inaschoof_interview1

Interview: Im Gespräch mit Ina Schoof

Ina Schoof, geboren 1982, lebt und arbeitet seit 15 Jahren in Berlin. Sie fotografiert Menschen, Mode und Landschaften, wobei ihr Schwerpunkt in der People-Fotografie liegt. Sie wird von Bransch Europe und Bransch New York vertreten und trinkt ihren Kaffee mit Milch und ohne Zucker.

Wie und wann bist Du das erste Mal mit Fotografie in Berührung gekommen und was zeigt Dein erstes Foto, welches Du bewusst aufgenommen hast?
Mich haben schon als Kind Bilder fasziniert. Nicht nur Fotografien, anfangs eher Malerei. Mit 10 habe ich ein Jahr mein Taschengeld gespart, um Monet in Paris im Original zu sehen. Am Ende haben meine Eltern mir die Reise geschenkt. Ich schätze, anfangs waren sie sich nicht sicher, ob mir mein Wunsch ernst war. Meine ersten bewussten Fotoaufnahmen habe ich dann erst mit 17/18 gemacht. Erinnern kann ich mich noch an Aktaufnahmen meiner Schwester. Wir haben sie vorher mit Farbe angemalt. Liegend auf dem alten Holzdielenboden bei uns zu Hause. Es blieb aber mein einziger Ausflug in die Aktfotografie.

Was hat Dich dazu bewogen Fotografin zu werden und was machte (und macht) die Tätigkeit für Dich so interessant?
Nach dem Abitur wollte ich erst ans Theater: Bühnenbild oder Regie. Durch einen Zufall kam ich zur Fotografie und hatte den Eindruck, beides, Bühnenbild und Regie in einem machen zu können. Das war für mich wunderbar und passte zu meiner Leidenschaft für Bilder.



Wie sah Dein Start in den Beruf denn genau aus? Hast Du eine Fotografen-Ausbildung oder eventuell Assistenzen bei anderen Fotografen gemacht?
Zuerst absolvierte ich den Lette Verein in Berlin, um die Technik zu lernen. Zu der Zeit assistierte ich das erste Mal und war ganz begeistert. Mir gefiel es im Team zu arbeiten und die Dynamik des Sets zu erleben. Dann begann ich mein Studium in Bielefeld, welches mir die Möglichkeit einräumte freier und länger an Themen zu arbeiten. Währenddessen habe ich in Berlin Piet Truhlar fest assistiert. Ich habe viel von ihm gelernt und habe bereits als Assistentin international arbeiten können. Bald darauf arbeitete ich selbst als Fotografin in der Werbung.

Dein Schwerpunkt liegt heute im Bereich People. Weshalb? Was reizt Dich immer wieder daran?
Mich reizt es immer wieder mich auf mein Gegenüber, die Umgebung und das Licht einzulassen. Und das sind ja „nur“ die Faktoren, die später im Bild sichtbar werden. Dazu kommen verschiedenste Locations, mein Team, Agentur und Kunde. Ich mag Dinge, die in Bewegung sind.

Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Emotional und stimmungsvoll. Am besten erzählt das Bild eine Geschichte.

Auf welche Deiner Arbeiten bist Du besonders stolz oder vielleicht einfacher gefragt, welche Deiner Bilder schaust Du Dir selbst immer wieder gerne an?
Schwierige Frage. Annie Leibovitz hat auf die Frage nach ihren besten Bildern geantwortet, dass sie diese noch machen wird. Ich würde mich da gerne anschließen.



Wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keinerlei Rolle spielen würden: Wie würde Dein absolutes Traumprojekt aussehen?
Da ich neben meiner werblichen Arbeit auch immer an freien Projekten arbeite, gibt es nichts, was liegen geblieben ist. Alle meine Projekte haben ihren gewissen Reiz und fordern mich immer wieder neu heraus.

Gibt es einige Fotografenkollegen, speziell mit Fokus auf Deutschland, deren Arbeiten Du besonders schätzt?
Natürlich gibt es immer wieder Fotografien, die mich beeindrucken. Zum Beispiel die Arbeit „Dear Clark“ von Sara-Lena Meierhofer gefällt mir wahnsinnig gut. 

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Wenn es einen Punkt gibt, den ich mir immer wieder ansehen möchte, der sich mir nicht direkt erschließt.

Was inspiriert Dich?
Das ist ganz unterschiedlich. Am häufigsten Begegnungen mit anderen Menschen. Aber auch Landschaften, Lichtstimmungen, Kunst oder Bücher.

Welche Kamera(s) benutzt Du?
Da bin ich eher wahllos. Ich entscheide da je nach Job und dessen Anforderungen. Selber besitze ich eine Canon 5Ds und arbeite auch mit Nikon, Phase One oder Hasselblad.

Viele Fotografen beschäftigen sich mehr und mehr auch mit dem Thema „Film“. Inwieweit ist dies auch für Dich interessant?
Ich finde das Thema schon lange sehr spannend. Seit meinem Studium in Bielefeld arbeite ich zusammen mit Ana Baumgart an freien Videoprojekten. Bei diesen Projekten führen wir gemeinsam Regie, filmen und schneiden. Unsere Arbeiten wurden bereits in verschiedenen Ausstellungen gezeigt. Zu meinen werblichen fotografischen Arbeiten habe ich auch bereits Bewegtbild gedreht. Ich finde das ganze Thema „Film“ ein spannendes Feld und möchte es auch noch ausbauen.



Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich und gibt es aktuell Projekte, von denen Du uns berichten kannst?
Mir sind freie Arbeiten sehr wichtig. Wobei ich den Wechsel von Auftragsarbeiten und freien Arbeiten liebe. Bei unseren freien Arbeiten nähern wir uns in erster Linie inhaltlich einem Thema. Für unsere letzte Arbeit verbrachten wir einige Wochen in Athen, um uns mit der aktuellen Lage der Menschen dort zu beschäftigen und die alten Mythen der Antike zu lesen. Daraus ist unsere Videoinstallation mit dem Titel „I love Greece and Greece loves me“ entstanden. In meiner werblichen Fotografie liegt der Fokus auf der Ästhetik und das ist auch gut so: Ich mag nun einmal auch sehr gerne schöne Bilder!

Kannst Du uns drei Webseiten nennen, die Du regelmäßig besuchst?
Google Maps, Skyscanner.de und Fuckyouverymuch.dk

Du hast einiges von der Welt gesehen und in unterschiedlichsten Ländern gearbeitet. Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen?
Irgendwo am Wasser. Bergsee oder Meer mit angenehmer Badetemperatur, denn morgens schwimmen ist das Beste. Oder wieder in Athen.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.ina-schoof.de
   www.bransch.net
   zum Onlineprofil
 

kommentieren