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Interview: Im Gespräch mit Elizaveta Porodina

Im Rahmen der vor wenigen Wochen veröffentlichten 7. Ausgabe unseres Jahrbuches baten wir die Fotografin Elizaveta Porodina zum Interview. Das Gespräch zeigen wir euch nun auch hier im Blog. Viel Spaß damit!

Elizaveta ist 27 Jahre alt und Mode- und Kunstfotografin. Ursprünglich kommt sie aus Moskau, lebt aktuell aber in München und arbeitet international.

Wie und wann bist Du das erste Mal mit Fotografie in Berührung gekommen und was zeigt Dein erstes Foto, welches Du bewusst aufgenommen hast?
Das erste Mal habe ich 2009 fotografiert. Ich war auf der Suche nach einer neuen Leidenschaft – das Illustrieren machte mir schon seit langem keinen großen Spaß mehr – und als mir ein guter Freund für ein paar Fotos, die ich von gemeinsamen Freunden geschossen habe, ein Kompliment aussprach und mich dazu ermutigte, einen Auftrag einer Jungdesignerin für ihr Lookbook anzunehmen, fing eine unerwartete Reise in die Welt der Fotografie an. Dies waren auch meine ersten, ganz bewusst aufgenommenen Bilder – sie zeigen einen düsteren, schwarz-weiß gehaltenen Raum und sehr pur, geometrisch gestaltete Kompositionen aus überwiegend weißen, graphisch geschnittenen Kleidungsstücken auf dunklen Hintergründen.

Was hat Dich dazu bewogen Fotografin zu werden und was machte (und macht) die Tätigkeit für Dich so interessant?
Ich bin im Moment sehr gerne Fotografin – ich sehe mich aber im Allgemeinen mehr als visuelle Künstlerin im weiteren Sinne. Ich bin im fotografischen Bereich tätig, aber zeichne und illustriere auch sehr viel und gerne, vor allem im Rahmen des Vorbereitungsprozesses für meine kommerziellen Shootings und freien Projekte und ich schreibe Songtexte für ein Musikprojekt. Meine Leidenschaft, Bilder zu erschaffen, Welten zu kreieren, anderen Menschen die Tür zu anderen Dimensionen einen Spalt breit zu öffnen, mich selbst dazu zu bringen, meine Grenzen zu überschreiten und über den Tellerrand und meine eigenen Schranken hinaus sehen zu können, das alles macht für mich den Reiz einer kreativen Tätigkeit aus. Es war jedoch keine bewusste Entscheidung Fotografin zu werden, vielmehr bin ich in den Beruf reingewachsen, habe am Anfang schon sehr viele Menschen (wie z. B. den Hair and Make-up Artist Heiko Palach, mit dem ich viele meiner Strecken zusammen entwickle und produziere) aus der Branche kennen-
gelernt, die meinen Stil mochten und mich aktiv unterstützten weiterzukommen und neue Ebenen zu erreichen. Denen gilt meine ewige Dankbarkeit.



Hast Du eine klassische Fotografen-Ausbildung und evtl. Assistenzen bei anderen Fotografen gemacht oder wie sah Dein Start in den Beruf aus?
Ich habe keine klassische Ausbildung als Fotografin. Nach meinem Abitur habe ich Psychologie mit Schwerpunkten Klinische Psychologie und Tiefenpsychologie studiert und das Studium abgeschlossen. Anschließend habe ich fast zwei Jahre lang, im Rahmen einer Ausbildung zur psychologischen Psychotherapeutin, in einer Psychiatrie in München gearbeitet, währenddessen habe ich freie Projekte foto-grafiert und an Fotowettbewerben teilgenommen. Anfang 2012 kamen dann die ersten kommerziellen Aufträge, die schnell mehr wurden, so dass ich irgendwann beschloss, meine Tätigkeit im Krankenhaus zugunsten der Fotografie einzustellen.

Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Mein Stil lässt sich am ehesten als experimentell beschreiben. Ich lege mir selbst bei der Erstellung der Konzepte sowie im fotografischen Prozess keine Grenzen oder Regelungen auf, versuche stets, in mir unbekannte Bereiche vorzustoßen und aus der Komfortzone auszutreten. Ich würde aber sagen, dass ich zu dramatischem Ausdruck und an Theater und Film erinnerndem Licht neige.

Deine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Fashion und Art. Weshalb?
Wo liegt da für Dich der Reiz?

Ich liebe es, mit der Geometrie in der Bildkomposition zu spielen, es aber mit menschlichem Ausdruck, einer Emotion, einem kleinen Drama, einem Bruch in der Perfektion zu paaren. Dafür bietet sich Modefotografie geradezu an. Sie ist der richtige Rahmen für aufregende Kollaborationen mit experimentierfreudigen Kostümbildnern und Designern, talentierten jungen Menschen vor und hinter der Kamera.




Spielt der Zufall bei Deinen Arbeiten eigentlich auch eine Rolle oder ist immer alles akribisch bis ins letzte Detail geplant?
Ich bereite mich vor einem Shooting stets sehr genau und penibel vor. Es gibt Moodboards, sehr viele Sketches, Posing-Ideen werden an Outfitauswahl angepasst, Licht und Stimmung werden im Voraus festgelegt. Das ist mein „Drehbuch“, das ich dem Model und anderen Beteiligten meist vorstelle. Ich bin aber absolut nicht der Meinung, dass man sich um jeden Preis an ein Drehbuch halten muss. Es KANN, aber es muss nicht funktionieren. Ein Shooting birgt unvorhersehbare Momente und Situationen, es ist eine Zusammenkunft von einer Myriade verschiedener, u. a. menschlicher Faktoren, die sich nicht kontrollieren lassen. Es kann passieren, dass ich für ein Thema weiches, flacheres Licht vorhergesehen habe – wenn es aber dem Model nicht steht, werde ich keine Sekunde zögern und es augenblicklich ändern. Das gleiche Schicksal kann die anderen oben genannten Faktoren ereilen – wenn das Model ein Bewegungs-Naturtalent ist, werde ich mich sicherlich mehr mit Posenideen zurückhalten, als bei einem blutjungen NewFace etc.

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?
Eine Zusammenkunft von verschiedensten Faktoren, die beim Gelingen mehr als die Summe ihrer Teile ergeben – eine Synergie aus Komposition, Licht und Schatten, Emotion und Tonung. Ein magischer, eingefangener Moment.

Wovon lässt Du Dich inspirieren?
Von Reisen, elektronischer Musik, Filmen, Serien, Eleganz der Katzen, Gesprächen mit Künstlern aus anderen Bereichen, dem Meer.



Welche Kamera(s) nutzst Du?
Am meisten nutze ich die NIKON D800, mit 85 1.8, 50 1.4 und 35 1.4 Linsen.
Bei Werbeprojekten und anderen kommerziellen Aufnahmen sowie bei groß angelegten freien Projekten nutze ich die PHASE ONE 645DF+ mit dem IQ 250 Digitalrückteil.

Nenne uns bitte drei Webseiten, die Du regelmäßig besuchst.
www.models.com, www.rottentomatoes.com, www.thefashionspot.com

Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen und weshalb?
Hong Kong! Ich war vor kurzem beruflich dort und hätte gerne ein paar weitere Tage dort verbracht, um diese dynamische, magische, wundervolle, aufregende Stadt mehr zu erkunden.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.porodina.net
   www.facebook.com/porodina
   www.sonja-heintschel.com
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