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Interview: Im Gespräch mit Kelly Kellerhoff

Gelernter Fotograf, arbeitete nach seiner Ausbildung zum Fotodesigner am Berliner Lette Verein als selbstständiger Fotograf und später auch als Kameramann in Berlin, Düsseldorf und Paris. In den 90er Jahren wechselte er die „Seiten“ und war für mehrere Agenturen und Kunden als Berater und Konzeptioner tätig, später auch im Sportmarketing. 2002 gründete er die Agentur Kelly Kellerhoff represents! KG in Berlin.

Du vertrittst inzwischen seit 2002 mit Deiner gleichnamigen Repräsentanz einen spannenden Pool an Fotografen. Wie kam es damals eigentlich zur Gründung?
Nach der Jahrtausendwende habe ich in Berlin für die Werbeagentur Dorland Projekte betreut. In dieser Zeit hatte ich das erste Mal in meinem Leben Kontakt zu Fotorepräsentanten. Ich fand das Fachwissen um die Fotografie, den Support und auch den Einsatz dieser „Agenten“ so dermaßen schlecht, teilweise auch dilettantisch, dass ich kurzerhand meinte: „Das kann ich besser!“ Gesagt, getan und nach einem Jahr der Recherche und Vorbereitung eröffnete ich meine Agentur.

Aktuell repräsentierst Du rund 10 Fotografen. Nach welchen Kriterien und wie erfolgt bei Dir die Auswahl und Zusammenstellung?
Ich suche immer nach Fotografen, die ihre ganz eigene Bildsprache haben und strategisch in den Markt und auch in mein Portfolio passen. Bei uns findet man keine zwei Fotografen, die sich im Bildstil ähneln. Ich vermeide somit „Kannibalisierungseffekte“!


Andreas Hempel


Carsten Görling


Idris Kolodziej


Karsten Koch

Kannst Du uns einen typischen Arbeitstag von Dir beschreiben?
Morgens um sechs stehe ich meistens auf und gehe erst einmal mit meinem Hund Bruno raus. Nach dem Frühstück beginnt der Bürotag, meist gegen neun Uhr. Das typische an meinem Arbeitstag ist, dass er eben nicht typisch ist. Jeder Tag ist anders, weil auch die Anfragen und die Anforderungen immer wieder neu aufgestellt sind.

Welcher Teil Deiner Arbeit gefällt Dir am besten? Was bereitet Dir am meisten Freude und gibt es auch Parts, auf die Du gerne verzichten könntest?
Ich habe am meisten Spaß „draußen“. Ich bin sicher nicht der klassische Bürotyp, auch wenn ich mittlerweile viel vor dem Rechner sitze. Aber der Kontakt bei Terminen mit unseren Kunden in Agenturen oder Unternehmen macht mir am meisten Spaß, so wie die Führung von Produktionen und deren Begleitung. Verzichten kann ich gerne auf endlose Telefonkonferenzen oder die 35. Änderung der 17. Kalkulationsvariante.

Welche Trends siehst Du aktuell in der Bildsprache und in der Fotografie allgemein?
Ich glaube und ich hoffe, dass der Trend wieder zu mehr Authentizität hingeht, speziell in der kommerziellen Fotografie. Und dass der Mut bei Kunden und auch Fotografen wieder mehr Einzug hält. Das kommerzielle Werbebild, von „schönen Menschen, die im schönen Gegenlicht lächelnd schöne Dinge machen“, weicht hoffentlich immer mehr dem dokumentarischen Stil.

Kannst Du uns verraten, was Deiner Meinung nach einen wirklich guten Fotografen bzw. eine gute Fotografin auszeichnet?
Wie viele Seiten eures Buches darf ich mit meiner Antwort füllen? Ich denke, dass Fotografen heute auf einem sehr schmalen Grat wandeln, sofern sie mit ihrer Fotografie Geld verdienen wollen. Wenn wir uns all die erfolgreichen Fotografen dieser Welt anschauen, wird schnell deutlich, dass sie ihrer eigenen Vision gefolgt sind und dass sie eine eigene, nicht kopierbare Handschrift entwickelt haben, gepaart mit einem unermüdlichen Willen permanent Neues zu versuchen und nie auf der Stelle zu treten. Dabei bleiben sie im Sinne des Marktes jedoch auch immer noch „gebrauchskompatibel“, denn neben all der künstlerischen und freien Arbeit, muss man ja auch immer noch im Auge behalten, dass man in der Regel mit den klassischen Jobs das Geld verdient!


