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Interview: Svetlana Jakel von kombinatrotweiss

Im Rahmen unser neuen Interviewreihe trafen wir diesmal Svetlana Jakel von der Repräsentanz kombinatrotweiss aus Frankfurt am Main zum Gespräch.

Svetlana wurde 1972 in Darmstadt geboren und wuchs unter der Regierung von Helmut Schmidt auf. Nach 12 Jahren in der Modebranche wechselte sie 1999 in die Werbung zu Saatchi & Saatchi ins Art Buying, danach zur Publicis. 2002 gründete sie mit Tanja Bornmann und Valerie Christoph kombinatrotweiss und vertritt heute Fotografen, Illustratoren und digital Artists.

Svetlana, woher stammt Deine Affinität zur Fotografie und wie ist es zur Gründung der Repräsentanz gekommen?
Ich hatte schon früh Kontakt zur Fotografie. Mein Vater, der bei einem der großen deutschen Verlagshäuser im Druckbereich arbeitete, brachte täglich Zeitschriften mit nach Hause und so bin ich, seitdem ich denken kann, in Bildwelten eingetaucht. Ich der Schule war ich 2 Jahre in der Foto-AG und dort wurden mir die Grundlagen des Bildaufbaus, Kameratechnik und der Lichtsetzung näher gebracht. Durch meine Freunde an der Hochschule Darmstadt, die Fotografie studierten, war ich ständig mit Fotografie konfrontiert. Mein Herz schlug damals jedoch für die Mode und so wurde ich Modedesignerin, arbeitete insgesamt 12 Jahre in der Modebranche, das allerdings erfüllte nicht, wie erhofft, meine Ansprüche an diese Branche und so wechselte ich das Berufsfeld indem ich die Chance nutzte im Art Buying bei Saatchi & Saatchi in Frankfurt einzusteigen. Dort stellte ich fest, dass meine Passion doch der Bildkunst gehört.

kombinatrotweiss haben wir im Jahr 2002 gegründet, nach dem ersten großen Börsencrash, nach 9/11 und nachdem unser Team von 4 auf 2 Art Buyer reduziert wurde. Wir wollten unser gut funktionierendes Team nicht aufgeben und haben uns trotz der widrigen Branchenumstände selbstständig gemacht. Viele unserer Lieblingsfotografen vertrauten uns und bildeten die Grundlage zu unserer heutigen Agentur, die meisten werden bis heute von uns vertreten. Dieses Jahr sind wir 10 Jahre am Markt.

Aktuell repräsentiert ihr 17 Fotografen. Nach welchen Kriterien und wie erfolgt bei euch die Auswahl?
Wir möchten unseren Kunden ein breites Spektrum an Stilrichtungen anbieten. Dabei ist uns besonders wichtig, dass ein Fotograf seine eigene Handschrift mitbringt und diese auch bei Auftragsarbeiten immer deutlich sichtbar bleibt. Neben dem qualitativen Anspruch muss ein Fotograf auch menschlich zu uns passen. Wir haben im Laufe der Jahre gelernt, dass dieser Aspekt sehr wichtig ist um gemeinsam erfolgreich zu sein. Täglich erhalten wir Bewerbungen von Fotografen per Mail, screenen aber immer auch den Markt und schauen welche Trends sich in den Bildsprachen entwickeln. Oberstes Gebot ist immer, dass ein Fotograf frei am Markt ist und nicht bereits von einer anderen Repräsentanz vertreten wird. Am meisten freuen wir uns, wenn wir einen Newcomer entdecken und dieser sich mit uns gemeinsam weiterent-wickelt und sich am Markt erfolgreich etabliert.

Welcher Teil Deiner Arbeit gefällt Dir am besten?
Portfolioreisen in die verschiedenen Städte mache ich sehr gerne. Der direkte Kontakt zum Kunden und die ehrliche konstruktive Kritik sind dass woraus wir schöpfen. Aber ich freue mich auch immer, wenn unsere Künstler uns neues, freies Bildmaterial schicken, welches mich berührt.

