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Interview: Im Gespräch mit Thomas von Salomon

Für die sechste BLICKFANG-Ausgabe (2013/2014) trafen wir uns mit Thomas von Salomon zum Interview. Das Gespräch zeigen wir euch nun auch an dieser Stelle. Viel Spaß beim lesen!

Thomas wurde in Düsseldorf geboren und lebte einige Zeit in NRW, bevor es ihn nach München zog, wo er 20 Jahre lebte. Seit Herbst 2012 ist seine Basis nun in Offenbach. Zu seinen Kunden zählen u. a. Namen wie Audi, BMW, Renault, Viking oder Sattler Uhren.

Thomas, wie bist Du zur Fotografie gekommen?
Als Gymnasiast bin ich mit einem guten Freund durch England, Schottland und Wales gereist. Mit einer uralten Praktika. Wir haben sehr viele Bilder gemacht, hauptsächlich Landschaften. Danach war klar: Das ist mein Ding! Ich will nichts anderes. Also: runter von der Schule, Lehre als Fotograf. Danach wollte ich eigentlich studieren, aber nach einigen „Probetagen“ wollte ich es mir lieber selbst beibringen. Also: Assistent bei verschiedenen Stilllifern in Düsseldorf (u.a. Graham G. West und Andreas Lange).
Und dann: Nase voll, keine Lust mehr auf das „Gehabe“ in der Szene. Darum machte ich einige Jahre Pause, kochte im Restaurant, gab Massagen, arbeitete als Taxifahrer und betreute Messen. Dann kam ein Anruf von einem Freund aus München: Du hast doch immer so gut fotografiert … Wir brauchen da dringend jemanden! Also habe ich mir wieder eine Kamera gekauft und den Job gemacht. Eine Woche später kam die nächste Anfrage. So ging es wieder los … Das ist jetzt 20 Jahre her.

Deine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Transportation, Stills und Landscape. Gibt es dafür spezielle Gründe?
Die Landscape-Fotografie finde ich sehr spannend, leider habe ich aber viel zu wenig Zeit dafür. Im Bereich Stills habe ich meine Ausbildung gemacht, ich liebe es einfach Dinge zu inszenieren. Was mich aber am meisten interessiert ist der Bereich Transportation. Hier gibt es immer wieder neue, interessante Aufgabenstellungen, bei denen man gefordert ist verschiedene Bereiche und Techniken wie Foto, CGI, People etc. zu kombinieren.



Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Habe ich einen? Brauche ich überhaupt einen Stil? Ich sehe mich als Dienstleister und als Bildermacher, nicht so sehr als Fotograf.
Der Stil ist doch davon abhängig, was ich ausdrücken möchte, also wie das Bild aussehen soll und das ändert sich immer wieder. Einen bestimmten Stil zu haben würde, meiner Ansicht nach, die kreativen Möglichkeiten zu stark einschränken. Langweilig und immer dasselbe! Ich bin neugierig und will mich weiterentwickeln.

Was zeichnet denn Deiner Meinung nach ein herausragendes Foto aus?
Wenn es mich berührt. Wenn es etwas Ungewohntes zeigt. Oder aus einer anderen Perspektive. Und wenn es handwerklich gut gemacht ist.

Spielt der Zufall bei Deinen Arbeiten auch eine Rolle oder ist immer alles akribisch bis ins letzte Detail geplant?
Ein Beispiel: Vor einigen Jahren machten wir mit Jung von Matt ein Shooting für BMW in Spanien. Briefing fertig erfüllt, alles gut soweit – nur ich fand das Bild langweilig! Ein Cabrio an der Küste (gefühlte zwanzigtausendmal gesehen) …
Nach dem Shoot ging ich einen Kilometer weiter und da war diese „magische“ Stelle mit Bäumen, offen und dennoch geschützt, wunderschöne Licht- und Schattenspiele durch die Blätter. Wir haben das Fahrzeug und Rig daraufhin den Kilometer weitergeschoben und einfach noch ein Foto gemacht. Das wurde dann die Anzeige und nicht das gebriefte Motiv.

