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Interview: Im Gespräch mit Christoph Spranger

Ein gutes Bild erzählt immer eine gute Geschichte. Die Bilder von Christoph Spranger c/o Nerger M&O tun noch mehr, sie nehmen den Betrachter mit, machen ihn zu einem Teil von dem, was er sieht. Urban, hip und unprätentiös, so präsentiert sich die Bildwelt von Christoph. Eine Bildwelt, in die sich der Betrachter sofort mit heftiger Sehnsucht hineinwünscht. Wir haben ihm im Rahmen unserer Jubiläumsausgabe einige Fragen gestellt.

Wie und wann bist Du das erste Mal mit Fotografie in Berührung gekommen und was zeigt Dein erstes Foto, welches Du bewusst aufgenommen hast?
Ich komme aus der Skateboard-Szene, wo wir als Jugendliche schon viel fotografiert und gefilmt haben. Mit 14 bekam ich von meinen Eltern eine Digitalkamera zum Geburtstag; seitdem habe ich alles um mich herum fotografiert. Auf meiner ersten bewussten Aufnahme ist Philipp, der damals mein bester Freund war. Ich habe ihn an unserem DIY Spot fotografiert.

Was hat Dich dazu bewogen Fotograf zu werden und was macht die Tätigkeit für Dich so interessant?
Fotograf zu sein ist nicht einfach ein Beruf. Es ist etwas, das aus dem Inneren kommt, weil es vor allem mit Kreativität zu tun hat. Natürlich geht es auch um Handwerk, um Können, um Technik, aber auch da stellt man sich täglich neuen Herausforderungen. Man lernt täglich neue Menschen kennen, kein Auftrag ist wie der andere, man ist immer gefordert und muss sich auf die Gegebenheiten einstellen.

Wie sah Dein Start in den Beruf denn genau aus? Hast Du eine Fotografen-Ausbildung oder eventuell Assistenzen bei anderen Fotografen gemacht?
Ich habe beides gemacht, klassische Lehre und Assistenz. Von da ging es in die Selbstständigkeit. Und beides hat mir Grundlagen geschaffen, von denen ich heute noch profitiere: Den Umgang mit Kunden und eine gewisse Disziplin habe ich mir in der Lehre angeeignet, darauf lege ich noch heute großen Wert. Als Assistent konnte ich mich vor allem auf den großen Sets umschauen und einen Einblick in die Arbeitsweisen dort gewinnen.






Deine Schwerpunkte liegen heute primär in den Bereichen People und Lifestyle. Weshalb? Was reizt Dich immer wieder daran?
Ich lerne gern Menschen kennen. Und genau das passiert in diesem Bereich bei jedem Auftrag. Mit jemand völlig Fremden auf einmal ein emotionales Band zu knüpfen, das eine beliebige Situation zu einem bedeutsamen Moment macht, diesen Moment dann festzuhalten und zu teilen, das fasziniert mich.

Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Echt. Natürlich. Lebendig. Spontan. Direkt. Emotional.

Auf welche Deiner Arbeiten bist Du besonders stolz oder vielleicht einfacher gefragt, welche Deiner Bilder schaust Du Dir selbst immer wieder gerne an?
Ich bin in der glücklichen Lage, dass meine Arbeit das ist, was ich gern tue, was meine Leidenschaft ist. Ich bin bei jedem Auftrag zu einhundert Prozent dabei und gehe entsprechend glücklich und zufrieden raus. Eigentlich bin ich auf alles stolz, was ich bisher fotografiert habe, denn jeder Auftrag bedeutet das Vertrauen eines Kunden in meine Arbeit. Das ist etwas, wofür ich jedes Mal wieder dankbar bin. Bilder, die mir gefallen, auch meine eigenen, können ganz unterschiedlich sein, denn es spielen ja immer mehrere Faktoren mit, damit ein Bild zu etwas Besonderem wird.

Was inspiriert Dich?
Alles. Mich inspiriert alles, was mich umgibt und was um mich herum passiert. Menschen und was sie tun, wie sie sich benehmen, was sie fühlen, ihre Freude, ihre Traurigkeit – Licht und Schatten.

Welche Kamera(s) nutzt Du?
Im Normalfall ein Nikon-System, aber die Kamera spielt keine Rolle und ist oft abhängig davon, was der Kunde für Ansprüche bzw. Voraussetzungen an das Endprodukt hat.

Wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keinerlei Rolle spielen würden: Wie würde Dein absolutes Traumprojekt aussehen?
Ich bin gerade mal 27 und stehe fast am Anfang meiner Karriere. Es gibt so viele Projekte, die ich gern verwirklichen und entsprechend viele Kunden, mit denen ich gern zusammenarbeiten möchte. Ich freue mich auf alles, was kommt und bin gespannt.

Gibt es einige Fotografenkollegen, speziell mit Fokus auf Deutschland, deren Arbeiten Du besonders schätzt?
Respekt habe ich vor der Arbeit vieler Kollegen. Ein Ranking aufzustellen oder jemanden besonders herauszuheben fühlt sich da seltsam an, denn es gibt viele unterschiedliche Stile und Richtungen, die man gar nicht vergleichen kann. Grundsätzlich imponieren mir Fleiß und Authentizität, ein gewisser Stil, den man wiedererkennt und der durchgehalten wird. Gerade wenn man jung ist, muss man manchmal zäh sein und durchhalten.

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Ein wirklich gutes Foto hinterlässt einen Eindruck. Das geschieht über die Emotionen, die es in uns auslöst. Diese Emotionen, aber auch das Spiel von Licht und Schatten, erzählen die Geschichte eines Augenblicks, universell und so, dass jeder, der es ansieht, sofort versteht und sich in den Moment hineinwünscht. Wie alles, was wirklich gut ist, muss man es nicht erklären, sondern erfährt es intuitiv.

Viele Fotografen beschäftigen sich mehr und mehr auch mit dem Thema „Film“. Inwieweit ist dies auch für Dich interessant?
Gerade arbeite ich zusammen mit einem Kameramann an verschiedenen Bewegbild-Projekten, das ist ein spannendes Feld, das mir Spaß macht und in dem ich sicher noch nicht am Ende bin. Während man mit einem Foto nur eine zweihundertfünfzigstel Sekunde Emotionen erzählen kann, hat man hier immerhin drei Sekunden Zeit. Trotzdem ist im Moment die Fotografie mein Medium, und ich überlasse das Filmen gern den großartigen Filmemachern da draußen.





Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich und gibt es aktuell Projekte, von denen Du uns berichten kannst?
Wenn ich einen Auftrag habe, setze ich meine Kreativität für den Kunden ein. Freie Projekte sind mein Ausgleich, meine Selbstverwirklichung, wenn man so will. Dann habe ich Raum, um mich auszuprobieren, auch mal etwas Ungewöhnlicheres zu machen; es drängt keine Deadline und es geht nur darum, was mir gefällt. Ich habe im Moment verschiedene Idee für ganz unterschiedliche Projekte im Kopf und werde in der nahen Zukunft wohl viel unterwegs sein: Kapstadt, L.A., New York, Miami und Tel Aviv.

Du hast schon einiges von der Welt gesehen und in unterschiedlichsten Ländern gearbeitet. Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen?
Dort aufzuwachen, wo die Sonne ist, wo mich großartige Menschen umgeben, das ist gut. Das kann überall sein, aber ein paar Orte gibt es schon, die mir besonders gefallen: Kapstadt, L.A., Miami wegen des Lichts, aber auch London oder hier, zu Hause in Berlin.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
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