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Interview: Im Gespräch mit Nick Frank

Nachdem er sich über Jahre hinweg für renommierte Kunden in namhaften Werbeagenturen für die Inszenierung von Werbekampagnen verantwortlich zeichnete, wechselte Nick Frank im Jahr 2010 die Seiten, um seine Ideen künftig in eigenen Bildern auszudrücken. Somit kann der 42-Jährige, dessen Studio sich in München befindet, nicht nur Auszeichnungen in seiner früheren Tätigkeit als Creative Director, sondern auch in seiner aktuellen Beschäftigung als gefragter Fotograf aufweisen. Repräsentiert wird er von BRANSCH. Wir konnten Nick in der Jubiläumsausgabe von BLICKFANG 2017/2018 (Band 10) einige Fragen stellen.

Wie und wann bist Du das erste Mal mit Fotografie in Berührung gekommen und was zeigt Dein erstes Foto, welches Du bewusst aufgenommen hast?
Meine erste Kamera war eine EOS 60D, gekauft im Oktober 2010. Bewusst auf-genommen habe ich dann die U-Bahn-Station „Marienplatz“ in München. U-Bahnen sind für einen gewissen Zeitraum lang auch zu meinem Hauptthema geworden. Ich hatte damit unglaublich viele Veröffentlichungen auf der ganzen Welt. Wenn ich mir jetzt allerdings mit etwas Abstand meine Erstlingswerke ansehe, dann war da durchaus noch Luft nach oben. Aber gerade das macht ja auch die Fotografie aus: Repeat, repeat, repeat …

Was hat Dich dazu bewogen Fotograf zu werden?
Da gab es zwei Komponenten, die Einfluss auf meine Entscheidung hatten: Computerspiele und mein Job damals. Im Fall der Computerspiele war es eben so, dass ich den Großteil meiner Freizeit in virtuellen Welten verbracht habe und mit dem Verprügeln von Orks oder Trollen beschäftigt war. Hat zwar Spaß gemacht, trotzdem habe ich einen Weg aus dieser Suchtspirale gesucht und beschlossen meine Zeit (mit nicht minderem Einsatz, wie sich herausgestellt hat) in etwas Anderes/Sinnvolleres zu investieren. Beruflich gesehen war es so, dass ich mit zunehmenden Karriere-Level immer unkreativer geworden bin. Klassische Agenturlaufbahn, vom Junior zum Creative Director. Photoshop wurde zu Outlook und Brainstormings zu Mitarbeitergesprächen. Vielleicht hätte ich mit ein oder zwei Jobwechseln etwas für mich Idealeres finden können. Unterm Strich ist es aber so, dass ich in der Fotografie etwas gefunden habe, an dem ich ganzheitlich arbeiten kann. Von der Ideenfindung über die Produktionskette bis hin zur Veröffentlichung kann ich alles übernehmen, wenn ich nur möchte. Das ist wirklich großartig.



Wie sah Dein Start in den Beruf denn genau aus? Hast Du eine Fotografen-Ausbildung oder eventuell Assistenzen bei anderen Fotografen gemacht?
Da ich Quereinsteiger bin, nein. In meinem vorhergehenden Beruf hatte ich viel mit Bildwelten zu tun, sowohl in der Gestaltung aber zuletzt noch mehr in der Konzeption. Schlussendlich ist es einfach nur ein Seitenwechsel. Ich bin Autodidakt und habe mir alles für mein Handwerk selbst beigebracht. Da fehlt es einem am Anfang natürlich noch an Informationen, die jemand, der eine Ausbildung in diesem Bereich oder auch assistiert hat, vielleicht für banal hält: Wie sieht meine Preisgestaltung aus und wie gehe ich mit Nutzungsrechten um? Wie verfasse ich ein vernünftiges Angebot? Was benötigt es für eine vernünftige Produktion? Klar habe ich hier am Anfang Fehler gemacht, vielleicht hat das aber sogar mein Profil geschärft, denn Fehler sind auch immer wichtig.

Deine Schwerpunkte liegen heute primär in den Bereichen Large-Scale Photography, Architektur und Fine Art. Weshalb? Was reizt Dich immer wieder daran?
Da ich einen grafischen Hintergrund habe, fühle ich mich in der Architektur gut aufgehoben. Ich spiele gerne mit Linien, Formen und Farben. Sehr präzise ausgeführte Fotografien sind genau mein Ding. Dabei braucht man Geduld. Ich mag die Stringenz an meinen künstlerischen Projekten. Einen Stil oder ein Thema über 20, manchmal 40 Bilder durchzuziehen ist herausfordernd. Ansonsten mag ich alles was groß und überdimensioniert ist.

Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Reduktion auf das Wesentliche, Verdichtung der visuellen Komponente, Klarheit erreichen. Ich gehe hier ähnlich vor wie in meiner Zeit in der Werbung. Störfaktoren in meinen Bildern werden so lange eliminiert, bis das Wesentliche heraussticht. Genau so verhält es sich auch bei der Ideenfindung.

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Dass es unter tausenden von Bildern erkennbar bleibt.

