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Interview: Im Gespräch mit Steffen Schrägle

Ab sofort werden wir in regelmäßigen Abständen Interviews mit Personen aus verschiedenen Bereichen der Fotografie präsentieren. Die Reihe startet mit einem interessanten Gespräch mit dem Fotografen Steffen Schrägle, welches wir im Rahmen der neuen BLICKFANG-Ausgabe führten.

Steffen begann seine Laufbahn als freier Fotografenassistent. Seit 1998 arbeitet er für namhafte Mode- und Automobilmagazine sowie für international bekannte Agenturen. Seine Fotos spiegeln seine vielfältigen Interessen wieder und sind von Klarheit und Tiefe geprägt. Schwerpunkte seiner Arbeit sind Landschaften, Architektur, Produkte, Portrait, Automobil sowie seit 2006 CGI-Motive.

Steffen, wie bist Du überhaupt zur Fotografie gekommen?
Mutti meinte, dass ich schon immer Fotograf werden wollte … Daran kann ich mich nur gar nicht mehr erinnern, wahrscheinlich sagen das alle Mütter. Als Kind habe ich schon mit einer Kodak Instamatic rumgeknipst. Ich weiß noch, dass ich immer total von den Sonnenuntergängen begeistert war. Auf Reisen habe ich dann angefangen mich richtig mit der Fotografie zu beschäftigen. Damals bin ich für 3 Jahre nach Irland und hab’ in einem Youth Hostel eine Minolta in die Hände bekommen, so hat alles angefangen.

Wo liegen Deine fotografischen Schwerpunkte und weshalb?
Die Fotografie an sich ist mein Schwerpunkt, denn ich stehe einfach sehr gerne hinter der Kamera. Hauptsächlich bin ich im Automobilebereich tätig, aber auch die Landschafts- und Architekturfotografie sind ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit sowie der Peoplebereich. Das Zusammenspiel zwischen Auto, Design und Style mit der Natur und Architektur ist für mich ein kleiner Zauber.

Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Frech und unerwartet!
Auf einem Shooting passieren immer Dinge, die vorher nicht zu erwarten sind, die einfach passieren und welche ich gerne in meinen Bildern einfange und einbaue. Auf dem Boden liegen, einen anderen Blickwinkel wählen oder einfach mit starkem Gegenlicht zu arbeiten sind nur kleine Beispiele.

Was zeichnet Deiner Meinung nach ein herausragendes Foto aus?
Gefühl.

Spielt der Zufall bei Deinen Arbeiten eine Rolle oder ist alles bis ins letzte Detail geplant?
Ich verbringe sehr viel Zeit damit, die Motive und den Arbeitsablauf zuvor zu planen. Denn genau das erlaubt mir, während dem Shooting, dem Zufall und Unvorhergesehenem Platz zu lassen – und das bringt Leben in die Bilder.


Wie bereitest Du Dich auf ein anstehendes Shooting vor?
Ich versuche zuerst so viele Infos wie möglich über das Produkt oder den Hintergrund des Shootings herauszufinden. Das beinhaltet die Recherche im Internet, Bücher, Filmen, etc.. Ein reger Gedanken- und Ideenaustausch mit den Kreativen vorab ist auch relevant. Sobald die Ideen und Vorgehensweisen stehen, gibt es erst mal sehr lange Gespräche mit der betreuenden Produktion, denn dann geht es an die Planung des Ablaufs.
Mir ist es auch wichtig von Anfang an das gesamte Team in die Vorbereitung, und auch deren Vorschläge, mit einzubeziehen. Denn das Team ist sehr wichtig um eine Produktion zu stemmen, manchmal sind wir wochenlang unterwegs und ich muss mich 100% auf das Team verlassen können.

Wovon lässt Du Dich inspirieren?
Vom Leben. Von Kleinigkeiten, die man im täglichen Leben oft selbst übersieht. Offen sein und beobachten was um mich herum passiert. Ich liebe es, einfach am Flughafen, in der Stadt, im Stau, an der Ampel, überall Menschen und das Leben zu beobachten. Von Filmen, Kunst, Theater … Ich denke, als Fotograf saugt man jegliche Form von Ausdruck und Geschichtenerzählen auf und versucht dies wieder in seinen Bildern zu verarbeiten.

Inwieweit ist das Thema „Bewegtbild“ für Dich interessant?
Finde ich absolut super, dass dieses Thema immer mehr in den Bereich Fotografie reinkommt. Das ist eine neue Herausforderung und die macht riesig Spaß.

Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Dich und gibt es aktuell Projekte, von denen Du uns berichten kannst?
Ich denke, da geht es uns Fotografen allen gleich. Die freien Arbeiten sind ein anderes Erlebnis als Auftragsarbeiten und sind genauso wichtig. Sehr gerne widme ich meine Fotografie auch sozialen Projekten. Für meine freien Projekte fotografiere ich noch sehr viel mit Film und alten Kameras. Genau das ist für mich, in dem digitalen und 3D Zeitalter, sehr wichtig geworden. Im Moment befasse ich mich eher mit einem sehr traurigen und doch spannendem Thema: unser Leben ändert sich schlagartig durch den Verlust von Menschen, die wir lieben, die ein Teil von unserem Leben sind. Die wir kennen – flüchtig oder schon seit Jahren.

Im Laufe der Zeit hast Du bereits etliche Projekte und Jobs realisiert. Gibt es Arbeiten, auf die Du besonders stolz bist oder mit denen Du ganz besondere Erinnerungen verbindest? Falls ja, welche und weshalb?
Uff, das ist ehrlich gesagt unmöglich. Jedes Projekt ist eine neue Herausforderung und jede Reise, jedes Foto hat seine Geschichte. Oft ist es auch so, dass man Namen oder bestimmte Orte über die Jahre vergisst, sobald man aber die Bilder wieder sieht, kommt die ganze Geschichte erneut zum Leben.

Was macht für Dich die Arbeit als Fotograf aus? Was schätzst Du an Deiner Tätigkeit und auf welchen Part könntest Du auch gerne verzichten?
Die Herausforderung − es wird nie langweilig. Jeder Job ist anders, obwohl man schon etliche Male ein Auto fotografiert hat. Neue Prozesse, Techniken kommen auf und man muss sich immer weiterentwickeln und dran bleiben.

Gibt es aktuell Fotografen-Kollegen, speziell aus Deutschland, deren Arbeiten Du für herausragend, innovativ oder einfach für besonders gelungen hätst?
Ich interessiere mich sehr für den Nachwuchs, neue junge Fotografen/innen, um neue und frische Eindrücke zu gewinnen. Andrea Diefenbach hat mich sehr beeindruckt. Sehr menschliche Fotografie. Tokyo Compression Revisted von Michael Wolf hat mich auch sehr berührt.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
Links:
   www.steffenschraegle.com
   www.3rdfloorcompany.com
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