uweditz_interview1

Interview: Im Gespräch mit Uwe Ditz

Für die aktuelle BLICKFANG 2013/2014-Ausgabe trafen wir uns in Stuttgart mit dem Fotografen Uwe Ditz zum Gespräch. Das Interview zeigen wir euch nun auch an dieser Stelle. Viel Spaß damit.

Uwe arbeitet seit 1990 als freier Fotograf. Einige seiner Werke sind in Sammlungen wie z. B. im Sony Museum in Tokio sowie der quontic bank in New York vertreten. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit kooperierte er mit Unternehmen wie Puma, Mercedes-Benz oder Time Warner (NYC). Seine Arbeiten waren u. a. in Titeln wie Elle, Frankfurter Rundschau Magazin oder der ZEIT zu sehen. Internationale Stars wie Cate Blanchett, Antonio Banderas oder Clint Eastwood standen bereits vor seiner Kamera.

Uwe, wie bist Du überhaupt zur Fotografie gekommen?
Mit 13 Jahren machte meine Schulklasse einen Ausflug zu einem Straßenfest. An einer Schießbude musste jeder mit einer Armbrust schießen. Ziel war es, auf einem gemalten Baum mit vielen roten Äpfeln, den einzigen goldenen Apfel zu treffen. Ich legte an (ich habe vorher noch nie eine Armbrust in der Hand gehalten) und traf den goldenen Apfel! Mit diesem goldenen Treffer bekam ich den Hauptpreis und das war eine kleine Polaroidkamera mit vier Packungen Film. Das war mein Einstieg in die Fotografie. Da das Filmmaterial für Polaroid schon damals sehr kostspielig war, schenkte mir meine Mutter ein paar Monate später eine richtige Kamera und so habe ich bereits mit 17 mein Hobby zum Beruf gemacht.



Deine Schwerpunkte liegen in den Bereichen People und Architektur. Gibt es dafür spezielle Gründe bzw. welchen Reiz üben diese Bereiche auf Dich aus?
Menschen, Gesichter und deren jeweilige Geschichte dahinter fand ich schon immer spannend. Mit dem Thema Identität beschäftige ich mich schon sehr lange, da liegt es Nahe, dass sich das in meiner Fotografie wiederspiegelt. Die Thematik ist so facettenreich und die persönliche Auseinandersetzung bereitet mir so viel Spaß, dass ich sehr froh darüber bin, das beruflich ausüben zu dürfen.
Die Architekturfotografie hingegen ist eine ganz andere Arbeitsweise, als bei der Portrait- und Peoplefotografie. Sie wirkt sehr beruhigend auf mich und ist somit ein toller Ausgleich. Ich liebe es ungewöhnliche Motive aus der Architektur herauszuarbeiten und damit zu überraschen.

Wie würdest Du selbst Deinen Stil beschreiben?
Um es konkret auszudrücken: Ich springe nicht auf jeden Zug auf, nur weil das gerade hip ist. Mir ist eine gewisse Eigenständigkeit sehr wichtig. Ich würde sagen, dass ich versuche zeitlos zu sein. Was die Sache nicht immer leicht macht. Ich erzähle gerne Geschichten mit meiner Fotografie, die aber keinem festen Schema folgen. Ich liebe es mit Witz oder skurrilen Momenten den Betrachter zu überraschen und zum Lachen zu bringen oder mit einer überwältigenden Ästhetik zu überzeugen.

Was zeichnet Deiner Meinung nach ein herausragendes Foto aus?
Wenn das Bild mich auf eine gewisse Art fesselt und mir das Gefühl gibt, in eine andere Welt eintauchen zu können. Vor allem sollte ein herausragendes Foto die Inspiration beflügeln und Appetit auf mehr machen! Dann wird es spannend.

Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich und gibt es aktuell Projekte, von denen Du uns berichten kannst?
Freie Arbeiten haben bei mir einen sehr hohen Stellenwert. Ich investiere viel Zeit und Energie in meine Projekte und bin dadurch immer wieder auf Ausstellungen vertreten. In letzter Zeit kann ich auch eine verstärkte Nachfrage meiner freien Arbeiten bei Sammlern verzeichnen, was mich sehr glücklich macht. Im Zuge dessen habe ich im September Fotografien in einer kleinen Werkschau präsentiert. Außerdem habe ich dort auch eine neue Serie von Bildern vorgestellt, an denen ich bereits seit zwei Jahren gearbeitet habe.



Was inspiriert Dich?
Mich inspirieren vor allem außergewöhnliche Fotografien, aber auch oft Dinge, die nicht unbedingt mit der Fotografie etwas zu tun haben. Manchmal sind es bestimmte Ereignisse aus dem Alltag, denen ich eher zufällig begegne und aus denen sich oft unbewusst neue Ideen entwickeln. Die Kunst ist jedoch für mich die größte Quelle der Inspiration.

Spielt der Zufall bei Deinen Arbeiten eine Rolle oder ist alles geplant?
Auf jeden Fall beides! Bei aller akribischer Planung ist es immer wichtig, offen zu bleiben und spontane Ideen aufzunehmen, wenn diese sinnvoll erscheinen. Jedoch darf man dabei das Ziel nie aus dem Auge verlieren.

Im Laufe der Zeit hast Du bereits etliche Projekte und Jobs fotografiert. Gibt es Arbeiten, auf die Du besonders stolz bist oder mit denen Du ganz besondere Erinnerungen verbindest? Falls ja, welche und weshalb?
Klar, da gibt es vieles. Ein Highlight davon war eine Kampagne für „Sony Headphones“ in Tokio, Japan. Begeistert hat mich hierbei vor allem mit welcher Professionalität die Jobs vorbereitet wurden. Ich musste wirklich auf nichts verzichten, was die Produktionsbedingungen anging. Um es auf den Punkt zu bringen: Ich konnte mich jederzeit einbringen und meine Wünsche wurden zu 300% erfüllt! Das sind natürlich die Jobs, die sich jeder wünscht.

Was macht für Dich die Arbeit als Fotograf aus? Was schätzst Du an Deiner Tätigkeit?
Ich schätze es, dass man in diesen Job viel reist und Einblicke in bestimmte Bereiche erhält, die man vorher kaum kannte – das ist natürlich spannend. Es passiert immer wieder etwas Neues. Dabei liegt es auch zum großen Teil an einem selbst, welche Türen man aufstößt und welchen Weg man beschreitet. Das kostet manchmal viel Arbeit und viel Zeit, jedoch werde ich fast immer dafür belohnt und bin deshalb sehr glücklich in diesem Bereich arbeiten zu können.


Gibt es aktuell Fotografen-Kollegen, speziell aus Deutschland, deren Arbeiten Du für herausragend, innovativ oder einfach für besonders gelungen hältst?
Da gibt es einige. Ich tue mich aber etwas schwer spezielle Namen hervorzuheben. Ich möchte jedem gerecht werden und niemanden unterschlagen. Vielleicht sollte die Frage eher lauten, welche Fotografen mich generell inspiriert haben, und das sollte ja nicht auf Deutschland beschränkt sein. Denn es sind überraschenderweise eher ausländische Fotografen die mich bisher inspiriert haben, wie z. B. Gregory Crewdson oder die alten Meister wie Irving Penn und Richard Avedon.

Deine Basis ist Stuttgart. Weshalb und was schätzt Du an der Stadt?
Stuttgart hat viel mehr Lebensqualität als das für einen Außenstehenden den Anschein hat. Man ist schnell im Grünen, aber auch das Stadtleben bietet viele Möglichkeiten und man kann eine Menge Spaß haben. Auch der kulturelle Bereich mit seinem dichten Netz an Galerien und Museen schafft viel Abwechslung. Zudem habe ich hier viele Freunde und bin sehr gut vernetzt.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.uwe-ditz.de
   www.agentgruen.de
   zum Onlineprofil
 

kommentieren