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Interview: Im Gespräch mit RONIN

Unsere Interviewreihe geht in die nächste Runde. Vor einigen Wochen haben wir den Fotografen RONIN in Berlin getroffen und ihm einige Fragen gestellt. Das gesamte Gespräch gibt es nun hier zu lesen.

»RONIN«, geboren 1967 in Braunschweig, aufgewachsen in Liedingen und in München. Seit 33 Jahren Fotograf aus Leidenschaft, davon 22 Jahre in den Bereichen Celebrities, People, Portrait, Fashion, Reportage und Advertising.

Wie und wann bist Du das erste Mal mit Fotografie in Berührung gekommen und was zeigt Dein erstes Foto, welches Du bewusst aufgenommen hast?
Meine erste Kamera bekam ich mit 13 Jahren von meinem Vater zu Weihnachten geschenkt – eine Pentax ME Super + Winder, 50mm & 85mm Linse und dazu noch einen Belichtungsmesser. Ich habe mich damals riesig gefreut, bis dahin bestand mein Leben aus Tennis und Eishockey, nun kam die Fotografie dazu. Mein Vater hat mir dann die Kamera erklärt und das erste Bild, an das ich mich erinnern kann, war dann das Neujahrsskispringen in Garmisch. Dort fotografierte ich einen Skispringer, der während der Landung stürzte, den Hang hinunter rutschte und sich dabei überschlug.

Hast Du eine Fotografen-Ausbildung und Assistenzen gemacht bzw. wie sah Dein Start in den Beruf genau aus?
Da ich während meiner Jugend so viel fotografierte, wusste ich schon eine Menge über Fotografie. Mein Vater hatte ja auch eine Dunkelkammer, da er nach seiner aktiven Sportkarriere 2 Jahre als Sportfotograf arbeitete, dort lernte ich dann früh printen. Ich assistierte allerdings auch eine Weile bei Jens Grundmann in Barcelona und arbeitete ein paar Mal für Helmut Newton. Aber ich habe da nicht wirklich viel gelernt, allerdings bemerkte ich recht schnell, dass alle nur mit Wasser kochen und die Bildsprache stark mit der Komposition des Settings zusammenhängt. Ich bin einfach der geborene Autodidakt, dazu habe ich mich in den Anfängen viele Jahre sehr intensiv mit Licht beschäftigt und das ist auch heute noch immens wichtig für mich.



Du hast viele Jahre weltweit für Werbeagenturen und Verlage gearbeitet und fotografierst seit längerer Zeit fast nur noch Fine Art. Warum hast Du der Auftragsfotografie weitestgehend den Rücken gekehrt?
Nun ja, das ist so ein Thema über das ich selber ab und zu noch nachdenke! Ich denke, dass ich einfach mehr Ruhe habe, wenn ich alleine arbeite. Sicher würde mich der eine oder andere Job noch reizen, aber meine Projekte brauchen viel Zeit und ich brauche die Muße um gestalten zu können, ich darf mich nicht zu sehr ablenken lassen und muss fokussiert sein. Zu viel Arbeit, so wie früher, über-
fordert mich des Öfteren, also mache ich heute ein Projekt nach dem anderen – alleine und mit innerer Ruhe. Jeder muss seinen eigenen Takt bestimmen, um nicht aus dem Takt zu kommen. Aber mein Motto war immer »in Bewegung bleiben« und ich gehe immer noch ein hohes Tempo.

Kannst Du uns ein wenig über aktuelle Projekte erzählen?
Momentan arbeite ich an meiner zweiten Ausstellungsserie und dem Buchprojekt »The Mask US&A«. Dann drehe ich noch an einer Dokumentation über den Produzenten und DJ Jerome Isma-Ae, die circa ein Jahr dauert und mich auf verschiedene Kontinente führt.

