema aus der Sportkultur, mal sehen was daraus wird.


Manche FotografenInnen klagen, der Markt für Fotografie sei auf dem absteigenden Ast und es gäbe immer weniger gute Aufträge, die angemessen bezahlt würden. Wie nimmst Du das wahr?
Es gibt ständig Veränderungen! Die Anforderungen die dadurch an Fotografen herangetragen werden, sind vielfältiger, als das jemals der Fall war. Das trifft aber nicht nur auf Fotografen zu. Agenturen, Produktionen, Repräsentanten, Post Produktionen und viele mehr, haben mit Veränderungen, veränderten Ansprüchen und neuer Technik oder Medien zu tun. Viele Bereiche vermischen sich, es wird zusammengearbeitet oder konkurriert, in Bereichen wo dies früher nicht der Fall war.

Gibt es abschließend noch eine spannende Anekdote aus einer Deiner Produktionen, die Du uns erzählen kannst?
Die meisten verrückten Dinge die innerhalb nur eines Tages passiert sind, sind sicherlich auf einer Produktion in der Wüste von Dubai geschehen. Dort ist uns ein Jeep, der zum Spaß in den Dünen herumgefahren ist, in den Set gerollt und hat den Fahrer mit Knochenbrüchen herausgeschleudert. Später wurden wir Zeuge eines Verbrechens. Während unserer Mittagspause ist das Thermometer auf 50 Grad geklettert und es hat sich enormes Unwetter zusammengebraut. Durch den Sturm haben wir Stunden gebraucht um wieder aus der Wüste herauszukommen. Das war bloß die Schnellfassung, am Abend im Hotel konnte niemand fassen, dass das alles in nur einem Tag passiert ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
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