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Interview: Im Gespräch mit Dominik Mentzos

Dominik Mentzos, geboren 1964 in Hamburg, Architekturstudium an der TH-Darmstadt 1985/86, danach Fotoassistenz in der Werbung bis 1989, Foto-Design-Studium in Dortmund 1988-1990. Seit 1990 ist er in der Werbung und redaktionell tätig. Seit Ende 2004 führt er ein eigenes Studio in Frankfurt. Er arbeitet in den Bereichen Fashion, People, Portrait, Dance, Landscape und wird von Severin Wendeler in Hamburg vertreten.

Wie und wann bist Du das erste Mal mit Fotografie in Berührung gekommen und was zeigt Dein erstes Foto, welches Du bewusst aufgenommen hast?
Sowohl eine Tante als auch ein Onkel von mir waren leidenschaftliche Hobbyfotografen. Sie brachten mir die Fotografie näher und ermutigten mich zu meiner ersten Dunkelkammer und ersten ernsthafteren Schritten in diesem Medium. Ein frühes Bild an das ich mich erinnere zeigt einen Freund in Bewegung, mit einer Langzeitbelichtung aufgenommen. Wahrscheinlich kein Zufall, dass ich mich gerade an dieses Bild erinnere, wo mich das Einfangen von Bewegung in den vergangenen Jahren sehr beschäftigt hat.

Was hat Dich dazu bewogen Fotograf zu werden und was machte (und macht) die Tätigkeit für Dich so interessant?
Ich befand mich im 4. Semester des Architekturstudiums und wollte den Start der Kurse für Architekturfotografie nicht länger abwarten. Es wurde mir klar, dass ich auf die innere Stimme hören und der Leidenschaft folgen musste. Die Fotografie bringt für mich viele spannende und lebendige Begegnungen, sie führt mich an Orte und in Situationen, die ich sonst nicht erleben würde. Ich schätze die Herausforderung auf Fotoproduktionen, von heute auf morgen, mit einem bunten Mix an Charakteren und Lebensläufen in einem intensiven Arbeitsprozess verbunden zu sein.




Wie sah Dein Start in den Beruf denn genau aus?
Anfangs habe ich bei diversen Fotografen in den Bereichen People, Stillife und Transportation assistiert. Es hat mich dann aber doch gereizt, das Thema im Studium an der FH Dortmund zu vertiefen. Der Austausch mit den anderen Studenten und die Beschäftigung mit dem Medium Fotografie, losgelöst von kommerziellen Interessen, war erfrischend und hat mir viel bedeutet.

Deine Schwerpunkte sind breit gefächert und liegen heute in den Bereichen People, Portrait, Fashion, Landscape und Dance. Weshalb?
Ein großer Reiz in der Fotografie lag für mich schon immer in der Vielfältigkeit des Mediums. Es ist sicherlich auch eine Typsache. Mich persönlich belebt es, Fotografie in unterschiedlichsten Bereichen auszuüben und zwischen den Genres zu wechseln, auch während einer Produktion.

Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Räumlichkeit spielt eine große Rolle für mich. Außerdem der Bezug der Darsteller zum Raum bzw. die Beziehungen der Personen untereinander. Eine gewisse Klarheit in der Komposition ist mir wichtig. Wenn ich mit künstlichem Licht arbeite, nutze ich dieses gerne so, dass es nicht auffällt. Beim Arbeiten ist für mich eine entspannte, menschliche und unverkrampfte Atmosphäre wichtig. Dies spiegelt sich im Umgangston wieder, nicht nur mit den Modellen, sondern mit allen am Set.

Auf welche Deiner Arbeiten bist Du besonders stolz?
Es sind Motive die mich berühren, weil sie mich wieder in die damals erlebte Situation zurück transportieren. Es ist weniger Stolz als ein Glücksgefühl. Ich bin glücklich bzw. dankbar dafür, dass ich in dem Bild eine gewisse Essenz des Moments eingefangen konnte. Als Fotograf weiß man, wie viele Faktoren zusammen kommen, um ein Bild besonders werden zu lassen. Zu glauben, dass wir selber für alle diese Faktoren verantwortlich sind, wäre vermessen.




Wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keinerlei Rolle spielen würden: Wie würde Dein absolutes Traumprojekt aussehen?
Ich wäre für längere Zeit an für mich unbekannten Orten unterwegs, auf der Suche nach inspirierenden Plätzen und Menschen. Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort hätte ich dann gerne auch mein Team und Darsteller, Tänzer und Modelle, um mit Ihnen zusammen im neuen Territorium Bilder entstehen zu lassen.

Gibt es einige Fotografenkollegen, speziell mit Fokus auf Deutschland, deren Arbeiten Du besonders schätzt?
Um von Orten, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken, mit besonderen Bildern zurückzukehren, bedarf es Fähigkeiten, die ich an meinem Kollegen Dieter Schwer sehr schätze. Es gibt eine Menge weiterer Kollegen hier in Deutschland, deren Arbeiten ich sehr schätze. An Stelle einer Kollegenliste nenne ich aber lieber einen kleinen wilden Mix von Ikonen, die sicherlich nicht nur mich inspiriert haben:
Irving Penn, Richard Avedon, Robert Frank, André Kertész, Henri Cartier-Bresson, Joel Meyerowitz, Stephen Shore, Duane Michaels, Shōji Ueda, Sally Mann, Evelyn Hofer …

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Es hat etwas Magisches und vermag mich in eine andere Stimmung zu versetzen bzw. mich an einen anderen Ort zu transportieren. Es berührt mich nicht nur auf den ersten Blick, d.h. es besitzt eine zeitlose Präsens und regt meine Phantasie an.

Was inspiriert Dich?
Reisen, Musik, Filme, Zeit mit der Familie, Freunde, das Team, ein gutes Buch … Inspirationsquellen existieren eine Menge. Inspiration lässt sich aber nicht einplanen, sie kommt manchmal ganz unverhofft an einem unerwarteten Ort, zu einem unerwarteten Zeitpunkt. Tanz und Bewegung haben von Anfang an in meiner Arbeit an eine große Rolle gespielt und waren für mich in den meisten Fällen auch Inspirationsquellen. Die Zusammenarbeit mit Tänzern kann sehr spannend sein, besonders wenn sie sich von den üblichen Mustern freimachen können und ihrem Ausdruckspotenzial freien Lauf lassen.



Welche Kamera(s) benutzt Du?
Die Bilder der „digitalen“ Jahre habe ich mit Canon und Hasselblad / Phase One umgesetzt. Auf Reisen ist meistens eine kleine Fuji mit dabei. Es finden sich aber auch iPhone-Motive in meiner Mappe bzw. auf der Website. Im Kameraschrank schlummern noch so einige analoge Kameras, von denen ich mich nicht trennen mag – wer weiß … Im Grunde spielt die Marke keine so große Rolle, alle Systeme haben Vor- und Nachteile. Ich zitiere einen „weisen“ Kollegen: „Die beste Kamera ist die, die man dabei hat.“

Du hast einiges von der Welt gesehen und in unterschiedlichsten Ländern gearbeitet. Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen?
Zuhause. Klingt banal, ist aber so. Morgen wider Erwarten in der einfachen Wanderhütte in Sagogn, mit dem unglaublichen Blick über den Genfer See oder auf Kythira oder Skopelos, den wunderschönen griechischen Insel aufzuwachen, wäre aber trotzdem eine schöne Überraschung. Licht, Luft, Wasser und Ruhe …

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.mentzos.de
   www.severinwendeler.com
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