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Interview: Im Gespräch mit Gerhard Linnekogel

Im Rahmen der aktuellen BLICKFANG 2013/2014-Ausgabe trafen wir den Fotografen Gerhard Linnekogel zum Interview.

Gerhard Linnekogel liebt die Herausforderung ein Bild bis ins letzte Detail zu planen – ohne im Moment, wo er den Auslöser drückt, die Leichtigkeit des spontanen Augenblicks zu verlieren. Mit seinen inszenierten Schnappschüssen hat Gerhard eine Qualität erreicht, die ihn zu einem der renommiertesten Lifestyle-Fotografen in Deutschland gemacht hat. Er fotografiert heute internationale Kampagnen für z. B. McDonald’s, Vodafone, Samsung, Renault oder BMW.

Gerhard, wie bist Du überhaupt zur Fotografie gekommen?
Als ich 12 Jahre alt war, konnte man im Kino die Filme als Dias kaufen. 36 Farbdias erzählten die Geschichte des Films. Irgendwann wollte ich die Bilder nicht mehr nur kaufen, sondern selber machen. Als ich dann meine erste Kamera bekam, ging es los.



Deine Schwerpunkte liegen in den Bereichen People und Portrait. Gibt es dafür spezielle Gründe bzw. was macht diese Bereiche für Dich so reizvoll?
Ich liebe Menschen. Das Thema wird mir nie langweilig.

Wie würdest Du selbst Deinen Stil beschreiben?
Inszenierte Schnappschüsse.

Was zeichnet Deiner Meinung nach ein herausragendes Foto aus?
Gute Fotos berühren. Wo, das spürt jeder Betrachter für sich.

Spielt der Zufall bei Deinen Arbeiten überhaupt eine Rolle oder ist immer alles akribisch geplant?
Alles muss natürlich sorgfältig vorbereitet sein: Locations, Set, Modelle. Aber das Foto entsteht aus dem Moment heraus – dank aller beteiligten Menschen, die es geschehen lassen. In der Aufmerksamkeit des Momentes freue ich mich auf den Zu-Fall. Er ist das i-Tüpfelchen der Inszenierung.



Wie bereitest Du Dich auf ein Shooting vor?
Ich fühle mich in die Situation hinein, rede viel mit den Kreativen.

Was inspiriert Dich?
Menschen, Menschen, Menschen.

Inwieweit ist das Thema „Bewegtbild“ für Dich interessant?
Es reizt mich Gefühle auch in „bewegten Bildern“ zu zeigen. Wenn man Menschen zu Wort kommen lässt, gibt das eine neue Dimension. Deshalb habe ich in den letzten Jahren immer öfter auch Videos produziert.

Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich und gibt es aktuell Projekte, von denen Du uns berichten kannst?
Für mich gibt es keine unfreien Arbeiten. Ergänzend zu meinen Arbeiten im Lifestyle-Bereich, bei denen ich die Nähe zum Menschen suche, entsteht gerade ein Projekt, bei dem Fremdheit eine wichtige Rolle spielt.


Im Laufe der Zeit hast Du etliche Projekte und Jobs fotografiert. Gibt es Arbeiten, auf die Du besonders stolz bist oder mit denen Du ganz besondere Erinnerungen verbindest? Falls ja, welche und weshalb?
Es sind nicht nur die schönen Reisen oder spannenden Aufgaben, die mir am meisten in Erinnerung bleiben. Es sind die Menschen, die ich kennengelernt habe und mit denen ich Zeit verbringen darf, die ich am lebhaftesten erinnere.

Was macht für Dich die Arbeit als Fotograf aus? Was schätzst Du an Deiner Tätigkeit und auf welchen Part könntest Du auch gerne verzichten?
Situationen zu inszenieren, die dadurch real werden – das macht meine Arbeit aus. Für mich ist nichts spannender als das Jetzt. Dabei wäre ein bisschen weniger Administration ganz schön.

Gibt es aktuell Kollegen, speziell aus Deutschland, deren Arbeiten Du für herausragend, innovativ oder einfach für besonders gelungen halten?
Deutsche Fotografie hat in den letzten 15 Jahren einen großen Sprung nach vorne gemacht. Kollegen wie Kai-Uwe Gundlach brauchten nicht ins Ausland zu gehen um Beachtung zu finden, sie bekommen diese Anerkennung in Deutschland, weil sie der Welt tolle Bilder schenken.

Du arbeitest weltweit, Deine Basis ist in Hamburg. Weshalb und was schätzst Du an der Stadt sowohl beruflich als auch privat?
Hamburg bietet eine sehr hohe Lebensqualität. Wenn ich in Deutschland arbeite, ist hier die Infrastruktur für meinen Arbeitsbereich hervorragend. Mehr Power finde ich in New York und Bangkok, mehr Reduktion in der Wüste.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.linnekogel.de
   www.schierke.com
   zum Onlineprofil
 

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