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»10 Tipps für Fotografen« von Clemens Gerlach

Warum sind eigentlich so viele Fotografen nicht oder nur bedingt erfolgreich, andere jedoch über lange Zeit sehr gut im Geschäft? Clemens Gerlach, Creative Director Art bei der Hamburger Werbeagentur Gerlachhartog, hat in der aktuellen BLICKFANG-Ausgabe 2015/2016 zehn Tipps für Fotografen vorgestellt, die erfolgreich werden und bleiben möchten – zu finden jetzt auch online im Blog. Lesen lohnt sich!

 
ERFOLGREICH WERDEN, ERFOLGREICH BLEIBEN!
10 TIPPS FÜR FOTOGRAFEN

Liebe Krieger(innen) des Lichts,

warum sind viele Fotografen gar nicht oder nur mäßig erfolgreich, andere jedoch über Jahrzehnte sehr gut im Geschäft? In diesem Beitrag möchte ich ein paar Erfahrungen und Gedanken weitergeben, die ich als jemand, der häufig Fotografen aussucht und bucht, gesammelt habe. Vorhang auf für meine zehn Tipps, die man befolgen kann, aber nicht muss:

1.) MACH NICHT ALLES.
Entscheide dich, ob du Lifestyle-Werbefotograf, Modefotograf oder Kunstfotograf bist. Es klingt vielleicht hart, aber ich sehe sofort, ob ein Fotograf Mode atmet oder nicht. Ich sehe es am Casting und Posing, am Retouching, am Styling und Licht. Deshalb, liebe Werbefotografen, macht Werbung, aber keine Mode. Liebe Modefotografen, macht ruhig mal Werbung, aber redet nicht viel darüber. Eure Mappe muss klar zeigen, wofür ihr steht.

2.) SPEZIALISIERE DICH. ABER ENTWICKLE DICH AUCH STÄNDIG WEITER.
Bist du als Modefotograf ein Katalogfotograf (eher Lifestyle bis Storyteller) oder Studio bzw. Highfashion (Lichtsetzer, ästhetischer Inszenierer)? Schlägt dein Herz für Stillife oder für Beauty? Wichtig ist: Reduziere deine Mappe auf das, was du am meisten liebst, und wirf die anderen Sachen raus. Glaub mir, du hilfst Entscheidern damit enorm!

Außerdem: Entwickle dich innerhalb deines Themas permanent weiter. Habe neue Gestaltungsideen. Dann bist und bleibst du dabei. Schau, was die anderen machen, und dann mach nicht dasselbe, sondern NEUES!

3.) LERNE DAS HANDWERK, SAMMLE ERFAHRUNG.
Es gab einen klugen Kunsthochschulprofessor an meiner Hochschule, der uns damals sagte: “Lernt erst einmal zu zeichnen, bevor ihr abstrakt malt”. Will sagen: Lernt das Handwerk an der besten Schule, die ihr finden könnt. Werdet Assi bei den erfolgreichsten Fotografen und lasst euch damit mindestens fünf bis zehn Jahre Zeit. Licht- und Bildinszenierung ist eine Kunst, die ohne das Handwerk nicht umsetzbar ist. Fragt mal Werner Briese (Ich hoffe, dieser Name sagt hier jedem etwas). Und dann macht euer Ding.

4.) SUCHE DIR EINE GUTE FOTOREPRÄSENTANZ.
Konzentriere dich lieber auf das Bildermachen. Artbuyer, ADs und CDs schauen hauptsächlich dort nach Fotografen. Bitte erspare uns gedruckte Arbeitsproben – die kosten dich nur Geld und uns Platz. Ein gutes Mappen-PDF tut’s auch und wird bei uns digital abgelegt. Von „Gosee’s“ halten wir übrigens bei Gerlachhartog gar nichts, denn die Mappe sagt uns bereits, was du kannst. Dafür müssen wir dich nicht persönlich kennen lernen. Dass du nett bist, sollte selbstverständlich sein, ist aber kein Auswahlkriterium für ein Kundenprojekt.

