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Interview: Im Gespräch mit Frank Zauritz

Frank Zauritz ist 1966 in Ebern geboren und in einem kleinen Dorf auf dem Land in Unterfranken als Sohn eines Malers aufgewachsen. Anfang der Neunzigerjahre ist er nach Berlin gezogen. Gemeinsam mit vier Freunden hatte er sieben Jahre lang ein Haus in Marrakesch. Heute lebt er mit Frau und Kind in Berlin und Bayern, ist Mitglied im BBK Unterfranken und arbeitet immer häufiger für die Wand.

Wie und wann bist Du das erste Mal mit Fotografie in Berührung gekommen und was zeigt Dein erstes Foto, welches Du bewusst aufgenommen hast?
Das war Mitte der Siebzigerjahre. Bei einem Spaziergang auf den Staffelberg in Oberfranken habe ich mit einer „Ritsch-Ratsch-Klick!“ Agfamatic 4000 ein Foto von meiner Mutter gemacht, dabei lag ich auf dem Bauch im hohen Gras, um eben dieses auf dem Foto in den Vordergrund zu bekommen, im Hintergrund war natürlich der Staffelberg. Mit dem Apparat habe ich dann noch ziemlich lange rumgeknipst.

Was hat Dich dazu bewogen Fotograf zu werden und was machte (und macht) die Tätigkeit für Dich so interessant?
Nein, ich wollte nicht schon immer Fotograf werden. Als Kind wollte ich erst „Grzimek“ und später „Sielmann“ sein. In den Irrungen und Wirrungen meiner Pubertät sah ich mich dann kurze Zeit als eine Art „Belmondo“, wie in „Außer Atem“ von Godard und scheiterte damit an der mangelnden Einsicht meiner Lehrer. Meine Revolte, Träumerei und Blasiertheit kommen mir heute vor wie eine Zeit im Nebel. Freier Fall und dann einfach Glück – mit 18 habe ich im Lotto gewonnen, 1555 DM im Spiel77. Damit konnte ich die Agfamatic gegen eine Nikon tauschen. Die Antwort in Kurzform: „Fotograf sein“ ist ein Lebensgefühl und ich hatte großes Glück, dass ich es gefunden habe.




Wie sah Dein Start in den Beruf denn genau aus? Hast Du eine Fotografen-Ausbildung oder eventuell Assistenzen bei anderen Fotografen gemacht?
Das reine Sein bezahlt weder Miete noch Auto oder Essen. Das Problem am Anfang besteht darin, das zu formulieren, was man sein möchte und damit auch im Leben anzukommen. Ein gedrucktes Schwarz-Weiß-Foto, meine erste Veröffentlichung, war für mich wie eine Initialzündung. Der stellvertretende Sportchef der Mainpost, damals mein Nachbar, hat mir immer wieder angeboten „ob ich nicht mal Sport fotografieren möchte?“. Weder die Bezirksoberliga noch die Mainpost waren damals auf meiner Wellenlänge. Aus purer Geldnot, nebenbei arbeitete ich damals auch als Barkeeper, stand ich dann beim Würzburger FV im strömenden Regen am Spielfeldrand. In einer Halbzeit, die so dunkel war, dass ich nur noch lange Zeiten mitziehen konnte, entstand dann das Mainpost Sportfoto des Jahres – eine halbe Seite und mein Name stand darüber, nicht darunter. Alle merkwürdigen Einstellungen und Gedanken zur Fotografie und Kunst und mir bis zu dem Zeitpunkt, hatten sich mit einer Veröffentlichung in Luft aufgelöst. Der Weg ist nicht das Ziel, sondern hart und ans Ziel kommt man nicht auf „DEM Weg“ sondern auf den langen Umwegen. So war das für mich.

Deine Schwerpunkte liegen heute in den Bereichen People, Portrait und Reportage. Weshalb? Was reizt Dich immer wieder daran?
Die Anekdote in der vorhergehenden Antwort handelt auch davon, wie sehr es mich befriedigt meine Fotos in Zeitungen und Magazinen gedruckt zu sehen. Durch die Konzentration auf redaktionelle Arbeit habe ich mir dort eine große Freiheit geschaffen, ich darf „mein Bild“ machen, ich kann mich an den Themen abarbeiten. Werbung interessiert mich nur, wenn ich dort meine Leichtigkeit behalten darf.

Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Eine Frage mit der man sich als junger Fotograf stark auseinandersetzt. Irgendwann stellt man fest, es handelt sich eher um beschreibende Muster, Festlegungen, Kategorie von außen, auf die man nicht zu viel Gedanken verschwenden sollte. Die Einsicht, man kann nur das draußen in der Welt erkennen, was man in sich trägt, was in einem angelegt ist oder aufgenommen wurde, bedeutet für mich: Haltung ist wichtiger als Stil. Je mehr ich mich auf die Welt einlasse, interessiere, desto reichhaltiger wird meine innere Bilderwelt, die ich dann wiederum in meine Arbeit einbringe. Man sollte möglichst die ganze Klaviatur beherrschen, eine Beschränkung auf eine bestimmte Tonart macht für mich nur Sinn, wenn dahinter ein Gefühl steht, das ich mit meinem „Stück“ vermitteln möchte.