Auf welche Deiner Arbeiten bist Du besonders stolz oder vielleicht einfacher gefragt, welche Deiner Bilder schaust Du Dir selbst immer wieder gerne an?
Ich habe einen Direktkunden aus den USA (mit Zweigstelle in DE), für den ich die komplette Bildwelt geschossen habe, dazu gehören neben Bildern für Branding und Content auch Produktbilder und ähnliches. Es ist ein tolles Gefühl ein Unternehmen zu sehen bei dem wirklich alle Bilder von mir sind. Wann hat man dazu schon einmal die Möglichkeit?

Wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keinerlei Rolle spielen würden: Wie würde Dein absolutes Traumprojekt aussehen?
Wer würde nicht gerne für die NASA fotografieren? Die Ausbildung der Astronauten und sämtliche Gerätschaften für (un-)bemannte Raumflüge finde ich super interessant.



Gibt es einige Fotografenkollegen, speziell mit Fokus auf Deutschland, deren Arbeiten Du besonders schätzt?
Neben den Meistern der Düsseldorfer Schule (wie z. B. Gursky) kann ich den Arbeiten von Frank Herfort, der zwischen Berlin und Moskau pendelt, einiges abgewinnen. Abgesehen davon gibt es einige großartige BFF-Kollegen, die ich sehr schätze.

Was inspiriert Dich?
Ich glaube, für viele Menschen ist die Suche nach der Inspiration oft ähnlich der Jagd nach dem heiligen Gral. Dabei gibt es meiner Meinung nach kein universelles Rezept oder einen Fahrplan, bei dem man gezielt ein- oder aussteigen kann. Meiner Meinung nach hilft es, sich mit offenen Augen durch die Welt zu bewegen, eine gesunde Portion Neugier zu haben und ein Stück weit Kind zu sein, gerade das habe ich mir bewahrt. Ich hinterfrage vieles und kann mich auch an Kleinigkeiten wahnsinnig erfreuen. Ein oder zwei Gleichgesinnte für ein lockeres Gespräch helfen auch, manchmal braucht es nur einen kleinen Funken.

Welche Kamera(s) nutzt Du?
Ein Phase One IQ3 100 Back an XF/Fachkamera und eine Sony A7RII inkl. diverser Objektive. Die Sony verwende ich in der Regel für alles, was in den Tele-Bereich geht.

Viele Fotografen beschäftigen sich mehr und mehr auch mit dem Thema „Film“. Inwieweit ist dies auch für Dich interessant?
Der Bedarf am Markt nimmt spürbar zu. Immer öfter fragen/verlangen Kunden danach. Bisher habe ich dafür einen Video Producer gebucht. Ich sehe mich, wenn es um Film geht, auch eher als Regisseur und nicht als Kameramann. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich zu meinen freien Arbeiten Videocontent produzieren möchte, der zwar nicht tragendes Gerüst der Arbeit ist, das Thema aber unterfüttert und zur Atmosphäre beiträgt.



Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich und gibt es aktuell Projekte, von denen Du uns berichten kannst?
Am Ende des Tages ist es doch so, dass Kunden auf uns aufmerksam werden, weil wir geiles Zeug machen, aus meiner Sicht also extrem wichtig. Bei Auftragsarbeiten hat man dazu ja nicht immer die Chance. Aber klar, es macht mir auch maximalen Spaß, an meinen eigenen Sachen zu arbeiten; ich fördere die Kreativität, indem ich Grenzen auslote und einfach mal probiere. Freilich geht das manchmal auch richtig in die Hose und man verbrennt Zeit und Geld. Zum anderen ist es eben so, selbst wenn dein Kunde nicht deine maximale Kreativität beauftragen möchte/kann, sondern dich für einen durchaus reproduzierbaren Task bucht, dann geht es den Menschen doch immer auch darum, Optionen für außergewöhnliches, oder eine noch kreativere Herangehensweise in der Hinterhand zu haben. Auftraggeber haben ein gewisses Sicherheitsbedürfnis, denn auch sie müssen sich gegenüber jemandem rechtfertigen, und sei es den eigenen Kunden gegenüber. Mit meinen freien Arbeiten liefere ich die Beweisführung dafür. Abgesehen davon verdiene ich mit meinen freien Arbeiten einen nicht unerheblichen Teil meines Einkommens, da ich immer wieder Nutzungsrechte verkaufe. Besser kann es also gar nicht sein.

Aktuell arbeite ich an einem neuen Buch. Dabei geht es um Mythologie, mal etwas ganz anderes. Flexibel bleiben.

Kannst Du uns drei Webseiten und/oder Apps nennen, die Du nutzt?
Ganz unspektakulär folgende Apps: Behance, Instagram, Capture Pilot.

Du hast einiges von der Welt gesehen und in unterschiedlichsten Ländern gearbeitet. Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen?
In diesem Moment, in dem ich diese Fragen beantworte, bin ich vorher gerade sechs Stunden durch die Straßen Tokios gelaufen. Offen gesagt, würde ich Morgen am liebsten in meinem eigenen Bett in München aufwachen. Ich habe wirklich schon einiges gesehen, in dieser Stadt gefällt es mir aber einfach am besten. Ansonsten ist Island für mich auch immer noch eine Option.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.nickfrank.de
   www.bransch.net
   zum Onlineprofil
 

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