5.) MAKE THE BUSINESS AND RUN.
Sicher kommen öfter auch Anfragen, die unter deinem Tagessatz liegen. Egal, mach den Job trotzdem! Wir wissen, was du wert bist, haben aber manchmal nicht genau dieses Budget vom Kunden. Wir wollen dich aber trotzdem, weil wir dich für den Richtigen halten. Und wenn das Briefing, der Artdirector und Kunde ansonsten cool sind, mach den Job erst recht. Gute Artbuyer und Artdirektoren merken sich das und werden dich später wieder buchen – dann gern auf lukrativeren Jobs.

6.) LEBE!
Wer nie auf einem Botschaftsempfang, einer Reiche-Leute-Party auf Ibiza oder Künstlerparty in Brooklyn war, wird nie wissen, wie die Orte und Leute dort aussehen, wie sie sich benehmen und kleiden. Den Unterschied wird man in den Fotos sofort sehen: ob die Szenen-Inszenierung im Foto eher aussieht wie das peinliche Arrangement von Fotomodellen oder wie eine authentische, begehrenswerte Welt, in die ich als Betrachter eintauchen möchte.

7.) NUTZE EDITORIAL-FOTOSTRECKEN SINNVOLL.
Editorials sind die beste Werbefläche für dein Können. Wir Artdirektoren schauen die sehr genau an. Deshalb versuche hier nicht, besonders “künstlerisch” zu sein, indem du z. B. die Models mit Schaum übergießt oder in ein Licht tauchst, in dem man nichts mehr von der Klamotte sieht. Mache Bilder, die ich vielleicht in meine Layouts einbauen kann, um sie dem Kunden zu präsentieren. Wenn dieser das gut findet, rufe ich dich an und du hast den Job. Gute Artdirektoren sehen schon an einer simplen Studiostrecke vor grauer Hohlkehle, was ein Fotograf drauf hat (Lichteinsatz, Modelcast, Posing, Haare, Make-Up, Styling, Props etc.).

8.) MACH DIE FOTOS, DIE DU MACHEN WILLST!
Warte nicht auf Kunden, um perfekte Fotos zu machen, denn die reden dir gerne rein (klar nervt das, ist aber ihr gutes Recht!) und verfremden mitunter dein Werk. Stattdessen: Sobald du deine perfekte Mode- oder Fotostrecke im Kopf hast, suche dir ein Team zusammen – Models, Stylist, Hair & Make-up, eventuell einen Assi und vielleicht sogar einen Artdirektor, wie ich es bin. Begeistere sie für deine Idee. Wenn das gelingt und alle etwas davon haben, werden sie auch ohne Honorar arbeiten. Und du bekommst endlich eine Strecke, die zu 100 Prozent du bist.

9.) BIETE AUCH FILM AN!
Punkt.

10.) MACH FOTOS, SO OFT ES GEHT.
Die Zeit ohne Buchung nutze, um Fotos zu machen, die du vielleicht auch bei Bildagenturen vermarkten kannst. Die Einkünfte daraus werden dir helfen, maue Zeiten finanziell zu überstehen. Und vergiss nicht Tipp 8.
 

ZUR PERSON:
Clemens Gerlach ist Creative Director Art und geschäftsführender Partner der Werbeagentur Gerlachhartog Markenkommnikation 2.0 GbR in Hamburg, die 2015 fünf Jahre alt geworden ist. Gerlach ist Hamburger und hat an der HBK Braunschweig sein Diplom als Grafik- und Kommunikationsdesigner absolviert. Danach folgten Jahre als Artdirector und Creativedirector in den Hamburger Kreativschmieden KNSK und Springer & Jacoby in Hamburg sowie in London. Während der Jahre in London, in denen er als Gründer und Partner der Agentur Brainchild UK arbeitete, entwickelte er durch Arbeiten u.a. für die London Fashion Week, Vogue UK und Holland & Holland seine besondere Liebe zu Arbeiten für Mode-, Luxus- und Lifestyle-Kunden, die bis heute anhält.

 
Links:
   www.gerlachhartog.de
   www.facebook.com/gerlachhartog

Portraitfoto oben: Andreas Ortner
 

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