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Interview: Im Gespräch mit Juliane Werner

Juliane Werner wurde 1985 geboren und verbrachte ihre Kindheit in Weimar und Moskau. Nach dem Abitur studierte sie am Lette-­Verein in Berlin Fotodesign. Im Anschluss arbeitete sie als Assistentin in New York und Paris bei Martin Schoeller, Ralph Mecke und Annie Leibovitz. 2009 zurück in Deutschland startete sie ihre Laufbahn als freie Fotografin. Heute lebt und arbeitet sie in Hamburg.

Wie und wann bist Du das erste Mal mit Fotografie in Berührung gekommen und was zeigt Dein erstes Foto, welches Du bewusst aufgenommen hast?
Meine erste Kamera bekam ich von meinen Eltern zu meinem 12. Geburtstag geschenkt, eine rote „Braun bravo M3-­AF“. Seitdem fotografiere ich. Auf diesem Wege: Vielen Dank an meine Eltern!

Was hat Dich dazu bewogen Fotografin zu werden und was machte (und macht) die Tätigkeit für Dich so interessant?
Die Leidenschaft. Ich habe einfach nichts anderes mehr gemacht und nur noch fotografiert. Die Frage, welchen Beruf ich ergreifen möchte, hat sich da im Grunde nie gestellt. Die Entscheidung war schon früh gefallen: Ich wollte Fotografin werden. Besondere Momente einfangen, Momente die Menschen berühren – noch heute kann ich mir keinen abwechslungsreicheren Beruf vorstellen. Man kommt mit den unterschiedlichsten Themen und Menschen in Berührung, es passieren tolle Geschichten: Ob ein Streitgespräch mit Richard von Weizsäcker oder ein gemütliches Abendessen mit Jussi Adler Olsen und seiner Familie in Schweden. Ich habe den tollsten Job im Universum.



Hast Du eine klassische Fotografen-Ausbildung und evtl. Assistenzen bei anderen Fotografen gemacht bzw. wie sah Dein Start in den Beruf aus?
Begonnen hat alles mit einem Praktikum im Studio von Benno Kraehahn in Berlin. Als Abschiedsgeschenk überreichte mir Benno ein Leatherman mit den Worten: „Falls Du doch Fotografin wirst.“ Noch heute ist es auf jeder Produktion ein treuer Begleiter.

Nach meinem Fotodesign-­Studium am Lette-­Verein in Berlin zog ich nach New York City, um für ein Jahr im Studio von Martin Schoeller zu assistieren. Die Arbeit mit Martin hat mich sehr geprägt, weniger fotografisch aber umso mehr menschlich; ein aufregendes Jahr. Es folgte eine freie Assistenz bei Ralph Mecke in den USA und in Frankreich, bevor ich meine letzte Station als Assistentin bei Annie Leibovitz in Greenwich Village NYC absolvierte. Nun wollte ich endlich eigenständig als Fotografin arbeiten. Zurück in Deutschland verschlug es mich nach Hamburg. Seitdem lebe und arbeite ich als freie Fotografin in der schönen Hansestadt. Zu meinen ersten Auftraggebern gehörten neben dem Spiegel, der Stern und das Zeit Magazin.

Wie würdest Du Deinen fotografischen Stil in wenigen Worten beschreiben?
Emotional und grafisch klar.

Dein Schwerpunkt liegt im Bereich Portrait. Weshalb eigentlich?
Mit Menschen zu arbeiten ist großartig. Man trifft auf die unterschiedlichsten Charaktere: Ob Kinder, Prominente, Models oder der Mensch von nebenan. Jeder hat seine eigene Geschichte. Das verlangt viel Sensibilität und Feingefühl. Meist hat man nur wenige Minuten um die Menschen für sich zu gewinnen. Es ist jedes Mal ein tolles Gefühl zu sehen, wie die anfängliche Distanz schwindet, sich die Menschen öffnen und ich in kurzer Zeit Vertrauen und Nähe aufbauen kann. In meinen Augen ist das die Basis für ein gutes Portrait. Zudem sind es häufig wundervolle Geschichten und Momente, die Menschen beginnen mit mir zu teilen.



Auf welche Deiner Arbeiten bist Du persönlich besonders stolz?
Mein Portrait von Wolfgang Schäuble. Die Kraft des Bildes fasziniert mich noch heute. Damals mit 21 war ich noch mitten im Studium und wollte ihn unbedingt fotografieren. Ein halbes Jahr habe ich mit seinem Pressesprecher verhandelt. Dann bekam ich endlich meine 5 Minuten. Ich wusste genau wie die Aufnahme aussehen sollte. Einige Wochen später wurde ich erneut in das Ministerium eingeladen: Ein persönlicher Termin bei Wolfgang Schäuble, mit meinem Lieblingsbild im Gepäck –­ welches heute auf dem Cover seiner offiziellen Biographie und noch immer in meinem Portfolio zu finden ist.

Spielt der Zufall bei Deinen Arbeiten eigentlich eine Rolle oder ist meist alles akribisch bis ins letzte Detail geplant?
Bei einer großen Produktion sollte man nichts dem Zufall überlassen. Eine akribische Planung ist wichtig, um sich am Tag der Produktion komplett auf das Fotografieren konzentrieren zu können. Doch sollte man dabei immer flexibel bleiben, denn manchmal hat der Zufall einen guten Einfall. Aber auf ihn verlassen sollte man sich nie.

Wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keinerlei Rolle spielen würden: Wie würde Dein absolutes Traumprojekt aussehen?
Ein Fototermin mit Michael Jackson.




Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Wenn es den Betrachter berührt; egal auf welche Weise und dieses Gefühl Jahre später beim erneuten Betrachten wiederkehrt.

Was inspiriert Dich?
Alles kann Inspiration sein.

Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich?
In meinen freien Arbeiten probiere ich gerne Neues aus. So kann ich meine Visionen umsetzen und mich fotografisch weiterentwickeln. Zudem kann ich mich Themen widmen, die mir persönlich am Herzen liegen, z. B. in meiner freien Arbeit auf der Kinderkrebsstation.


Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen und weshalb?
In Húsavík im Norden Islands, um Polarlichter zu beobachten.

Deine Basis befindet sich in Hamburg. Was schätzst Du an der Stadt sowohl beruflich als auch privat?
Überall Wasser und der Flughafen ist nicht weit, falls einen das Fernweh packt. Mein Verhältnis zu Wind und Regen hat sich verändert, ich bin da inzwischen sehr tolerant. Beruflich ist es toll in einer Stadt mit vielen kreativen Menschen zu leben.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
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