Ein weiteres Beispiel: Bei der Serie „Rennwagen von oben“ kam mir der Gedanke, wie es denn wäre, wenn wir die Wagen alle auch von unten zeigen würden? Unsere Freunde bei Opel hielten dies erst für einen Witz, aber Wolfgang Scholz von der Opel Classic schaute mich an und sagte: „Ich sehe schon, Du meinst das ernst, oder?!“ Naja, dann haben die Jungs mal eben schnell einen 15 Tonnen-Portalkran organisiert. Danke noch mal an dieser Stelle, super Job!
Es ist wirklich eine große Freude mit Menschen zusammen zu arbeiten, die jeden Scheiß mitmachen und einen einfach machen lassen, da sie einen kennen. Das passiert mittlerweile leider sehr, sehr selten in der Werbung. Es sind viel zu viele Bedenkenträger unterwegs und zu wenige, die eine Vorstellung davon haben, wie geil ein Bild, eine Anzeige oder eine Serie aussehen kann.


Wie bereitest Du Dich auf ein Shooting vor?
Locationcheck, Briefing, PPM, Einpacken (und dabei hoffen, nichts vergessen zu haben) und dann los. Den Rest sieht man dann schon. Vor einigen Jahren war es noch so: Am Anfang war ich, als ich gut drauf war, gut. Wenn es nicht so geklappt hat, war ich schlecht. Mittlerweile hilft die Erfahrung einem natürlich weiter. Wenn man gut dabei ist, ist man vielleicht nur 5% besser. Der große Unterschied liegt aber darin, dass man, wenn man schlecht ist, immer noch ziemlich gut ist!

Was inspiriert Dich?
Filme, Bücher, Gespräche, Kunst, Licht, die Inspiration an sich – wobei ich nicht weiß, was das eigentlich ist. Plötzlich ist es einfach da. Man kann nur aus dem Weg gehen oder es passieren lassen.

Inwieweit ist das Thema „Bewegtbild“ für Dich interessant?
Ich habe vor einiger Zeit eine Strecke für „ramp“ (Ausgabe „ramp“ Design / VÖ: Mitte September 2013) gemacht. Die Strecke war eigentlich als „Film“ konzipiert. Totale, Close-up, Schnitt, Gegenschnitt … sehr filmisch, aber eher Standbilder aus einem Movie. Bewegtbild an sich ist mir zu kompliziert. Da muss man an zu viele Dinge denken. Mir reicht „Still“.


Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich und gibt es aktuell Projekte, von denen Du uns berichten kannst?
Freie Arbeiten sind das Wichtigste. Man probiert sich aus, geht neue Wege – das bringt einen weiter. Ich mache ständig etwas Neues, Anderes. Zum Beispiel auf meiner 1. Doppelseite im BLICKFANG 2013/2014-Buch (Seite 616) ist eine freie Arbeit zu sehen, die in Zusammenarbeit mit dem Postproducer Andreas Neuerer von Delta E in München entstanden ist. Wir haben hier versucht, Geschwindigkeit anders aussehen zu lassen. Das Auto ist CGI, Locations kombiniert aus Buenos Aires, Frankfurt und Shenzen, die Hintergründe geshuttert.
Oder: Die Opel-Serie, die letztes Jahr in meiner Galerie F8 in Frankfurt ausgestellt wurde. Oder der BMW I Auftrag. Das Briefing war damals: „Mach mal was!“ – wie wunderbar! Also Leute: Macht freie Strecken!

Im Laufe der Zeit hast Du zahlreiche Projekte und Jobs fotografiert. Gibt es Arbeiten, auf die Du besonders stolz bist oder mit denen Du ganz besondere Erinnerungen verbindest? Falls ja, welche und weshalb?
Immer die aktuellen Arbeiten. Wenn man sich alte Arbeiten ansieht, sieht man eigentlich immer nur die Fehler und das, was man hätte besser machen können.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
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1 Kommentar

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  1. Roland Milde

    … alles nur getürkt = Photoshop o.ä.
    … Autos muss man halt fotografiern können
    … und das können einige ( sehr gut )
    … wichtig dabei ist lediglich die Größe des Studios und das Equipment

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