Wie würdest Du Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Ich verbinde alle möglichen Arten von Fotografie in meinen Bildern. Zum Beispiel verbinde ich People- und Werbefotografie, dazu mixe ich es mit Landscape- und Architekturfotografie. Auch Elemente aus der Mode- und Beautyfotografie baue ich oft mit ein, dazu Portrait- und Reportagefotografie – alles immer sehr grafisch. Dann noch eine Portion Humor, Ironie, mitunter poppig, politisch, sozialkritisch, kitschig. Wichtig ist mir zudem, dass ich immer Menschen in meine Bilder mit einbaue, die aber anonym bleiben. Es macht mir viel Spaß darüber nachzu-
denken, wie ich dahin komme, dass der Mensch in meinen Bildern eben anonym bleibt. Dann ist mir auch wichtig, dass man nicht jedes Bild auf den ersten Blick sofort erkennt, somit zwinge ich den Betrachter dazu, sich eben länger mit einem Bild zu beschäftigen, und wenn ich dann sehe, dass es zu einem Wow-Effekt kommt, bin ich sehr zufrieden.





Auf welche Arbeiten bist Du persönlich besonders stolz? Oder vielleicht etwas einfacher gefragt: Welche Deiner Arbeiten schaust Du Dir selbst immer wieder gerne an?
Oh, da gibt es eine ganze Menge. Ich bin immer glücklich gewesen mit meinen Arbeiten, aber besonders gefallen mir Arbeiten, die meinem Zeitgeist entsprechen und in denen sich Mensch und Natur in einer Art Symbiose befinden. Bilder die einen eigenen Look haben, in einem Stil der einzigartig ist. Ich glaube, dass die Bilder, in die ich die meiste körperliche Arbeit investiert habe, schon einen eigenen Wert für mich darstellen.

Welche Person oder auch welcher Ort, die bzw. den Du fotografiert hast, hat Dich nachhaltig am stärksten beeindruckt? Und: Gibt es jemanden, den Du liebend gerne mal vor der Kamera hättest?
Da gibt es eine Menge Länder, Nationalparks wie z. B. White Sands, Monument Valley, Mono Lake, Whitsundays, Grönland, Island, Norwegen. Ich baue halt gerne Schnee oder weißen Sand in meine Bilder ein. Da ich nur mit natürlichen Auf-
hellern arbeite, hilft ein weißer Boden, der das natürliche Sonnenlicht reflektiert. Und ich hätte gerne mal Jerry Lewis vor der Kamera gehabt!

Gibt es Fotografen-Kollegen, speziell aus Deutschland, deren Arbeiten Du sehr schätzst?
Ich war immer mit meinem eigenen Ding beschäftigt, aber früher mochte ich die Arbeiten von Daniel Josefsohn. Wir haben beide eine Menge Medaillen beim ADC abgeräumt – klasse Zeiten. Er hat für das »Jetzt Magazin« fotografiert und ich für das »SZ Magazin«, so habe ich sein Zeug dann des Öfteren gesehen, ansonsten war ich als junger Fotograf ein Fan von Bruce Weber.



Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Perfektion in allem! Ausgewogenheit und Harmonie, ein perfektes Bild und das jeder das so sieht, ein Bild das glücklich macht, nicht nur für den Moment, sondern ein Leben lang.

Wovon lässt Du Dich inspirieren?
Von meinem Irrsinn, haha, aber ich … Im Ernst, Inspiration finde ich überall! Ich bediene mich vor allem aus meinem Inneren, dazu spielen bei mir geschichtliche und geographische Hintergründe oft eine große Rolle, wie z. B. bei dem Bild »The Rock«. Da folgte ich der Straße der Romantik und landete an der Teufelsmauer, dort malten einst Dürer und Caspar David Friedrich und dann inszeniere ich dort eben mein Bild. Oder ich war jüngst in den Marmorsteinbrüchen, in der Gegend von Cararra und Pietrasanta, inspiriert von einem Buch über Michelangelo, also fahre ich dann dort hin und inszeniere meine Bilder dort … Ansonsten suche ich viel im Netz und auch von TV Dokumentationen lasse ich mich inspirieren und natürlich von guten Büchern.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.roninfineart.com
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