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Interview: Im Gespräch mit Philipp Rathmer

Philipp Rathmer wurde in Düsseldorf geboren und lebt heute mit seiner Frau Nina in Hamburg. Seit 1995 arbeitet er weltweit als Fotograf, repräsentiert wird er von Klein Photographen. Neben Auftragsarbeiten für Magazine und Werbeagenturen zeigt Philipp seine freien Projekte in diversen Einzel- und Gruppenausstellungen. Im Rahmen der Jubiläumsausgabe von BLICKFANG 2017/2018 (Band 10) haben wir Philipp zum Interview gebeten.

Wie und wann bist Du das erste Mal mit Fotografie in Berührung gekommen und was zeigt Dein erstes Foto, welches Du bewusst aufgenommen hast?
Meine Mutter hat sehr viel fotografiert und Super 8 gefilmt. Als ich mit 16 ein Schulpraktikum machen musste, habe ich mir einen Praktikumsplatz bei einem Fotografen gesucht. Ich hatte das Glück bei Manfred Vogelsänger zu landen und nach dem Praktikum habe ich bis zu meinem Abitur neben der Schulzeit immer wieder assistiert. Das erste Foto, das ich bewusst aufgenommen habe war ein Portrait von einem Freund. Ich habe aus meinem Zimmer ein Studio gemacht und ein Bettlaken als Hintergrund und eine Super 8 Halogenlampe meiner Mutter zur Beleuchtung genutzt. Ich habe SW mit meiner Kleinbildkamera fotografiert und anschließend im Badezimmer entwickelt und geprinted.

Was hat Dich dazu bewogen Fotograf zu werden? und was machte (und macht) die Tätigkeit für Dich so interessant?
Das Schulpraktikum war der größte Ausschlag. Mit vielen Menschen zusammenzukommen, zu reisen und die Welt zu sehen war ein großer Antrieb. Das Tolle ist, dass jeder Job anders ist. Dadurch wird es einfach nie langweilig. Jeder Job bringt neue Herausforderungen und man trifft neue Menschen.








Wie sah Dein Start in den Beruf denn genau aus? Hast Du eine Fotografen-Ausbildung oder eventuell Assistenzen bei anderen Fotografen gemacht?
Ich habe eine Ausbildung zum Fotografen bei Manfred Vogelsänger gemacht. Es gibt ja nicht wirklich viele gute Ausbildungsplätze, da hatte ich Glück bei jemandem zu landen, der viel für Jobs gereist ist und einen Stilllifer im Haus hatte, bei dem ich den Umgang mit Großbildkameras top lernen konnte. Danach bin ich von Düsseldorf nach Hamburg gezogen, um bei Wolfgang Klein zu assistieren. Von Hamburg bin ich dann nach New York gezogen und habe erst frei assistiert u. a. im Industria Studio, wo in der Zeit viele Top-Fotografen wie Michel Comte, Steven Meisel, Walter Chin gearbeitet haben. Dann habe ich noch fest bei Hannes Schmid in NY assistiert, bevor ich nach Hamburg zurückgegangen bin. Dort habe ich dann erstmal mit Musikfotografie angefangen.

Deine Schwerpunkte liegen heute primär in den Bereichen People, Portrait, Fashion und Beauty. Weshalb? Was reizt Dich immer wieder daran?
Es reizt mich mit Menschen zu arbeiten und das kann ich in allen Genres machen. Die Abwechslung und das Neue ist für mich extrem wichtig. Ich langweile mich, wenn ich immer dasselbe machen müsste, deswegen gibt es bei mir immer Phasen, in denen ich mal mehr Fashion und Beauty fotografiere, dann aber wieder Portraits oder People.

Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Nah am Menschen. Ich finde die Definition Stil auch oft sehr schwierig. Ist es ein Stil oder eine Wiederholung? Manchen Fotografenstil bezeichne ich persönlich nur als Wiederholung und das ist mir zu langweilig.

