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Interview: Im Gespräch mit Ailine Liefeld

Ailine Liefeld lebt und arbeitet als Fotografin in Berlin. Dort liebt sie es, zu kochen, Filme zu schauen oder sich in endlosen Serienstaffeln die Nächte um die Ohren zu schlagen, in denen sie nicht mit Freunden bei einer Flasche Bier/Wein/Sekt zusammensitzt. Wenn sie nicht arbeitet oder Berlin genießt, ist sie gerne auf Reisen und erkundet die Welt nach neuem Lieblingsessen und Lieblingsmenschen. Repräsentiert wird sie von Klein Photographen.

Wie und wann bist Du das erste Mal mit Fotografie in Berührung gekommen und was zeigt Dein erstes Foto, welches Du bewusst aufgenommen hast?
Das ist so mitunter die schwierigste Frage für mich. Ich habe ja schon immer fotografiert, auch als Kind immer alle Familienfotos gemacht. Bewusst für die Fotografie entschieden habe ich mich nach dem Abitur. Da habe ich mit einer alten Pentax einen Film voll Strukturen, Formen und Lichtspielen geschossen, den ich dann künstlerisch in meiner Bewerbungsmappe für die HAW Hamburg verwertet habe, da ich dort Grafikdesign studieren wollte. Glücklicherweise wurde ich aber abgelehnt, ich gehe mal davon aus, dass es nicht an den Fotos lag.

Was hat Dich dazu bewogen Fotografin zu werden und was machte (und macht) die Tätigkeit für Dich so interessant?
Ich liebe einfach meinen Blick auf die Welt mit meiner Umgebung zu teilen. Als Fotografin oder vielmehr als Mensch, der mit den Augen immer überall ist, sieht man oft eine so schöne Welt vor sich, die vielen anderen verborgen bleibt. Dieses Schöne und oft auch Spannende zu zeigen, war schon immer mein Anspruch. Zudem mag ich es einfach Zeit mit Menschen zu verbringen und die schönen Momente rauszukitzeln. Sie dann in dem Moment festzuhalten, wo er passiert, ist eine Herausforderung, die zu erfüllen mich wohl mein ganzen Leben lang selbst erfüllen wird.




Wie sah Dein Start in den Beruf denn genau aus? Hast Du eine Fotografen-Ausbildung oder eventuell Assistenzen bei anderen Fotografen gemacht?
Ich habe am Lette Verein Fotodesign studiert und dann erstmal eine Weile lang als Art Direktorin festangestellt gearbeitet, vor allem um Geld zu sparen und die Möglichkeit auf Gründungszuschuss zu bekommen. Als ich diesen dann genehmigt bekommen habe, hatte ich genug Zeit und Geld mir ein Netzwerk aufzubauen und an freien Projekten wie „Freunde von Freunden“ zu arbeiten. Dort habe ich im ersten Jahr alle Fotos gemacht und das Projekt hat mir und meinem Bildstil dann auch den Einstieg in die Welt der Agenturen geöffnet. Dafür bin ich sehr dankbar. Assistiert habe ich nie, mit meinem Dickkopf und dem Drang immer alles selbst machen zu wollen, hätte das aber auch nicht wirklich funktioniert.

Deine Schwerpunkte liegen heute in den Bereichen People, Advertising, Documentary und Food. Weshalb? Was reizt Dich immer wieder daran?
Die Frage habe ich eben schon im Ansatz beantwortet. Es geht darin ja viel darum, was ich sehe und wann ich den Auslöser drücke. Meine Fotografie lebt am meisten, wenn ich am meisten lebe. Die o.g. Themen haben mich auch privat schon immer interessiert und da war es naheliegend, die privaten Leidenschaften auch in meine beruflichen Fotografieschwerpunkte einfließen zu lassen und so auch glücklicher zu sein. Spaß am Set steht bei mir immer ganz oben auf der Liste und am meisten Spaß habe ich nun mal, wenn ich glücklich bin.

Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Der Begrüßungssatz auf meiner Webseite trifft es ganz gut: „I capture first impressions in natural light and moments that people tap into.“

Auf welche Deiner Arbeiten bist Du besonders stolz oder einfacher gefragt, welche Deiner Bilder schaust Du Dir selbst immer wieder gerne an?
Ich schaue mir gerne das Berlinbuch von Freunde von Freunden immer wieder an. Das ist für mich so eine Art Poesiealbum aus der Zeit, wo es bei mir beruflich richtig losging. Danach gab es jede Menge Jobs und Reisen, die ich niemals vergessen werde, wie z. B. ein Trip für Nokia, wo wir einmal um die Welt geflogen sind. Generell schaue ich mir gerne Bilder an von Shoots und Menschen, die mich nachhaltig beeinflusst haben. So wie es mir z. B. immer wieder Spaß macht, an einer Spardafiliale vorbeizufahren und dort mein Patenkind (das inzwischen fast 5 ist) großflächig als Baby hängen zu sehen. Kampagnen, die solange laufen und dann noch privaten Bezug haben, machen einen schon sehr stolz!




Wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keinerlei Rolle spielen würden: Wie würde Dein absolutes Traumprojekt aussehen?
Ich würde gerne mal ein Buch über Essen machen und mich dazu in jedem Land der Welt bei einer Familie zu Hause einladen und das dann fotografisch in Form von Portraits der Familie festhalten – wie dort gewohnt wird, etwas Umgebung und vor allem eben, was dort traditionell gekocht wird. Wahrscheinlich zu viel Inhalt für ein Buch, aber wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keine Rollen spielen, kann ich ja auch einfach 50 Bücher daraus machen.

Gibt es einige Fotografenkollegen, speziell mit Fokus auf Deutschland, deren Arbeiten Du besonders schätzt?
Es gibt eine ganze Reihe von Fotografen, deren Arbeit ich schätze und die ich in den meisten Fällen auch privat kenne und mag. Namen zu nennen finde ich immer etwas schwer, die Liste ist doch ziemlich lang und es kommen auch oft neue dazu. Ich finde in Deutschland passiert gerade wirklich viel Gutes und da möchte ich ungern jemanden einzeln herausstellen.

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Ein gutes Foto muss in mir irgendetwas auslösen. Wenn der Fotograf es schafft, mich mit dem Bild an einem Moment teilhaben zu lassen und meine Welt für den Moment zum Stehenbleiben zu bringen, dann ist es herausragend.

Was inspiriert Dich?
Die Welt, die Menschen darin und beides kennenzulernen und zu entdecken.



Welche Kamera(s) benutzt Du?
Nikon D810, Fuji X-T2 und Pentax 645Z.

Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich und gibt es aktuell Projekte, von denen Du uns berichten kannst?
Freie Arbeiten haben einen sehr hohen Stellenwert für mich. Ich versuche eigentlich einen Großteil meiner Freizeit damit zu füllen, weil ich mich da kreativ austoben kann und meinen Bildstil und meine Herangehensweise üben und verfeinern kann. Da ich viel mit Menschen arbeite, versuche ich mir viel und oft selbst Lifestylethemen zu geben und in freien Geschichten herauszufinden, wie ich diese Motive und Momente am besten für Kunden umsetzen kann. Die meisten meiner freien Arbeiten entstehen in Kapstadt, wenn hier Winter und dort Sommer ist. Allein Anfang diesen Jahres habe ich dort 14 freie Produktionen zusammen mit meinem Haare & Make-up-Engel Eva Dieckhoff umgesetzt und für die nächste Saison habe ich viel im Food und Family-Bereich geplant. Freue mich schon sehr darauf!

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
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