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Interview: Im Gespräch mit Immo Fuchs

Immo Fuchs liebt alles was lächelt, kochen mit Freunden, Neues, seine Familie. Er denkt zu viel nach und mag keinen Rosenkohl. Immo ist freier Fotograf und wird von Tobias Bosch repräsentiert. Wir haben Immo für unsere Jubiläumsausgabe (Band 10) einige Fragen gestellt.

Wie und wann bist Du das erste Mal mit Fotografie in Berührung gekommen und was zeigt Dein erstes Foto, welches Du bewusst aufgenommen hast?
Mein Vater hatte immer irgendwo eine Kamera rumliegen und alles Mögliche an Zubehör, mit dem ich immer gespielt habe. Gut möglich, dass es das nicht unbedingt immer unbeschadet überlebt hat ;-) Der erste Moment aber wo ich wusste „das ist es es!“ war, als ich ein Portrait von einer damaligen Freundin mit meiner ersten Kamera (eine Canon A1) machte und in der Dunkelkammer direkt auf A3 ausbelichtete. Das Gefühl werde ich wohl nie vergessen.

Was hat Dich dazu bewogen Fotograf zu werden und was machte (und macht) die Tätigkeit für Dich so interessant?
Tatsächlich habe ich nach dem Abitur nur versucht, dem Drang nicht nachzugeben und „was Vernünftiges“ zu machen. Ich habe Wirtschaft studiert, war in einer Unternehmensberatung, dann in einer Werbeagentur, aber irgendwann kam der Tag an dem ich nicht mehr weglaufen konnte. Rückblickend glaube ich nicht, dass ich wirklich je eine Wahl hatte. Ich muss einfach fotografieren. Ich bin ein ziemlich intuitiver Mensch und das ist die Fotografie auch. Vielleicht liebe ich sie deswegen so sehr …



Wie sah Dein Start in den Beruf genau aus? Hast Du eine klassische Fotografen-Ausbildung und evtl. Assistenzen bei anderen Fotografen gemacht?
Ich bin weitestgehend Autodidakt. Ich hatte aber viele Menschen, die meinen Weg maßgeblich geprägt haben. Besonders wichtig war der Berliner Fotograf Urs Kuckertz, der mir damals seinen alten Vergrößerer verkauft hatte, woraus sich eine langjährige Freundschaft entwickelt hat. Besonders am Anfang verging kein Tag, an dem ich nicht versucht hätte in Helligkeitsabstufungen zu sehen, sofort jeden Look aus irgendwelchen Filmen nachzubauen, mit jeder Art von Lichtquelle Stunden und Tage zu experimentieren … – das war eine fette Zeit.

Deine Schwerpunkte liegen heute in den Bereichen Fashion und Fashion-Stills. Weshalb? Was reizt Dich immer wieder daran?
In der Mode hat mich immer gereizt, dass es hier (vor allem bei Editorials) die scheinbar meisten Freiheiten hinsichtlich Lichtführung, Framing, Look etc. gibt. Ich bin mir heute gar nicht mehr so sicher, ob das wirklich so ist. Daher versuche ich mich auch ständig weiterzuentwickeln und neue Bereiche für mich zu erschließen, Neugierig zu bleiben. So fotografiere ich in letzter Zeit z. B. am liebsten Beautys. Grundsätzlich liebe ich den Trubel am Set, die verrückten Leute und das gemeinsame Arbeiten an einem Ergebnis! Stills hingegen haben für mich immer etwas Meditatives. Dabei kann ich mich voll und ganz in jeden Lichtverlauf „reinnerden“. Ich bin wie im Flow, bei dem ich alles um mich herum vergessen kann.

Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Ich höre öfter von Freunden und Kunden: „Das ist mal wieder ein richtiger Immo!“. Um ehrlich zu sein, ich weiß gar nicht, was das bedeutet. Ich handle beim Fotografieren nach meiner Intuition und treffe sicher 1000 kleine Entscheidungen auf dem Weg zum fertigen Bild. Offenbar gibt es da etwas in mir, was gerne immer wieder die gleichen Entscheidungen trifft und vielleicht entsteht daraus so etwas wie eine Handschrift. Der Ausdruck „seinen fotografischen Stil finden“ habe ich immer als eine Lebensaufgabe bzw. einen sehr langen Prozess empfunden.




Wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keinerlei Rolle spielen würden: Wie würde Dein absolutes Traumprojekt aussehen?
Ich bin jemand, der sich mit einer Sache oder einem einzigen Projekt recht schnell langweilen kann, daher wäre für mich DAS große Projekt, immer das zu tun, was mir als nächstes einfällt. Das wäre wirklicher Luxus.

Auf welche Deiner Arbeiten bist Du persönlich besonders stolz? Oder vielleicht etwas einfacher gefragt, welche Deiner Bilder schaust Du Dir selbst immer wieder gerne an?
Ich bin immer sehr kritisch mit meinen eigenen Arbeiten. Ich überlasse es am liebsten anderen sich ihre eigene Meinung zu bilden. Ich habe definitiv meine Lieblinge, aber objektiv bin ich bei der Bewertung sicher nicht. Manchmal ist es nur ein Moment, eine Erinnerung, ein Stück Pizza, bei der ich die Farben so mag …

Gibt es einige Fotografen-Kollegen, speziell mit Fokus auf Deutschland, deren Arbeiten Du besonders schätzt?
Auf jeden Fall. Ziemlich viele sogar aus unterschiedlichsten Gründen. Es würde mir schwer fallen hier eine Auflistung der „besten“ zu machen.

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Ein Foto muss mehrere Ebenen haben. Es kann auf den ersten Blick ästhetisch sein, eine Komposition aufweisen, schöne Farben haben oder einen guten Kontrast … Wenn diese und andere Stilmittel dann aber eine Aussage, einen Blick, einen Moment gestalterisch unterstützen, ist es für mich ein gelungenes Bild. Weckt es dann auf einen Schlag eine tiefe Emotion ist es wirklich herausragend!

Was inspiriert Dich?
Neugierde!



Welche Kamera(s) nutzt Du?
Ich arbeite meistens mit Nikon Spiegelreflex Kameras. Vieles fotografiere ich aber auch mit meiner A1, der Leica Q, einer alten Point&Shoot von Olympus auf Film.

Viele Fotografen beschäftigen sich mehr und mehr auch mit dem Thema „Film“. Inwieweit ist das auch für Dich interessant?
Ich liebe es. Die kreativen Möglichkeiten, die Bewegtbild bietet, sind schon riesig. Die Sets häufig ebenso. Ich arbeite z. B. super gerne drehbegleitend, aber letztendlich schlägt mein Herz voll und ganz für die Fotografie.

Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich?
Ich kann mir ein Leben ohne freie Arbeiten gar nicht vorstellen. Ich sehe sie als Chance sich zu entwickeln, etwas auszuprobieren, loszulassen, seinen Geschmack neu zu kalibrieren, Leute kennenzulernen, eine geile Zeit zu haben. Wen es interessiert, zuletzt war ich Anfang des Jahres in Kapstadt recht fleißig.

Kannst Du uns Webseiten und/oder Apps nennen, die Du häufig besuchst/nutzt?
Nicht ohne den Leser stark zu langweilen ;-)

Du hast bereits einiges von der Welt gesehen und in unterschiedlichsten Ländern gearbeitet. Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen und weshalb?
Ich habe vor ein paar Jahren mal eine Nacht alleine im Zelt an einem Gletschersee im Hochland von Island verbracht. Da ich bei Nacht im Sturm mein Zelt aufbauen musste und eigentlich keine Ahnung hatte, wie es um mich herum aussieht, war der Anblick am nächsten morgen ÜBERWÄLTIGEND.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
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