Auf welche Deiner Arbeiten bist Du besonders stolz oder vielleicht einfacher gefragt, welche Deiner Bilder schaust Du Dir selbst immer wieder gerne an?
Mein Projekt FiveRoadsBackHome, für das ich aserbaidschanische Flüchtlinge in fünf verschiedenen Camps in Aserbaidschan fotografiert habe, schaue ich mir bei jeder Ausstellung gerne wieder an, obwohl ich die Bilder jetzt schon seit 2012 in Berlin, Paris, London, Brüssel und Istanbul gezeigt habe. Die Bilder werden einfach nicht langweilig und ich entdecke bei jeder Ausstellung wieder etwas anderes in den Portraits.

Wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keinerlei Rolle spielen würden: Wie würde Dein absolutes Traumprojekt aussehen?
Dann würde ich durch die Welt reisen und überall Portraits machen und versuchen eine Portraitausstellung der Weltbürger zu zeigen.

Gibt es einige Fotografenkollegen, speziell mit Fokus auf Deutschland, deren Arbeiten Du besonders schätzt?
Jürgen Teller, Thomas Hoepker, aber das sind nur zwei von sehr vielen tollen Fotografen. Es ist immer schwer da jemanden hervorzuheben.

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Wenn einen ein Foto in den Bann zieht und man vom Anblick des Bildes nicht mehr wegkommt.

Was inspiriert Dich?
Das Leben. Also Reisen, Freunde und vor allem meine wunderbare Frau Nina.

Welche Kamera(s) benutzt Du?
Viele verschiedene Modelle. Meine absoluten Lieblingskameras sind die Fuji X-Pro 2 und XT2 für Reisen und die Fuji GFX für Portraits.

Viele Fotografen beschäftigen sich mehr und mehr auch mit dem Thema „Film“. Inwieweit ist dies auch für Dich interessant?
Auch für mich ist das Thema Film interessant. Oft werden ja noch kleine Clips beim Shooting mit gefilmt. Jedoch ist Filmen sehr komplex und wird leider von vielen Kunden so wahrgenommen, als könnte man das mal eben so nebenbei mitmachen. Das ist allerdings nicht der Fall. Um gute Filme zu machen braucht man Zeit und Know-how. Ich suche mir die richtigen Partner um sie umzusetzen und beschränke mich dann meistens auf die Regiearbeit. Ein gutes Beispiel ist der Spot für Betterplace (www.menschlichkeit.de). Da habe ich die Kampagne fotografiert und Christoph Höhmann (Camerabuddy) hat nach jedem Foto mit den Models gefilmt. Herausgekommen ist ein Spot, der perfekt zu der Printkampagne passt, weil das Licht von Anfang an für Foto und Film geplant war.






Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich und gibt es aktuell Projekte, von denen Du uns berichten kannst?
Freie Arbeiten haben einen sehr hohen Stellenwert bei mir. Gerade hatte ich zwei Ausstellungen mit freien Arbeiten. Eine war in Düsseldorf beim Asphaltfestival. „Ach So“ mit 43 Bildern, die ich in Japan fotografiert habe. Die andere Ausstellung lief im Hamburger Rathaus. An dem Projekt „Lost Heimat“ habe ich mit meinem alten Freund Martin Niessen über 17 Monate gearbeitet. Die Ausstellung zeigt syrische Flüchtlinge die in Hamburg wohnen, kombiniert mit Bildern aus Syrien vor dem Krieg, die Martin 1995 fotografiert hat. Nachdem diese Projekte abgeschlossen sind, geht es jetzt mit neuen Projekten weiter …

Kannst Du uns drei Webseiten und/oder Apps nennen, die Du nutzt?
Hipstamatic, www.fcstpauli.com, www.auswaertiges-amt.de.

Du hast einiges von der Welt gesehen und in unterschiedlichsten Ländern gearbeitet. Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen?
Gerne in Tokyo, um mal wieder richtig gutes Sushi zu essen … Aber das kann sich jeden Tag ändern. Es gibt so viele tolle Länder auf der Welt und vor allem so viele die ich noch nicht kenne und das reizt mich sehr.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.philipprathmer.de
   www.kleinphotographen.com
   zum Onlineprofil
 

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