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Interview: Im Gespräch mit Christian Schmidt

Unsere neue Interviewreihe geht in die zweite Runde. Diesmal zog es uns in Richtung Stuttgart und wir sprachen mit dem Fotografen Christian Schmidt, der von Claudia Bitzer repräsentiert wird.

Christian ist 1970 in Göttingen geboren. Nach langjähriger Assistenzzeit machte er sich 1999 als Fotograf selbstständig. In der angewandten Fotografie wird er weltweit vertreten und international von führenden Kunden und Werbeagenturen beauftragt. Seine Arbeiten und Kampagnen finden weltweite Beachtung und bescherten ihm etliche Auszeichnungen im In- und Ausland sowie zunehmende Anerkennung im Kunstbereich. Er gilt als einer der führenden Fotografen im Landschaftsbereich und ist Mitglied im AOP und BFF. Christian lebt mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern in Stuttgart.

Christian, wie bist Du überhaupt zur Fotografie gekommen?
Mein Großvater war Fotograf. Ich habe ihn nie kennengelernt, aber wir hatten Familienalben mit alten Schwarz-Weiß Prints, von denen ich schon als kleines Kind immer fasziniert war. Später, so mit 15, habe ich die Pentax von meiner größeren Schwester entdeckt und mir dann ein kleines Schwarz-Weiß Labor in unserer Garage gebaut. Da habe ich dann für Schüler und Studentenmagazine neben der Schule gearbeitet und wusste dann recht schnell, dass ich die Fotografie zum Beruf machen möchte.

Wo liegen Deine fotografischen Schwerpunkte und weshalb?
Meine fotografischen Schwerpunkte liegen im Bereich Landschaft, People und
Autofotografie. Mich begeistert die Weite und Tiefe einer Landschaft. Ich spüre da oft auch eine tiefe emotionale Verbundenheit.

Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Licht, Atmosphäre und Stimmung, graphisch reduziert, Weite, Tiefe. Ich erzähle gerne eine Geschichte oder ein Bild das zum Weiterdenken anregt.

Was zeichnet Deiner Meinung nach ein herausragendes Foto aus?
Ein Bild, das eine eigene Tiefe besitzt. Das dich emotional fesselt, sei es ein Mensch, die Tiefe einer Landschaft oder eine Geschichte oder Stimmung.

Spielt der Zufall bei Deinen Arbeiten eine Rolle oder ist alles geplant?
Auftragsarbeiten sind meist sehr konzeptionell und geplant. Da wird wirklich alles versucht, genauestens schon im Vorfeld abzuklären. Oft gibt es dann aber doch die besonderen Momente des speziellen Lichtes oder der einzigartigen Stimmung, die man gar nicht so recht vorher planen kann. Und das macht den Prozess irgendwie auch aus und jeden Job wieder spannend.
Bei freien Arbeiten lass ich mich aber auch sehr gerne, von dem was man plötzlich findet, inspirieren. Der Zustand des Abwartens und mal schauen was man entdeckt. Ich finde, dass es auch etwas sehr schönes ist und bin glücklich, dass mir trotz der täglichen Arbeit als Fotograf die Fotografie noch so viel Spaß macht.


Wie bereitest Du Dich auf ein Shooting vor?
Viel Vorbereitung, Recherche, Locationsuche, Castings − oft auch Tests von speziellem Equipment oder Licht, das man benötigt. Die Jobs bestehen aus viel Vor- und auch Nachbereitung. Manchmal auch Testschüsse, um zu Wissen ob es so funktioniert, wie man es sich ausgedacht hat.

Was inspiriert Dich?
Mich inspiriert freie Zeit ohne irgendetwas und mich inspirieren meine Kinder.

Was macht für Dich die Arbeit als Fotograf aus? Was schätzt Du an Deiner Tätigkeit und auf welchen Part könntest Du auch gerne verzichten?
Spaß macht mir, dass man so viele unterschiedliche Bereiche sieht, unterschiedliche Landschaften, Menschen, Kulturen, viel rumkommt. Kreatives arbeiten − was in der Regel auch gut gezahlt ist.

Verzichten könnte ich manchmal auf die dritte Variante, falls der Kunde vielleicht
doch noch ein Backup braucht. Verzichten könnte ich auch auf PrePPMs, Conference Calls und Akontozahlungen am Ende des Jobs …

Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich und gibt es aktuell Projekte, von denen Du uns berichten kannst?
Freie Arbeiten sind für mich genauso wichtig wie Jobs. Es gibt einige Projekte, an denen ich immer wieder arbeite, wie meine Wasser- oder Himmelserie.

Im Laufe der Zeit hast Du bereits etliche Projekte und Jobs realisiert. Gibt es Arbeiten, auf die Du besonders stolz bist oder mit denen Du ganz besondere Erinnerungen verbindest? Falls ja, welche und weshalb?
Stolz ist irgendwie nicht das richtige Wort. Es ist nach jedem Job oder Projekt eigentlich eher die Genugtuung, dass man es wieder geschafft hat. Häufig sind es ja auch kreativ und terminlich knifflige Aufgabenstellungen, wo man am Anfang noch gar nicht recht weiß, wie genau man etwas umsetzen soll, und das macht dann auch schon Freude einige Zeit später das Resultat zu sehen.
Da sind einige echt schöne Projekte dabei, wie das „Toyota Perspektivwechsel“ Projekt, wo wir für ein Bild direkt mit einem Schlauchboot an einen Eisberg herangefahren sind. Die Telekom Tilt Shift Kampagne, bei der einige Bilder aus 50 Meter Höhe vom Steiger oder aus dem Helikopter fotografiert sind und die Sets, voll von Komparsen und Requisiten, eher wie Filmdrehs geplant sind. Aber auch Kampagnen für Finlandia Vodka in Nordlappland oder GE in Canada, wo ich ganz besondere und abgelegene Orte sehen durfte, die ich wohl so nie gesehen hätte.

Gibt es aktuell Fotografen-Kollegen, speziell aus Deutschland, deren Arbeiten Du für herausragend, innovativ oder einfach für besonders gelungen halten?
Ich finde sowohl im Auftrags- als auch im Kunstbereich gibt es in Deutschland wirklich gute Fotografen. Ich schaue mir gerne Bilder und Ausstellungen an, aber versuche Inspiration auch ein Stück aus mir selber zu bekommen und mich da nicht zu sehr an Anderen zu orientieren. Mir hilft das, auch meinen Fokus bei mir zu behalten.

Deine Basis ist in Stuttgart. Weshalb und was schätzt Du an der Stadt sowohl beruflich, als auch privat?
Stuttgart ist eine kleine Großstadt. Echt nett zum Großwerden für Kinder. Alles sehr überschaubar. Ich bin viel unterwegs und genieße dann zu Hause auch ein bisschen das Überschaubare, Kleine.
Ich muss aber zugeben, dass ich in den zwölf Jahren Selbstständigkeit die Jobs für Agenturen aus Stuttgart fast an einer Hand abzählen kann.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.christianschmidt.com
   www.claudiabitzer.de
   zum Onlineprofil
 

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