magnuswinter_interview1

Interview: Im Gespräch mit Magnus Winter

Magnus Winter ist in Nürnberg geboren und aufgewachsen. Seit 17 Jahren lebt und arbeitet er in Berlin. Nach seinem Fotografiestudium begann er für Editorials zu shooten und Musikvideos zu drehen. Inzwischen realisiert er Projekte rund um die Welt für verschiedenste nationale und internationale Kunden. Er wird von Bransch vertreten.

Wie und wann bist Du das erste Mal mit Fotografie in Berührung gekommen und was zeigt Dein erstes Foto, welches Du bewusst aufgenommen hast?
Mein erster Kontakt war wohl in unserem Badezimmer, wo meine Mutter ein kleines Fotolabor aufgebaut hatte und im Rotlicht ihre Schwarz-Weiß-Abzüge machte. Ich fand es klasse mich unten am Boden, im halbdunklen Rotlicht, verkriechen zu können und das „Chemiegepansche“ zu beobachten und zu sehen, wie von Geisterhand die Bilder auf Papier gezaubert wurden. Später habe ich dann eine Agfa Optima 2 bekommen, mit welcher ich als 8-jähriger im Sommerurlaub in Rom und südlich von Neapel, hauptsächlich aus dem Auto heraus, Fiat 500er und römische Tempel fotografiert habe. Die Bilder habe ich dann später irgendwann wiederentdeckt und schon eine Art „Connection“ zu ihnen gefunden, welche mir bis dahin selbst nie bewusst war.
Mein erstes, bewusstes Foto habe ich als 17-jähriger am Strand, wieder südlich von Neapel, von meiner damaligen Freundin und Menschen am Strand gemacht. Der Campingplatzbesitzer Don Alfonso war für mich immer 84 und kam ab und zu mittags zum baden und das war dann immer ein großartiger Auftritt.

Was hat Dich dazu bewogen Fotograf zu werden und was machte (und macht) die Tätigkeit für Dich so interessant?
Ich wollte erst Architekt werden, sollte dann aber 6 Wochen tagtäglich ab 6 Uhr morgens Buchstaben zeichnen. Das war für mich nach zwei Tagen nur noch unvorstellbar und so habe ich begonnen Menschen zu fotografieren, was mir Spaß gemacht hat, weil es ein Ausweg oder ein Weg zu den Menschen war, mit ihnen zu sprechen und etwas Unerwartetes mit ihnen zu erleben. Das ist heute unverändert und eine tiefe Genugtuung, mit Menschen auf diese Weise arbeiten zu können. Fotografie war auch irgendwie politisch und hatte für mich schon immer in gewisser Weise etwas Anarchisches und Wildes.



Hast Du eine klassische Fotografen-Ausbildung und evtl. Assistenzen bei anderen Fotografen gemacht bzw. wie sah Dein Start in den Beruf aus?
Ich habe mein Fotografiestudium nach einem Jahr eigentlich als Vakuum empfunden und hatte das Glück für das Stadtmagazin, fast während des gesamten Studiums, fotografieren zu dürfen. Kleine Reportagen und auch mal den einen oder anderen Titel. Das hat total Spaß gemacht, mir das Studium finanziert und mich viele Bilder, von mir vorher unbekannten Menschen, machen lassen. Nicht die große Welt, aber eben meine Welt damals und die hat sich sehr gut angefühlt.

Deine Schwerpunkte liegen heute in den Bereichen People und Lifestyle. Weshalb? Was reizt Dich immer wieder daran?
Die Liebe zu den Menschen vor meiner Kamera. Einfach, aber wahr!

Wie würdest Du Deinen fotografischen Stil in wenigen Worten beschreiben?
Ich versuche freie, symbolisch starke Bilder zu machen, in welchen die Menschen wirklich etwas miteinander zu tun haben und die Interaktion nichts Seltsames hat.

Auf welche Deiner Arbeiten bist Du persönlich besonders stolz? Oder vielleicht einfacher gefragt: Welche Deiner Bilder schaust Du Dir selbst immer wieder gerne an?
Meine freien Peoplestrecken, weil sie Türen geöffnet haben und ich spannende Projekte machen durfte. Aber auch die Reportagestrecken von ganz einfachen, uninszenierten Geschichten und den Menschen darin.




Wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keinerlei Rolle spielen würden:
Wie würde Dein absolutes Traumprojekt aussehen?

Geld und Zeit spielen nie eine Rolle. You can always make the shot! Gehe raus und mache es, solange Du etwas Gutes oder eben auch Seltsames dabei empfindest. Solange Du etwas empfindest, ist jedenfalls alles gut.

Gibt es einige Fotografen-Kollegen, speziell aus Deutschland, deren Arbeiten Du sehr schätzt?
Stefan Bogens „Curves-Projekt“ finde ich sehr schön! Paul Ripke und die Nationalmannschaft – Respekt, Paul ist ein Selbstdarstellungsgenie. Steven Meisel natürlich, aber der ist ja eher global zu sehen.

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Wenn man die Emotion entdecken kann und sie etwas in einem auslöst. Allerdings ist das ein sehr persönlicher Prozess, sehr geschmäcklerisch und in der Wahrnehmung auch oft mit dem Zeitgeist verbunden. Für mich persönlich ist zeitlos dem Zeitgeist vorzuziehen.

Was inspiriert Dich?
Eigentlich alle Sportarten, Licht und Wetterwechsel, Kinder, meine Frau, Rotwein, spontane Situationen, mein Bruder und meine Mutter.




Welche Kamera(s) nutzt Du?
Phase One, iPhone, Nikon, Leica und hoffentlich bald eine Red.

Viele Fotografen beschäftigen sich mehr und mehr auch mit dem Thema „Film“. Inwieweit ist dies auch für Dich interessant?
Seit ich nach Berlin gekommen bin, habe ich immer gefilmt und Musikvideos und anderen Quatsch gedreht. Seit einiger Zeit ist es normal, parallel zum Stillshooting mitzudrehen. Man bewegt sich halt auf beiden Ebenen.

Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich und gibt es aktuell neue Projekte, von denen Du uns berichten kannst?
Freie Arbeiten sind existentiell, um sich weiterzuentwickeln und zu neuen Ufern vorzudringen. Demnächst werde ich 14 Tage am Stück, in Los Angeles und Deutschland, ausschließlich freie Bilder machen.

Kannst Du uns drei Webseiten nennen, die Du regelmäßig besuchst?
Medienkicker.org, weil wir gerade mit unserer Mannschaft Tabellenführer sind und hoffentlich die Meisterschaft gewinnen, aber es sind noch einige Spiele … Ansonsten www.wetteronline.de und NBA.com! Auch wenn ich es selbst leider nie geschafft habe, höher als in der Oberliga zu spielen.

Du hast bereits einiges von der Welt gesehen. Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen und weshalb?
In Berlin! Ein schöner Ort zum Leben und Aufwachen. Aber eigentlich hat jeder Ort auf der Welt etwas eigenes, spannendes – solange man eben auch mal hinkommt und da spielt der Faktor Zeit natürlich ein große Rolle. Korsika wäre noch eine Idee wert.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.magnus-winter.de
   www.bransch.net
   zum Onlineprofil
 

kommentieren