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Interview: Im Gespräch mit Tom Nagy

Es ist wieder Zeit für ein Interview! Diesmal haben wir uns mit dem Fotografen Tom Nagy in Hamburg getroffen und ihm einige Fragen gestellt. Das Interview fand letztes Jahr im Rahmen der aktuellen BLICKFANG 2013/2014-Ausgabe statt und gibt es nun auch hier online zu lesen.

Tom Nagy ist in der Nähe von Frankfurt am Main geboren und fotografiert seit nun mehr 18 Jahren Anzeigenkampagnen für globale Unternehmen. Für seine freien und kommerziellen Projekte hat er zahlreiche Preise gewonnen – ADC, PDN, AOP, Comm Arts, PX3, Graphis und viele weitere. Er ist Mitglied im ADC New York, im AOP in London und im BFF in Deutschland. Tom hat eine 14-jährige Tochter und lebt in Hamburg.

Tom, wie bist Du zur Fotografie gekommen?
Als ich 15 Jahre alt war, hat mein Vater mir seine Minolta-Ausrüstung geschenkt, seitdem beschäftige ich mich tagtäglich mit Fotografie und es gibt noch immer viel zu entdecken!

Deine Schwerpunkte sind breit gefächert. Landscape, People, Transportation und CGI. Weshalb?
Meine Schwerpunkte haben sich über die Jahre immer mal wieder etwas verlagert. Grundsätzlich zieht mich die Landschaftsfotografie sehr an. Aber ich habe dann plötzlich auch wieder Lust ein People-Projekt zu machen.



Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Meine Bilder leben eindeutig von einer gewissen Größe und Weite. Und ich war schon immer fasziniert von epischen Orten, Städten, Landschaften und Menschengruppen.

Was zeichnet denn Deiner Meinung nach ein herausragendes Foto aus?
Es hebt sich von der Masse ab, hat eine konzeptionelle Idee oder es ist einfach nur auf eine eigenständige Art und Weise faszinierend oder schön.

Spielt der Zufall bei Deinen Arbeiten auch eine Rolle oder ist immer alles akribisch bis ins letzte Detail geplant?
Bei meinen Auftragsarbeiten ist immer alles sehr akribisch geplant. Bei meinen freien Projekten hingegen spielt der Zufall eine größere Rolle, da die Bilder meist spontan auf Reisen entstehen.


Wie bereitest Du Dich auf ein Shooting vor?
Die große Frage ist immer: Wo und wie kann ich ein angefragtes Projekt perfekt realisieren? Ich denke dann über mögliche Locations nach und mit welchen Zuarbeitern ich dort zusammenarbeiten könnte. Danach hat es den üblichen Ablauf. Treatment, Projekt gewinnen, dann das Zusammenstellen der Crew und unendlich viele E-Mails und Conference Calls, bis endlich alle Zutaten beisammen sind. Wenn ich dann im Flugzeug sitze, ist alles ideal vorbereitet.

Was inspiriert Dich?
Das wahre Leben, Kunst und Filme inspirieren mich am meisten. Es gibt für mich nichts spannenderes, als an einen neuen Ort zu kommen und Dinge zu entdecken, die mein Interesse wecken und die ich daraufhin fotografieren möchte. Oder in einer fantastischen Ausstellung sein, ich liebe Museen. Diese Großzügigkeit, gepaart mit Ruhe und interessanter Architektur – und dann in dieser Atmosphäre spannende Bilder sehen, das ist wahrer Luxus für mich.

Inwieweit ist das Thema „Bewegtbild“ für Dich interessant?
Ich finde Film spannend und habe im letzten Jahr das erste Mal Regie geführt.
Das Internet verlangt einfach nach bewegten Bildern und das bedeutet, dass wir Fotografen uns dieser Herausforderung stellen müssen. Es ist aber auch ein Terrain, vor dem ich sehr viel Respekt habe.

Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich und gibt es aktuell Projekte, von denen Du uns berichten kannst?
Freie Arbeiten sind mir persönlich sehr wichtig und ich habe eigentlich ständig freie Bildstrecken in der Nachbearbeitung. Aktuell beschäftige ich mit einem größeren freien Projekt, von dem ich hier natürlich noch nicht viel verrate, es involviert CGI-Elemente und findet an unterschiedlichen Orten statt. Das Projekt wird wohl erst nächstes Jahr fertig werden und ist als Ausstellungsprojekt geplant.
Bis Mitte Januar lief zudem gerade eine Einzelausstellung in Hamburg, in der ich verschiedene Arbeiten der vergangenen Jahre gezeigt habe.



Im Laufe der Zeit hast Du zahlreiche Projekte und Jobs fotografiert. Gibt es Arbeiten, auf die Du besonders stolz bist oder mit denen Du ganz besondere Erinnerungen verbindest? Falls ja, welche und weshalb?
Alle großen Kampagnen, die ich fotografiert habe sind tolle Erinnerungen und waren meist auch gleichzeitig Abenteuer. Im Sommer letzten Jahres haben wir z.B. die 30. Anzeige für SWISS fotografiert. Eine tolle Bilderwelt und mit den großen Flugzeugen zu arbeiten, fühlt sich ein wenig an, wie Gott zu spielen.

Die Landschaftskampagne für XL Capital war ein anderes Highlight. Der Kunde liebt Fotografie und hat uns alle erdenklichen Freiheiten gelassen und gleichzeitig keine Kosten gescheut, auch verrücktere Wünsche möglich zu machen. Wir haben über 6 Jahre hinweg immer wieder Motive fotografiert, die oft mit faszinierenden Reisen verbunden waren.

Stolz bin ich auf die Bilder, die andere Menschen berühren und sie diese an ihre Wände hängen möchten. Manche von diesen Bildern waren Auftragsarbeiten. Die schönsten Projekte sind für mich die, die mir die Möglichkeit geben Bilder zu produzieren, die eigentlich gar nicht mehr nach Auftragsfotografie aussehen.

Gibt es aktuell Fotografen-Kollegen, speziell aus Deutschland, deren Arbeiten Du für herausragend, innovativ oder einfach für besonders gelungen hältst?
Es gibt viele Fotografen deren Arbeiten ich sehr mag. Die meisten kommen aber aus der Kunstfotografie. Zum Beispiel Marc Lüders, Andreas Gursky oder meinen Ex-Studiokollegen Giovanni Castell finde ich interessant. Junge Fotografen wie Paul Ripke sind spannend, er ist sehr leichtfüßig und der Meister des viralen Marketings. Ansonsten gibt es viele Fotografen im Ausland, die ich spannend finde, z.B. Julia Fullerton-Batten oder Nadav Kander.

Deine Basis ist in Hamburg. Was schätzt Du beruflich und privat an der Stadt?
Wenn man von dem Wetter absieht, ist Hamburg einfach sehr schön. Ich liebe die Atmosphäre, die Alster und die Elbe, den Kontrast zwischen Kiez und Eppendorf. Kulturell ist auch einiges los und der Flughafen ist schön nah an meinem Zuhause. Die Menschen sind recht offen und höflich. Beruflich gesehen wäre Berlin auf jeden Fall spannend und die Entwicklung der letzten zehn Jahre zur echten Weltstadt ist sehr anziehend. Kulturell hochspannend. Aber in Hamburg fühle ich mich einfach am wohlsten.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.tomnagy.com
   www.ohlsson.de
   zum Onlineprofil
 

1 Kommentar

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  1. Klasse Bilder!

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