Auf welche Deiner Arbeiten bist Du besonders stolz oder vielleicht einfacher gefragt, welche Deiner Bilder schaust Du Dir selbst immer wieder gerne an?
Leider bin ich meist zu selbstkritisch. Nach einem Auftrag, einer Produktion, brauche ich einige Zeit, um mich mit den Ergebnissen anzufreunden. Stellt euch vor, ihr schaut euch einen Jackson Pollock aus 10cm Abstand an, man könnte dann viel über seine Technik sagen, aber ein Gesamteindruck und die Bewertung des Bildes wären fast unmöglich. Es ist, als würde man mit der Nase zu nah dran sitzen, an dem was vorgegangen ist. Manchmal komm ich in eine Wohnung oder an einen Ort, wo ein älteres Bild von mir hängt, ich freue mich dann wie ein kleines Kind und staune, dass das Foto wirklich von mir ist. Ich tue so, als wäre es ein Spaß für mich, in Wahrheit bin ich stolz. Dieses Bild wird von mir gewogen, neu bewertet, die vergangene Zeit, der Abstand und das fremde Umfeld, wirken dabei wie ein Brennglas, ein klarer Blick auf die eigene Arbeit wird möglich. Solche Bilder schaue ich mir am allerliebsten an.




Wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keinerlei Rolle spielen würden: Wie würde Dein absolutes Traumprojekt aussehen?
Mit meinem VW-Bus, meiner kleinen Familie so lange und so weit fahren, bis wir Heimweh bekommen und dabei bewusst „nicht“ fotografieren, um danach neu justiert, innerlich angereichert, frisch, mit neuen Ansätzen aus sich schöpfen zu können. Das wäre dann kein Urlaub und würde wahrscheinlich länger dauern, denn wir alle drei haben Zigeunerblut in uns.

Gibt es einige Fotografenkollegen, speziell mit Fokus auf Deutschland, deren Arbeiten Du besonders schätzt?
Ein guter Freund von mir, ein Schriftsteller, sagt auf diese Frage immer: „Ich lese keine deutschen Autoren“. Wahrscheinlich stimmt das nicht ganz und er meint damit, das er sich unbeeinflusst auf seinem eigenem Weg befindet, aber ich weiß, dass er Karl May liebt. Meine Karl May´s sind Peter Lindbergh und Helmut Newton. Ich schätze die Arbeit von Oliver Mark und ich vermisse die wilde Verrücktheit von Daniel Josefsohn.

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Gute Fotos reifen mit der Zeit, werden besser wie ein Whiskey im Holzfass, die ungenügenden gehen mit der Zeit unter und enden in der Bedeutungslosigkeit.

Was inspiriert Dich?
Liebe, Natur, Kunst, Filme, Freunde, Kommunikation … Gerade ungünstige Umstände bei manchen Aufträgen, Wetter, Restriktionen, Auflagen, Zeitnot, schwierige Menschen oder Locations nehme ich oft als äußerst inspirierend war.

Welche Kamera(s) benutzt Du?
Canon, Leica, iPhone. Ich wünschte die Liste würde sich anders zusammensetzen und ich wüsste auch gerne wie. Aber ich arbeitet daran.



Viele Fotografen beschäftigen sich mehr und mehr auch mit dem Thema „Film“. Inwieweit ist dies auch für Dich interessant?
Mich werden die Möglichkeiten, die ein stillstehendes Bild bietet, noch lange beschäftigen. In der Vergangenheit habe ich bei einigen Aufträgen auch Bewegtbild abgegeben, aber mich fasziniert die für mich erste Ebene der Abstraktion in der Fotografie, die Beschränkung auf zwei Dimensionen – Länge mal Breite.

Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich und gibt es aktuell Projekte, von denen Du uns berichten kannst?
Ich fühle mich bei den meisten meiner Aufträge sehr frei. Erst mit der Zeit, im Rückblick, kristallisiert sich heraus, welche Arbeiten auch in einem anderen Kontext als der des ursprünglichen Auftrages, Bestand und Gewicht haben. Seit 2008 war ich 3x in Nordkorea, mit und ohne Auftrag, und ich möchte – auch wenn es im Augenblick schwierig ist – eigentlich sobald wie möglich wieder dorthin.

Kannst Du uns drei Webseiten nennen, die Du regelmäßig besuchst?
newstral.com, pdnonline.com, freundevonfreunden.com.

Du hast einiges von der Welt gesehen und in unterschiedlichsten Ländern gearbeitet. Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen?
Am liebsten zu Hause – neben der Frau, die ich liebe.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
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