Roland Liedke


Sebastian Burgold


Steffen Jänicke


Thomas Schwoerer

Hast Du Tipps und Empfehlungen für junge Fotografie-Talente?
Geht raus, zieht durch die Welt, testet unermüdlich, macht eurer Ding und kopiert nicht das, was bereits tausend andere Fotografen bereits vor euch schon fotografiert haben. Erweitert euer Know-­how in Richtung Film und 3D, vernetzt euch, zeigt anderen was ihr könnt und tauscht euch aus. Tretet frühzeitig in Kontakt mit denjenigen, mit denen ihr einmal arbeiten wollt und hört gut zu, was sie euch zu eurer Arbeit sagen.

Was macht für Dich ein herausragendes Foto aus und hast Du ein Lieblingsbild?
Ich bin ein Fan von „einfacher“ Fotografie, von einem Stil wo es einem Fotograf gelingt mit einem einfachen Lichtaufbau und ohne großes Surrounding ein Bild zu kreieren, das mich berührt. Das sind Fotografien von Peter Lindbergh oder Steven Meisel, wo die Foto-­Idee und deren Umsetzung im Vordergrund steht und nicht die aufwendige Postproduktion mit 120 Ebenen und das Composing von diversen Bildelementen.

Kannst Du uns bitte drei Webseiten nennen, die Du regelmäßig besuchst?
Ich habe mehr als drei Seiten, die ich regelmäßig besuche, dass sind meistens Magazine wie Horizont, WuV, aber auch Spiegel online, Welt.de und Tagesspiegel.de. Dann bin ich täglich bei Facebook und versuche auch fleißig zu posten. Da wir ja auch seit vier Jahren im Bereich Filmproduktion arbeiten, bin ich immer mehr auf Seiten, die sich um das Thema Film drehen wie vimeo.com, slashcam.de oder cinema5d.com.


Thorsten Rother


Tomaso Baldessarini


Uwe Böhm

Deine Basis befindet sich in Berlin. Was schätzt Du beruflich und privat an der Stadt?
Ich gehöre ja zu der aussterbenden Spezies des geborenen Berliners. Somit habe ich natürlich ein starkes heimatliches Gefühl zu dieser Stadt. Darüber hinaus schätze ich an Berlin, dass ich in einer der aufregendsten Metropolen der Welt leben und arbeiten darf und sehe das durchaus als Privileg an, auch wenn ich die Stadt und die Kultur nicht mehr so intensiv konsumiere, wie noch vor ein paar Jahren. Beruflich habe ich lange überlegt wegzugehen, denn noch einige Jahre nach der Jahrtausendwende wurde Berlin von den Kunden gemieden. Es wurde hier zwar gerne von internationalen Magazinen und Kunden produziert, doch brachte man dann lieber die gesamte Infrastruktur von außen mit und nutzte nur die Berliner Kulisse. Mittlerweile ist man als Berliner und Berliner Unternehmen jedoch international anerkannt.

Abschließend noch eine Frage: Wie und wo siehst Du Deine Repräsentanz in ein paar Jahren? Was sind die Ziele für die Zukunft?
Ich denke, dass wir uns weiter entwickeln und das Angebot mehr in Richtung Film und Konzeption erweitern werden. Die reine Vermarktung und Betreuung von Fotografen haben wir ja bereits durch unsere Filmunit „Kelly Film“ ergänzt. Da sehen wir in den nächsten Jahren einen steigenden Bedarf bei unseren Kunden, z. B. bei der Produktion von Short Form Videos und Moving Content. Gleichzeitig bauen wir eine weitere Unit auf, die sich im Bereich Premium Brands ganzheitlichen Konzepten widmet. Hierbei stehen vor allem digitale, effiziente Medienstrategien für uns im Fokus.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.kellykellerhoff.de
   www.kellymag.com
   www.lesparks.de
 

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