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Interview: Im Gespräch mit Kajetan Kandler

Kajetan Kandler ist bei Stuttgart geboren, seit nun mehr 20 Jahren lebt und arbeitet er in Hamburg. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen People und Portrait. In Deutschland wird er von wildfox running vertreten.

Wie und wann bist Du das erste Mal mit Fotografie in Berührung gekommen und was zeigt Dein erstes Foto, welches Du bewusst aufgenommen hast?
Mein Vater hatte immer die Kamera dabei, ich habe über 30 Familienalben geerbt und habe sie noch alle. Insofern hat mich das Fotografieren seit meiner Kindheit begleitet. Mein eigenes kleines Fotoalbum hatte ich mit acht Jahren, auf Seite eins ein Bild von Muschi, meiner Katze. :)

Was hat Dich dazu bewogen Fotograf zu werden und was machte (und macht) die Tätigkeit für Dich so interessant?
Ich komme von der Musik her, habe früher in Bands gespielt und auch aufgelegt. Kreativ sein, selber machen, einen Entstehungsprozess begleiten, mit Menschen arbeiten und dabei unabhängig sein, sind die Schlüsselkriterien und die Fotografie kann ein Schlüssel sein. Wenn du ihn fein benutzt, schließt er dir viele Welten auf. Menschen öffnen sich, man nähert sich in kurzer Zeit an. Das sind schöne Momente. Es macht mich glücklich zu fotografieren, ein Motiv, einen Auftrag bestmöglich zu erarbeiten oder einzufangen. Ich brenne für jeden Job, den ich annehme. Daran ändert sich nichts.




Wie sah Dein Start in den Beruf denn genau aus? Hast Du eine klassische Fotografen-Ausbildung und Assistenzen bei anderen Fotografen gemacht?
Beides. Ich habe Visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Fotografie studiert und war nach dem Vordiplom über ein Fulbright-Stipendium ein Jahr am Art Center Pasadena in Los Angeles. Daneben und auch danach habe ich viel assistiert. Meine drei festen Assistenzen möchte ich dabei hervorheben: Peggy Sirota (Los Angeles), Dieter Eikelpoth und Uwe Düttmann. Über diese letzte Assistenz kam ich nach Hamburg und habe mich anschließend dort selbstständig gemacht.

Deine Schwerpunkte liegen in den Bereichen People und Portrait. Weshalb?
Der Reiz beschränkt sich für mich nicht nur auf diese Bereiche, ich fotografiere auch andere Themen, aber in der digitalen Welt hilft eine gewisse Fokussierung um wiedergefunden zu werden. Um die Frage zu beantworten: Ich bevorzuge foto-grafische Themen mit Menschen, daher habe ich mein Portfolio weitgehend auf diese Themen reduziert.

Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Ich habe mich nie auf nur die eine Optik, den einen Stil beschränkt. Ich will einfach nicht immer auf denselben Nagel hauen, nur dasselbe machen, das würde mich langweilen. Ich kann sehr flexibel arbeiten und das bringt mir abwechslungsreiche Aufträge. Ich möchte es in zwei Bereiche einteilen: Im Peoplebereich arbeite ich authentisch, narrativ, gerne mit einer Prise Humor. Auf der anderen Seite liebe ich es zu inszenieren, zu composen, Licht und Wertigkeit einen hohen Stellenwert einzuräumen und natürlich auch meinen eigenen Ideen Raum zu geben. Oft vermengen sich diese Richtungen, wenn z. B. Emotion und Authentizität auf formal, streng festgelegte Bildwelten trifft.

Auf welche Deiner Arbeiten bist Du persönlich besonders stolz? Oder vielleicht einfacher gefragt, welche Deiner Bilder schaust Du Dir selbst immer wieder gerne an?
Außergewöhnliche „Hammerfotos“ macht man nicht jeden Tag. Da muss einiges zusammenkommen, aber die Motive, welche es in mein Buch oder an die Wand geschafft haben, schaue ich mir gerne an. Wenn mir ein Bild mal nicht mehr so gefällt, drehe ich es auf den Kopf und zack, isses wieder gut … :)



Wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keinerlei Rolle spielen würden: Wie würde Dein absolutes Traumprojekt aussehen?
Es mich macht glücklich, was ich machen darf. Ich bin zufrieden! Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann würde ich mir gerne ein mal im Monat eine Persönlichkeit für eine freie Strecke aussuchen. Das kann ein Musiker, Politiker, Schauspieler oder einfach eine Person sein, die eine besondere Geschichte zu erzählen hat.

Gibt es einige Fotografenkollegen, speziell mit Fokus auf Deutschland, deren Arbeiten Du besonders schätzt?
Es gibt viele gute Fotografen in Deutschland – weltweit sowieso. Ich möchte es so beschreiben, die besten machen vor und nicht nach – oder sie klauen wenigstens zuerst … :) Sie sind eigenständig, innovativ, halten ihr Niveau, bewegen sich in und mit der Zeit und sind doch immer bei sich. Persönlich verehre ich Nadav Kander, vermutlich weil ich selber fast so heiße …

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Es schwächelt nicht schon beim zweiten Anschauen. Es nimmt dich mit, hat Kraft, einen Zauber. Es wächst, wie alles Gute!



Was inspiriert Dich?
Inspiration ist überall. Meine Familie, mein Hund, Musik, ein Album oder Song-titel, Filme, Kunst, Nachrichten oder ein Plakat im vorbeifahren. Ich habe gerne ein Wort oder eine Phrase im Kopf, wenn ich an einer Strecke arbeite, das reicht oft schon. Man kann sich auch auf ewig im Web versenken, auf der Suche nach Ideen oder Inspirationen und an der Entwicklung eines Konzepts konzentriert arbeiten oder einfach ans Set gehen und was tolles machen. Mich inspiriert das Arbeiten selbst sehr. Es gibt immer und überall die Chance ein tolles Bild zu machen.

Welche Kamera(s) benutzt Du?
Hm, nicht so wichtig … Im Laufe der Zeit hat man die Schränke voll mit Equipment. Aber um die Frage zu beantworten: Aktuell habe ich immer eine kleine Sony dabei, im Kleinbildbereich bin ich „Canon“ – nicht „Nikon“. Ich freue mich sehr über die Mark 5Ds, da bin ich sicher nicht allein. Höchstauflösend arbeite ich mit Hasselblad auf Phase One und meine Linhof habe ich gerade wieder ausgepackt.

Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich und gibt es aktuell Projekte, von denen Du uns berichten kannst?
Einen hohen. Ich mache immer „Freies“. Es gibt Serien, die ich plane und am Stück produziere. Andere Geschichten landen nach und nach in die jeweiligen dafür bereitgestellten Töpfe, das kann dann auch mal dauern. Ich wühle mich auch gerne durch meine Archive und entdecke oder bastle daraus Neues. Im Moment warten Ordner auf meinem Schreibtisch wie: Hide, Heroes, Familyportrait, Knautsch und Skin auf Bildernachwuchs.

Du hast einiges von der Welt gesehen und in vielen Ländern gearbeitet. Wo würden Du morgen früh am liebsten aufwachen und weshalb?
In einer friedlichen und demokratischen Welt. Das wünsche ich uns allen.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
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