Was zeichnet Deiner Meinung nach einen wirklich guten Fotografen aus?
Fachliche Kompetenz, gepaart mit zielorientiertem Engagement. Den besonderen Blick auf das Alltägliche zu haben und dabei immer am Zeitgeist zu sein. Neue Trends und Stilrichtungen zu analysieren und in die Arbeit einfließen zu lassen. Wandelbar und offen zu sein für Veränderungen am Markt, ohne die eigene Identität zu verlieren. Immer aktiv und erkennbar zu sein, gepaart mit einer entspannten Grundhaltung und dem Feingefühl auf seine Kunden und deren Produkte einzugehen.


Welche Trends und Entwicklungen siehst Du aktuell in der Bildsprache und wie bewertest Du diese?
Die Kunden werden wieder mutiger. Fotografen die ihre Mappen mit mehr freien, artifiziellen Arbeiten bestücken sind gefragt. Manche Kunden tun sich noch schwer damit „Gesehenes“ auf ihr Produkt zu abstrahieren, aber wir spüren einen Wandel und das ist schön. Ein Trend ist u. a. die analog anmutende Bildsprache. Immer mehr Fotografen greifen wieder zur analogen Kamera. Körnigkeit ist wieder gefragt. Bilder werden bereits im Entwicklungsprozess verändert. Papierqualitäten bekommen wieder eine Bedeutung. Ich glaube nicht, dass sich dieser Trend in der Werbung lange halten und durchsetzten wird, aber für eine handvoll Kunden ist
er sicherlich interessant und gibt ihnen die Möglichkeit aus der Masse hervorzutreten.

Eine sehr wichtige Entwicklung ist die des bewegten Bildes. Im Zeitalter von Internet und Apps müssen sich Motive in irgendeiner Form bewegen um herauszustechen. Wir haben im vergangenen Jahr mit unseren Fotografen ein Filmseminar abgehalten und eine Vielzahl unserer Fotografen können kurze Videosequenzen für das Internet analog, zu den statischen Motiven, liefern. Wobei ich glaube, dass es nicht unbedingt erforderlich ist, dass ein Fotograf die Videofunktion seiner Kamera bedient. Es gibt viel mehr Möglichkeiten ein Bild zu bewegen. Das kann auch aus einem statischen Motiv heraus passieren. Die Technik birgt hier sehr viele Möglichkeiten, von Animation in 2D bis zu 3D Lösungen.

Hast Du Tipps für junge Talente?
Sein eigenes Ich finden und verfolgen. Grundsätzlich ist eine klassische Ausbildung oder ein Studium ratsam, aber es gibt immer wieder Ausnahmetalente die das auch ohne fundierte Ausbildung schaffen. Und dann heißt es immer wieder sich selbst hinterfragen, seine Arbeiten kritisch betrachten, nicht vergleichen, sondern sein eigenes Ziel verfolgen und sich dabei selbst treu zu bleiben. Jeder schaut aus seinem eigenen Fenster und sieht die Welt in seinem eigenen Licht, seiner eigenen Farbigkeit, seinen eigenen Perspektiven. Wenn es einem Fotografen gelingt, diesen seinen Blick in seinen Bildern einzufangen und weiter zu geben, ist er auf dem richtigen Weg.

Was macht für Dich ein herausragendes Foto aus?
Für mich besteht ein herausragendes Foto aus mehreren Faktoren. Der Bildaufbau, die Lichtstimmung, die Interaktion zwischen Model und Fotograf und das Wichtigste: der richtige Moment. Dieses Zusammenspiel muss eine Emotion transportieren, die mich in der Tiefe berührt. Unübliche Perspektiven, ehrliche Gesichter und eine Leichtigkeit die selbst in dramatischen Bildern zu spüren ist, macht für mich ein herausragendes Bild aus. Eines, das sich in meinem Gedächtnis manifestiert und das ich in Gedanken immer wieder abrufen kann.

Deine Basis ist Frankfurt. Weshalb und was schätzst Du an der Stadt sowohl beruflich, als auch privat?
Frankfurt liegt genau in der Mitte Deutschlands. Es ist keine Großstadt, aber eine Weltstadt und es findet sich gebündelt, auf kleinem Raum, viel kreatives Potential. Viele große Netzwerkagenturen sind in Frankfurt, die Museumslandschaft in Frankfurt ist mit dem Museumsufer weltweit einzigartig und ich profitiere davon, denn ein Besuch im Museum ist für mich eine wichtige Inspirationsquelle.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.kombinatrotweiss.de
 

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