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Interview: Im Gespräch mit Tobias Bosch

In Stuttgart geboren, in einem Hippie-Haushalt aufgewachsen. Aus Protest studierte er Kommunikationsdesign und Humanmedizin. Von Hörsälen gelangweilt ließ er das studieren sein, zog nach Köln. 2004 landete er als Studio-Manager bei Jochen Manz. Der zeigte ihm wie man Produktion und Casting macht, was er daraufhin ein paar Jahre erfolgreich als freier Producer getan hat. 2010 gründete er dann seine Agentur Tobias Bosch Fotomanagement.

Du vertrittst seit 2010 mit Deiner Repräsentanz einen spannenden Pool an Fotografen. Wie kam es damals eigentlich zur Gründung?
Ich war als freier Producer unterwegs und als immer mehr Fotografen mit der Frage „Kann ich das auch immer haben?“ auf mich zukamen, war die Idee eines Managements für Fotografen geboren. Dass sich das zu einer richtigen Repräsentanz mit Kunden und Fotografen weltweit entwickelt, war erst mal gar nicht geplant. Ich bin mit einer großen Portion Naivität gepaart mit meinem gewohnten Enthusiasmus an das Projekt rangegangen und nach und nach kam ein Fotograf nach dem anderen dazu. Was mich dabei sofort begeistert hat, war vor allem die Projektarbeit, schnell Dinge gestalten und umsetzen zu können. Dass es bei dem Job auch noch um so ein inspirierendes Thema wie Fotografie geht, kommt quasi als Bonus dazu.

Aktuell repräsentierst Du rund 10 Fotografen. Nach welchen Kriterien und wie erfolgt bei Dir die Auswahl und Zusammenstellung?
Wenn der Bauch ja sagt und der Kopf keine Einwände hat, stimmen schon mal die wichtigsten Voraussetzungen. Natürlich gibt es viele kreative und wirtschaftliche Kriterien, die man bei der Auswahl anwenden kann, was ich auch tue. Aber meistens zeigt sich ja erst in der Zusammenarbeit, ob man die gesteckten Ziele auch wirklich gemeinsam erreichen kann.


Immo Fuchs


Immo Fuchs


Cem Guenes


Cem Guenes

Kannst Du uns einen typischen Arbeitstag von Dir beschreiben?
Um 09:00 Uhr gibt es einen Kaffee vom legendären Köln-Kiosk am Eck. Nach einem kurzen Tratsch mit der halben Belgischen-Viertel-Community komme ich gerade noch rechtzeitig zur ersten Telko ins Büro. Zwischen den nächsten Terminen stelle ich fest, dass der KVA für den Kunden natürlich schon am gleichen Abend fertig sein soll. Mittags geht es schnell ins Café Schmitz rüber und dann direkt nach Düsseldorf zum Pre-Production-Meeting. Stau zwischen Köln und Düsseldorf, aber praktisch, wenn man in Ruhe telefonieren will. Abends das Angebot rausschicken, die Daumen drücken und dann noch eine Runde auf dem Fahrrad durch den Stadtgarten.

Welcher Teil Deiner Arbeit gefällt Dir am besten? Was bereitet Dir am meisten Freude und gibt es auch Parts, auf die Du gerne verzichten könntest?
Mein Job ist mein absoluter Traumjob. Ich liebe Menschen und ich liebe es zu organisieren. Und da, wo mein Talent auf die Anforderungen des Jobs trifft, ist es am schönsten. Den Erfolg meiner Künstler mit aufzubauen und miterleben zu können, macht mich wirklich glücklich. Wirklich schwer ist es, wenn man erkennt, dass die Zusammenarbeit mit einem Fotografen keinen Sinn mehr macht. Da ist es wie in Beziehungen. Man muss sich trennen und das macht selten Spaß.

Welche Trends und Entwicklungen siehst Du aktuell in der Bildsprache und in der Fotografie allgemein?
Ganz klar: Alles wird schneller. Auf WhatsApp folgt Snapchat. Und sicher bald der nächste Trend. Bildfolgen werden immer schneller. Und unsere Sehgewohnheiten verändern sich, ohne dass es uns in jedem Moment bewusst ist. Oft merkt man das ja erst in der Rückschau deutlich. Aber Trends des Bildkonsums kommen und gehen. Das gute und beeindruckende Bild wird uns erhalten bleiben. In welchem medialen Format auch immer.

Kannst Du uns verraten, was Deiner Meinung nach einen wirklich guten Fotografen bzw. eine gute Fotografin auszeichnet?
Was gut ist, liegt im Auge des Betrachters. Aber letztlich entscheidet die starke Absicht ein guter Künstler sein zu wollen. Man muss sich der Konsequenzen bewusst sein, die freiberufliches Arbeiten mit sich bringt und alles tun, was dafür nötig ist. Und natürlich braucht man Talent und vor allem viel Ausdauer.


Cem Guenes


Christopher Domakis


Cem Guenes


Cem Guenes

Hast Du Tipps und Empfehlungen für junge Fotografie-Talente?
Ziele setzen und dann los! Im Ausland leben, bei den ganz Großen in der Szene assistieren und sich so viel wie möglich abschauen. Und dann die ganz eigene, unverkennbare Bildsprache entwickeln.

Was macht für Dich ein herausragendes Foto aus und hast Du ein Lieblingsbild?
Die aktuellen Bilder, die die flüchtenden Menschen zeigen mit all ihren Ängsten und Hoffnungen.

Kannst Du uns bitte drei Webseiten nennen, die Du regelmäßig besuchst?
Ja, z. B. tobiasbosch.com, peterlindbergh.com oder annieleibovitz.tumblr.com.


Jens Ihnken


Miriam Lindthaler


Tristan Rösler


Tristan Rösler

Deine Basis befindet sich in Köln. Was schätzt Du beruflich und privat an der Stadt?
Köln ist einfach eine sehr lebendige und liebenswerte Stadt! Es liegt strategisch perfekt in der Mitte Europas – man ist in knapp vier Stunden in Paris, Berlin, München und Hamburg. Köln ist gepaart mit Düsseldorf als Werbe-Metropole des Westens ein starker Wirtschafts- und Medienstandort. Privat schätze ich die lockere Art der Rheinländer, das vielfältige Kulturangebot und die Toleranz im Miteinander der Menschen.

Abschließend noch eine Frage: Wie und wo siehst Du Deine Repräsentanz in ein paar Jahren? Was sind die Ziele für die Zukunft?
Meine Ziele sind die Weiterentwicklung der Agentur zu einer der führenden Repräsentanzen und kurzfristig der Ausbau des Berliner Büros. Und ich möchte den Bereich Coaching und Mentoring für Fotografen und junge Talente ausbauen. Lassen Sie sich überraschen!

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.tobiasbosch.com
 

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